02. September 2019Jan Düring

RST - Rostock auf dem Weg in den Welt­raum

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• Erster Stahlschnitt und Baubeginn von Großvorrichtungen für die Ariane 6-Oberstufe • RST liefert Fertigungsanlagen für die neue europäische Trägerrakete Ariane 6 • Industrie und Politik unterstreichen die Bedeutung von High-Tech-Arbeitsplätzen• Ariane 6 sichert künftig eigenen Zugang Deutschlands und Europas zum Weltraum

Die RST Rostock System-Technik GmbH, ein Unternehmen der FERCHAU Aviation Group, ist für die neue europäische Trägerrakete Ariane 6 unabdingbar auf ihrem Weg in den Weltraum. „RST ist der Spezialist für Montage-, Handhabungs- und Transportsysteme sowie für auf das Produkt ausgelegte individuelle Test- und Integrationsplattformen“, sagte Martin Sauerschnig, Geschäftsführer der RST, am Freitag anlässlich des ersten Stahlschnitts und Baubeginns von Großvorrichtungen für die Ariane 6-Oberstufen-Fertigung. So sei es nicht trivial, wenn ein Gerät - hier die Ariane 6-Oberstufe - mit einer Höhe von gut 12 Metern, einem Durchmesser von 5,40 Metern und einem Gewicht von 7.500 kg, sicher mittels eines Krans von einer Arbeitsstation zur anderen verbracht werden müsse. Hier sei sogar das Verbindungselement zwischen Oberstufe und Kran sehr speziell. "RST hat unter anderem einen sogenannten IFS-U-Ring entwickelt, der sicherstellt, dass die Oberstufe unversehrt durch die Integrationshalle unseres Auftraggebers ArianeGroup in Bremen an den vorbestimmten Platz kommt", ergänzt Sauerschnig. „Und den ersten Stahlschnitt für diesen Ring und für weitere kritische Komponenten - wie Transport- und Haltesystem zur Unterstützung des ersten Tests mit laufendem Raketenmotor - begehen wir heute symbolisch hier in der Produktionshalle der RST“. 

RST ist über eine Vielzahl von Fertigungs-, Handhabungs- und Testvorrichtungen mit dem Ariane 6-Programm verbunden. Dies umfasst u.a. spezielle Werkzeuge, Transportgestelle, Halte- und Hebevorrichtungen, die für den Bau und den Test der Ariane 6-Oberstufe entwickelt, getestet und geliefert wurden. Darin enthalten sind auch Sonderlösungen für Zugänge und Arbeitsplattformen, um die Ausrüstung der Oberstufe - beispielsweise der Tanks - unter teilweise schwierigsten Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. Aber auch Entwicklungsleistungen für die Verkabelung der Ariane 6-Oberstufe gehören in das RST-Portfolio. „Die Verkabelung der Ariane 6-Oberstufe ist sehr komplex und anspruchsvoll, da die Kabelbäume extremen Belastungen beim Start der Rakete ausgesetzt sind. Vibrationen, Temperaturen und Drücke sind außergewöhnlich, wenn die Triebwerke mit insgesamt über 30 Millionen PS zünden und die Rakete zum Abheben bringen“, erläutert Sauerschnig. Insgesamt beläuft sich der Lieferumfang für das Ariane 6-Programm im unteren einstelligen Millionenbereich. 

ArianeGroup ist als Hauptauftragnehmer der europäischen Trägerraketenfamilie Ariane 5 und Ariane 6 für die gesamte Produktionskette der Träger verantwortlich - vom Entwurf über die gesamte Produktionskette bis hin zur Vermarktung über sein Tochterunternehmen Arianespace. Pierre Godart, Geschäftsführer der ArianeGroup GmbH, unterstrich die Bedeutung der Ariane 6 für den unabhängigen Zugang Europas und Deutschlands zum Weltraum. Im Zeitalter der Digitalisierung verschiedenster Lebens- und Wirtschaftsbereiche nehme der Bedarf an weltraumgestützten Diensten und Daten sprunghaft zu. Als „Zubringer“ all dieser Dienste käme somit insbesondere dem Raumtransport eine erhebliche volkswirtschaftliche wie strategische Bedeutung zu und den sichere Ariane 6. „RST steht beispielhaft für über 300 Unternehmen, die gemeinsam mit uns Ariane 6 Realität werden lassen. Mittelständische KMUs machen rund 60 Prozent des Auftragsvolumens der Ariane 6-Entwicklung aus, stolze 85 Prozent davon kommen aus Deutschland. Allein in Norddeutschland sind rund 60 unserer KMU-Zulieferer angesiedelt“, sagt Godart. Als leuchtendes Beispiel eines deutschen Zulieferers begleite RST die ArianeGroup vom Reißbrett bis in die Produktion; speziell konstruierte und angefertigte Vorrichtungen und Werkzeuge für die Fertigung der Ariane 6-Oberstufen bis hin zu Konstruktions- und Testarbeiten. „Wenn ArianeGroup eine Werft für Raumschiffe wäre, dann liefert RST das Trockendock“, so Godart weiter. 

Dr. Stephan Rudolph, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern, sieht RST als Paradebeispiel eines Raumfahrt „Hidden Champions“ im Nordosten Deutschlands. „RST beweist mit den vielen Einzelteilen für Bau und Montage der Trägerrakete echte Innovationskraft und Ingenieurskunst `Made in Mecklenburg-Vorpommern´. Alle Teile sind speziell für die Ariane 6 entwickelte Produkte, die für den Bau essentiell sind. Ihre Bauteile sind wichtige Zahnräder im Gesamtkonstrukt. Wichtige Teile der neuen Ariane 6- Trägerrakete wurden in unserem Bundesland entwickelt und produziert. Somit startet zukünftig auch Know-how aus Mecklenburg-Vorpommern ins All. Mecklenburg-Vorpommern übernimmt so Verantwortung im strategischen Ziel, das Weltall besser zu erforschen“, sagt Rudolph. „Ohne eigene Technologie für das All könnten die Europäer weder militärische Beobachtungs- noch zivile Wetter- und Kommunikationssatelliten in eine Umlaufbahn befördern. Darum sehe ich die Ariane 6 als die Zukunft der europäischen Raumfahrt. Für die Vermarktung und damit für den kommerziellen Erfolg des Projektes kommt der möglichst umfangreichen Nutzung durch institutionelle Kunden wie der European Space Agency (ESA), EU oder DLR eine entscheiden-de Rolle zu“, betonte Rudolph. Der Staatssekretär begrüßte die Bereitschaft der Bundesregierung, mit der ESA eine bindende Vereinbarung zur präferierten Nutzung des Trägersystems Ariane 6 zu treffen.

Auch Eckardt Rehberg, haushaltspolitscher Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, unterstrich die strategische und wirtschaftliche Bedeutung der Raumfahrt in Deutschland. Zum einen sei der Raumtransport im wahrsten Sinne des Wortes die Schlüsselfähigkeit, die uns das Tor zum Weltraum als Wirtschaftsraum erschließe. Denn der exponentiell wachsende Bedarf an Satellitendiensten und -daten eröffne in der Konsequenz für den Raumtransport mit Trägerraketen ein enormes Marktpotential. Zum anderen seien wir als zunehmend daten- und dienstleistungsbasierte Gesellschaft auch strategisch darauf angewiesen, über die für Leben, Sicherheit und Wohlstand auf der Erde künftig kritische Infrastruktur im All jederzeit, selbstbestimmt und unabhängig verfügen zu können. Sonst machten nicht nur andere das Geschäft, sondern bestimmten auch darüber, wann bei uns sprichwörtlich das Licht ausgeht. Der Verlust von Kommunikation, Navigation oder Erdbeobachtung – ob für Sicherheit, Wirtschaft oder technologischen Alltag – sei das Blackout-Szenario des 21. Jahrhunderts, so Rehberg abschließend.

Das Produktportfolio von RST umfasst neben den Raumfahrt-Aktivitäten auch den Bereich Luftfahrt mit der Entwicklung von Kabinensystemen sowie der Entwicklung und Lieferung von Flugzeugkabinen-Simulatoren für das Training von Kabinenpersonal. An den Standorten in Warnemünde und Hamburg sind rund 150 Mitarbeiter beschäftigt.

FERCHAU Aviation Group

Die international agierende FERCHAU Aviation Group besteht aus dem Geschäftsbereich Aviation der FERCHAU GmbH und der RST Rostock System-Technik GmbH. Die Gruppe ist auf anspruchsvolle Engineering- und Beratungsdienstleistungen sowie die Entwicklung und Produktion von Systemen für komplexe Anwendungen in der Luft-, Raumfahrt und Industrie spezialisiert. Aktuell sind mehr als 800 Entwickler, Konstrukteure, Hard-/Softwareprofis und Projektmanager an 11 Standorten in Deutschland, England, Frankreich und Spanien beschäftigt. 2018 erwirtschaftete die FERCHAU Aviation Group einen Umsatz von über 70 Millionen Euro.

Die RST Rostock System-Technik GmbH beschäftigt an den Standorten in Rostock und Hamburg insgesamt 150 Mitarbeiter und ist seit über 30 Jahren als Systemlieferant für die nationale und europäische Luft- und Raumfahrtindustrie tätig.

Derzeit arbeiten bei der FERCHAU GmbH mehr als 8.400 Ingenieure, IT-Consultants, Techniker und Technische Zeichner in über 100 Niederlassungen und Standorten sowie in über 110 Technischen Büros und Projektgruppen (Stand: 31.12.2018). FERCHAU ist in den Fachbereichen Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Informationstechnik, Luft- und Raumfahrttechnik sowie Schiffbau und Meerestechnik tätig.

Weitere Informationen:

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