Image: Roboter in der LogistikAutonome Roboter sollen die Arbeit in der Logistik revolutionieren. | Fotomek
TechnikAutomatisierung der Industrie

Roboter in der Logistik

Lesezeit ca.: 4 Minuten
Sven Hansel

Sven Hansel

Freier Journalist

Die Zukunft der Logistik liegt in der Robotik. Und zwar bei der Kollabora­tion von Mensch und Maschine. Die Roboter transpor­tieren nicht nur Güter, sie packen und sortieren diese auch und flitzen anschlie­ßend ganz autonom durch die Fabrikhallen.

12. November 2019

Licht an, Ladung drauf, dann geht‘s los. Geschmeidig bewegen sich die Roboter wie von Geisterhand gesteuert durch die Maschinen­halle, können dabei – je nach Ausführung – bis zu 1.500 Kilogramm mit auf ihre Reise nehmen. Dabei erinnern sie mit ihrer Form an Luftkissen­boote und sind still wie ein Elektroauto. Der Clou bei den Robotern des kanadischen Herstellers Clearpath Robotics ist jedoch ein anderer. Die auf den Namen „Otto“ getauften Flurförder­zeuge sind völlig selbstständig. Weder benötigen sie Magnetstreifen im Boden, die sie leiten, noch Barcodes mit vorgegebenen Routen. Sie bewegen sich dank künstlicher Intelligenz von allein durch die Hallen, ihre Sensorik erkennt menschliche Lageristen-Kollegen.

Zudem müssen sie nicht erst an eine IT-Infrastruktur angebunden werden, sondern bringen ihre Software gleich mit. Und, so verspricht es der Hersteller aus Kitchener in Ontario, die KI der Ottos soll mittelfristig sogar für einen schnelleren Warenfluss sorgen. Denn sie lernen mehr und mehr die besten Wegstrecken, kollaborieren miteinander und tauschen sich ständig aus. Ihre KI wertet darüber hinaus die Ergebnisse beim Warenumschlag aus, gibt Verbesse­rungs­vor­schläge und optimiert fortlaufend. „Das Endziel dieser Entwicklung ist natürlich die komplette Autonomie, bei der menschliche Mitarbeiter nur noch als Supervisor und zur Überwachung tätig sind“, sagt IT-Analyst Axel Oppermann vom Beratungs­haus Avispador aus Kassel.

Unfälle vermeiden, Effizienz steigern

Bereits jetzt sind die Otto-Roboter der erste Schritt in die Richtung, von der Logistik­ex­perten schon lange träumen: Autonome Logistik-Robotik, die Unfälle vermeidet, Effizienz steigert und Kosten senkt.

Wie hilfreich diese Entwicklung sein kann, zeigen Zahlen der Deutschen Gesetzli­chen Unfallver­si­che­rung (DGUV). Demnach passieren mehr als 30.000 Arbeitsun­fälle jährlich mit Gabelstap­lern und Hubwagen. Etwas, das bei den Ottos und ihren Kollegen so gut wie ausgeschlossen ist. Sie sind niemals abgelenkt, müde oder unaufmerksam. Zudem sorgen ihre Sensoren dafür, dass sie auch nach hinten und um Ecken „schauen“ können. Und die künstliche Intelligenz hilft ihnen dabei, festzustellen, wo die Wahrschein­lich­keit hoch ist, dass Menschen ihre Wege kreuzen.

Dass schon in den kommenden Jahren mit mehr Roboter-Autonomie in der Logistik zu rechnen ist, deuten aktuelle Zahlen der indischen Marktfor­scher von Maximize Market Research an. Demnach wird der globale Markt für mobile Logistikro­boter 2026 voraussicht­lich 11,32 Milliarden Dollar erreichen. Dies entspricht einer durchschnitt­li­chen, jährlichen Wachstums­rate von 21,27 Prozent seit 2017.

Fakt ist: In der Logistik und Intralogistik steigt der Wettbewerbs­druck tagtäglich, ebenso wie die Kundenan­sprüche an das Tempo des Warenumschlags: heute bestellt, heute geliefert. Amazon hat es vorgemacht. „Deshalb müssen Unternehmen so viele Teilprozesse und Betriebs­mittel wie möglich digitali­sieren und automati­sieren, um wettbewerbs­fähig zu bleiben“, sagt Axel Oppermann.

Kollabora­tion als nächster Schritt

Und um diese Wettbewerbs­fä­hig­keit sicherzu­stellen, ist der Roboter als reines Transport­me­dium lediglich der erste Evolutions­schritt in der Logistik der Zukunft. Den größten Anteil am von Maximize Market Research prognosti­zierten Boom hat eine ganz besondere Gattung, der sogenannte kollabora­tive Roboter, eine Art Robocop der Industrie. Sie erinnern sich: In der Dystopie aus dem Jahr 1987 verbindet ein Cyborg-Polizeibe­amter die Vorteile von Menschen und Maschine, schwächt jeweils deren Schwächen und stärkt deren Stärken. So verhält es sich mit kollabora­tiver Robotik. Hier werden mit künstlicher Intelligenz ausgestat­tete Roboter für die Ausführung komplexer Aufgaben geschult, die mehr Überlegung und Anpassung erfordern. Sie interagieren und kollaborieren dann bei ihren Aufgaben mit menschli­chen Bedienern. Also eine Evolution vom Transport­me­dium hin zum „mitarbei­ten­den“ Roboter.

Wie so etwas funktioniert, zeigt beispiels­weise das Münchner Start-up Magazino. Deren Roboter sind mit 3D-Kameras bestückt und treffen bereits eigenständig Entschei­dungen. Derart sind sie beim Modeversand Zalando im Einsatz. Dieser Transpor­tro­boter kann dort quaderför­mige Objekte erkennen und ergreifen, etwa Schuhkar­tons aus dem Regal holen und einer Bestellung hinzufügen. Liegt indes ein anderer Karton auf den Schuhen, schiebt der Roboter diesen mit seinem Greifer wieder zurück ins Regal. Ein weiteres Beispiel sind die kollabora­tiven Roboter bei Rhenus Logistik in Holzwickede. Auch hier werden die Roboter in die Prozesse eingearbeitet, übernehmen anschlie­ßend selbsttätig Aufgaben wie das Bestücken von Palletten, kümmern sich um den Transport­pro­zess und machen Pakete bis zu zehn Kilogramm gleich versandfertig.