Image: Projekte brauchen einen Business-CaseIoT ist überall. Auch Unternehmen sollten sich damit beschäftigen … | elenabs
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Projekte brau­chen einen Busi­ness-Case

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Bernd Seidel

Bernd Seidel

freier Journalist

IoT-Projekte gelten als komplex, teuer und mit der Sicherheit steht es häufig auch nicht zum Besten. Warum sich Unternehmen mit dem Thema beschäftigen sollten, erklärt Marco Becker, Senior Consultant beim Beratungs­haus IDC.

14. Januar 2020

Sie haben deutsche Unternehmen nach den Treibern für IoT-Projekte gefragt. Was kam dabei heraus?

IoT ist für zwei Drittel der knapp 260 von IDC befragten Unternehmen in Deutschland ein elementarer Bestandteil bzw. sogar Vorausset­zung für die digitale Transfor­ma­tion des eigenen Unterneh­mens. Wesentliche Treiber sind unterneh­mens­in­terne Optimierungs­ge­danken, aber auch der äußere Marktdruck durch steigende Anforderungen von Partnern und Kunden bewegt Unternehmen zu Aktivitäten. Zudem sehen einige in IoT einen Weg, die eigene Innovati­ons­kraft zu fördern.

Wo liegen die Chancen im IoT, für welche Branchen?

IoT eröffnet völlig neue Synergien. Zum einen lassen sich Assets, also Maschinen und Anlagen unabhängig von der Distanz steuern und können teilweise eigenständig miteinander kommunizieren. Zum anderen werden vormals unabhängige Datenquellen verbunden, um neue und umfassen­dere Analysen zu ermöglichen. Durch die Analyse von Produkti­ons­daten, Metadaten und weiteren Datenquellen lassen sich im Optimalfall Kosten reduzieren, Prozesse effizienter gestalten oder die Produktqua­lität verbessern. Für viele Branchen gibt es zudem individu­elle Chancen: zum Beispiel das bessere Verständnis der Kunden oder der Produktnut­zung für Handelsun­ter­nehmen oder die Verbesse­rung des Kundener­leb­nisses bei Ver- und Entsorgern – die eigentlich eher selten in direkten Kontakt mit Kunden treten oder schwierig zu vergleichende Produkte wie Strom liefern und sich über andere Leistungen voneinander differen­zieren müssen.

Wer im Unternehmen sind die treibenden Kräfte oder sollten es sein?

Die IT nimmt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von IoT Projekten ein, weil die IT-Abteilungen über das technische Knowhow verfügen. Speziell im Industri­e­um­feld, durch die Integration von klassischer IT und Geräten und Maschinen, der sogenannten operatio­nalen Technologie (OT), kommt aber auch den OT-Verantwort­li­chen eine wichtige Rolle zu. Nach IDC Research spielen neben den etablierten Fachberei­chen auch neue Geschäfts­ein­heiten, die speziell in Zusammen­hang mit IoT geschaffen werden, eine immer größere Rolle. Treiben sollten aber vor allem die Fachbereichs­ver­ant­wort­li­chen und die Führungs­kräfte, weil das Thema IoT strategisch und damit oben in der Hierarchie aufgehängt ist. Außerdem findet die Anwendung der Technologie primär in den Fachberei­chen statt und wird dabei von der IT unterstützt.

Für IoT müssen IT-Infrastruktur, die Power der Netze und die End-to-End-Konnekti­vität auf den Prüfstand. Das alles auf einmal zu stemmen, ist für viele Unternehmen eine Überlastung. Womit sollten Unternehmen starten?

Die Hälfte der Unternehmen, die wir befragt haben, erkennt die Wichtigkeit von IoT, die Organisa­tionen wissen aber nicht, wie sie starten sollen. Man sollte dabei beachten, dass Unternehmen nicht die Umsetzung einer bestimmten Technologie planen, sondern nach Lösungen oder Optimierungs­po­ten­zial für ein bestimmtes Problem oder einen Business Case suchen. Dabei können sie sich an bereits umgesetzten Projekten und Use Cases orientieren, die Ähnlichkeiten mit dem eigenen Szenario haben. Erst danach sollte man sich mit den technolo­gi­schen Anforderungen beschäftigen und dabei auch gegebenen­falls auf Fachexper­tise von Integratoren oder Anbietern zurückgreifen.

Welche Rolle spielen Cloud-Lösungen beim Aufbau von IoT-Infrastruk­turen?

Cloud-Lösungen sind beim IoT heute kaum wegzudenken, denn der zentrale Vorteil der Cloud – Skalierbar­keit – kann zur vollen Entfaltung kommen. IoT-Projekte starten meist in kleinen Testumge­bungen und können dann enorm wachsen, wenn sie zum Beispiel auf weltweite Produkti­ons­an­lagen übertragen werden oder der eigene Kundenstamm Stück für die Stück das IoT-Angebot des Anbieters nutzt. Der Orchestrie­rungs- und Verarbei­tungs­auf­wand steigt dann möglicher­weise schneller als man eigene Kapazitäten schaffen kann. Zudem gibt es immer neue Analysemög­lich­keiten für die erhobenen Daten. Auch die Rechenleis­tung muss also regelmäßig angepasst werden. Je nach Service ist die Power aber nicht immer notwendig: ein Thermostat-Anbieter wird zum Beispiel im Winter weitaus mehr Rechenleis­tung benötigen als im Sommer. Auch hier hilft die Skalierungs­fä­hig­keit der Cloud.

Bei IoT-Systemen kocht jeder Hersteller sein eigenes Süppchen. Heißt: es gibt wenig übergrei­fende Standards, was die Integration und Sicherheit erschwert.

Standardi­sie­rung ist insbeson­dere für die Verbreitung von IoT wichtig – sollte also von allen forciert werden, die IoT in Unternehmen etablieren wollen. Das betrifft also Industrie- und Interessen­ver­bände, IoT-Anbieter und auch staatliche Instanzen zur Wirtschafts­för­de­rung oder Wettbewerbs­si­che­rung. Die Effizienz einer IoT-Landschaft hängt wesentlich davon ab, wie gut alle Elemente miteinander integriert werden können. Und weil gerade auf industri­eller Seite eine riesige Anzahl von Maschinen, Protokollen und Standards im Einsatz sind und auf Anbieter­seite verschie­denste Hard- und Software-Produkte auf verschie­denen Ebenen angeboten werden, sollte eine Standardi­sie­rung unbedingt angestrebt werden. Hinzu kommt, dass bei IoT durchaus auch Umgebungen verschie­dener Unternehmen miteinander verflochten werden sollen: auch um das zu vereinfa­chen und zu fördern, ist eine gemeinsame Sprache der Infrastruk­turen essenziell. Aber das steckt in der Tat noch in den Kinderschuhen.