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TechnikEntscheidungshilfe Cloud-Computing

Cloud oder lieber doch nicht?

Lesezeit ca.: 4 Minuten
Bernd Seidel

Bernd Seidel

freier Journalist

2019 ist das Jahr von Cloud-Computing. Vor 20 Jahren entstand der Begriff und heute nutzen mehr als 70 Prozent der Unternehmen Services aus der Wolke. Doch mit der Vielzahl der Provider und Angebote sowie der Geschwin­dig­keit, mit der sich Services ändern, wird der Um- und Einstieg nicht einfacher. Wie können Unternehmen vorgehen?

18. September 2019

Im Jahr 2018 nutzten 73 Prozent der hiesigen Unternehmen Rechenleis­tungen aus der Cloud – im Vorjahr waren es noch 66 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Bitkom Research. Weitere 19 Prozent planen oder diskutieren den Cloud-Einsatz. Speicher, E-Mail und Office-Anwendungen sind die meistgenutzten Services aus der Cloud, auch der Betrieb von Unterneh­mens­da­ten­banken, Rechenka­pa­zität für eigene Anwendungen und CRM-Systeme nehmen stark zu. Nur für acht Prozent der Unternehmen ist die Cloud noch kein Thema.

Scharen von Beratern nötig?

Die richtige Auswahl an Services, aber auch deren Integration in bestehende Systeme stellt IT- Abteilungen zunehmend vor mannigfal­tige Aufgaben. Große Konzerne könnten diese leichter stemmen, aber viele kleine und mittlere Unternehmen seien allein durch die Geschwin­dig­keit der technischen Entwicklung ein Stück weit überfor­dert, erklärt Berater Karsten Leclerque, Cloud- Experte beim Marktfor­schungs- und Beratungs­un­ter­nehmen teknow- logy | PAC. Eine Plattform wie Amazon Web Services (AWS) hat 2018 fast 2.000 neue Features und Services freigeschaltet – da auf dem Laufenden zu bleiben und das Ganze mit Alternativ­an­ge­boten zu vergleichen, ist denkbar aufwendig. Die Folge: Im Cloud-Markt hat sich eine große Schar von Dienstleis­tern gebildet. Gartner zufolge werden derzeit fast 19 Prozent der Cloud-Budgets für Consulting, Implemen­tie­rung, Migration und Managed Services ausgegeben. Die Analysten erwarten, dass diese Quote bis 2022 auf 28 Prozent steigen wird.

Sicher durch die Wolken navigieren

Um sicher durch die Cloud-Spähren navigieren zu können, lohnt sich es sich, die Argumente der Branchen­ver­bände wie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informati­ons­technik (BSI) dem Bitkom und den Beratern der Maturity GmbH zu studieren. Hier eine Auswahl der wichtigsten Kriterien, die für und gegen die IT aus der Cloud sprechen.

Pro Cloud

1. Niedrigeres Kostenni­veau durch Skalenef­fekte.

Clouddienste wachsen mit, das bedeutet der Fachausdruck „Skalierbar­keit“. Sie lassen sich vergrößern oder um neue Funktionen erweitern, wodurch sie Unternehmen eine hohe Flexibilität bei der Nutzung von Rechenleis­tungen bieten.

2. Betriebs­si­cher­heit

Wer seine Software selbst betreibt, muss immer wieder entscheiden: Ist eine Software­ak­tua­li­sie­rung notwendig, ratsam, oder gefährdet sie das System? Funktioniert ein Zusatzmodul wirklich so fehlerfrei, dass es in den Produktiv­be­trieb übergehen kann? Der Cloudanbieter nimmt dem Unternehmer die meisten technischen Probleme ab und bietet eine hohe Sicherheit gegen Systemaus­fall.

3. Zugriff von überall und jederzeit

Cloud-Anwendungen stehen im Internet zur Verfügung, also überall und zu jeder Zeit.

4. Besser kalkulier­bare Kosten für Standards

Für Cloud Computing zahlt das Unternehmen eine feste Gebühr – in der Regel monatlich. Unvorher­ge­se­hene Kosten schließt das Cloud Computing praktisch aus. Je nach Einsatzsze­nario sind keine Investitionen in Server und Storage notwendig, der Personal­auf­wand kann geringer sein. In komplexen Umgebungen kann sich das allerdings ändern.

5. Nachhaltig­keit

Rechenzen­tren verschlingen riesige Mengen Energie. Cloud-Rechenzen­trums­be­treiber sind darauf bedacht, ihre Kapazitäten ideal zu nutzen – schon aus Kostengründen.

6. Innovati­ons­ge­schwin­dig­keit

Wer auf Cloud-Serivices setzt, partizipiert an technischen Vorteilen und der hohen Innovati­ons­ge­schwin­dig­keit der Anbieter.

Contra Cloud

1. Abhängig­keit von einem Anbieter

Wer Geschäfts­pro­zesse in die Cloud verlagert, gerät leicht in eine Abhängig­keit von einem Provider. Und: auch ein Cloud Anbieter kann Konkurs anmelden. Also schon beim Einstieg auch Gedanken über einen etwaigen Ausstieg machen.

2. Verloren in der Inselgruppe

Cloud-Anbieter stellen mehr oder weniger geschlos­sene Insellösungen zur Verfügung. Um die Inseln zu verbinden, kann der eigene Aufwand und auch die Kosten für externe Beratung schnell steigen.

3.  Datenschutz

Wenn ein Unternehmen seine eigenen Server betreibt, weiß es wo sie stehen. Die Verträge der Provider müssen daraufhin abgeklopft werden, speziell bei kritischen Anwendungen und, wenn es um den Schutz persönli­cher Daten geht.

4. Know-how und Service

IT aus der Cloud kann bedeuten, Know-how zu verlieren, etwa durch Personal­abbau. Kein oder ein mäßiger individu­eller Anwender-Support kann ebenso die Folge sein.

5. Migration

Während des Wechsels von eigenen auf Cloud-Systeme kann es zu Beeinträch­ti­gungen kommen.

6. Kosten

Je nach Einsatzsze­nario fallen Einsparungen der Gesamtkosten (TCO) wesentlich geringer aus als erwartet. Ein weiterer Punkt sind die Remanenz­kosten für obsolete Verträge und Assets: Nur weil man IT aus der Cloud bezieht sind bestehende Verträge nicht ungültig. Hier können also doppelte Ausgaben anfallen.

Fazit

Grundsätz­lich hängt die Antwort auf die Frage „Cloud oder nicht?“ auch von einer weiteren Frage ab: Steht im Unternehmen überhaupt die technische Qualifika­tion zur Verfügung, um geschäft­liche Prozesse zu wettbewerbs­fä­higen Preisen auf eigener IT zu betreiben? Mit derselben Ausfallsi­cher­heit, mit derselben Flexibilität und mit dem gleichen Maß an Datenschutz? Für Berater Karsten Leclerque ist es daher keine Frage, ob Unternehmen Cloud-Dienste nutzen, sondern wie.

Ausgabe 2019/02

Ausgabe 2019/02

Dieser Artikel erscheint auch in unserem IT-Magazin <atFERCHAU>. Möchten Sie weitere spannende Artikel lesen?

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