Image: 125 Jahre MotorsportSeit dem ersten Autorennen vor 125 Jahren hat sich der Rennsport stark gewandelt.
TechnikVom Dampfungetüm zum E-Boliden

125 Jahre Motor­sport

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Monique Opetz

Monique Opetz

Freie Journalistin

1884 fand das erste Autorennen der Geschichte statt. Seitdem hat sich der Rennsport massiv gewandelt und regelmäßig zu Innovationen für Serienfahr­zeuge geführt. Ein Rückblick auf 125 Jahre Motorsport.

19. November 2019

Ein Wagen landete im Kartoffel­acker, bei einem Dampfomnibus explodierte eines der Kesselrohre und mehrere Fahrzeuge steckten auf einer Schotter­piste fest – so viel Action bot das erste Autorennen der Welt von Paris nach Rouen vor 125 Jahren. Der 20-PS-Dampfzug­wagen im Kartoffel­acker war es, der – von den Zuschauern wieder auf die Rennstrecke geschoben und gezogen - letztlich als erster über die Ziellinie fuhr. Die 126 Kilometer schaffte er in gemütlichen sechs Stunden und 48 Minuten. Als Sieger ging der Wagen des Grafen Albert de Dion samt Heizer und 800-Liter-Wassertank jedoch nicht hervor. Zu wuchtig sei sein Mobil und wegen des Anhängers nur schwer zu lenken, außerdem teurer als ein Benziner. Gewinnen sollte derjenige, dessen Fahrzeug ungefähr­lich, leicht zu bedienen und günstig war.

Von Dreirädern und Benzinkut­schen

Tonnenschwere Dampfkolosse traten gegen Dreiräder und Benzinkut­schen an, die meist noch mit Reifen aus Holzspei­chen und Hartgummi über die Straßen zuckelten. Der Antrieb war nicht vorgegeben und so waren Dampf-, Benzin- oder Gasmotoren, genauso wie Wasser- oder Federkraft­tech­no­lo­gien, Elektro- oder Pressluft­an­triebe auf der Bewerber­liste zu lesen. Die 21 Teilnehmer, die letztlich der Technikprü­fung standhielten und starten durften, setzten auf den Verbrennungs­motor, einen batterie­elek­tri­schen Antrieb oder Dampfantrieb. Neun der 17 Gefährte, die im Ziel ankamen, hatten einen Zweizylinder-V-Motor mit 3,5 PS unter der Haube – nach den Original­bau­plänen von Gottlieb Daimler. Gewonnen haben das Rennen „Wagen ohne Pferd“, ein Fahrzeug aus dem Haus Panhard & Levassor, und ein Peugeot mit Daimlerschen Benzinmotor.

Durchschnitts­tempo: 25 Kilometer pro Stunde

Nachdem der Verbrennungs­motor sich gegen bis dahin bewährte Dampfmaschinen durchzusetzen begann, kamen zügig auch andere Antriebs­al­ter­na­tiven auf die Straßen, wie etwa „Mixte-Rennwagen“ mit Elektroan­trieb. Trotz des sehr gemächli­chen Tempos, gilt das zweite Rennen 1885, Paris-Bordeaux-Paris, als Meilenstein der Rennsport­ge­schichte. Denn hier ging es erstmals darum, als Schnellster ins Ziel zu kommen. Mit der heutigen Formel 1 hatte es jedoch wenig zu tun. Die Fahrzeuge knatterten über öffentliche Straßen ohne einheitliche Wagenklasse. Mittlerweile mit durchschnitt­lich 24,54 km/h, vier Jahre später waren es bereits rasante 48,2 km/h.

Grand-Prix-Rennen etablierten sich ab 1906 und 1950 organisierte der Automobil­ver­band FIA die erste Weltmeis­ter­schaft mit insgesamt 24 Rennen, wobei nur sieben zählten. Aus dem technischen Reglement der Vorkriegs-Grand-Prix-Fahrzeuge entstanden die „Formel 1“-Vorschriften, die beispiels­weise die maximalen Motorhub­räume definierten. So durften Motoren mit Kompressor 1,5 Liter, und Saugmotoren ohne Kompressor maximal 4,5 Liter haben. Der Italiener Giuseppe Farina vom Team Alfa Romeo holte sich den Weltmeis­ter­titel mit einem 1,5-Liter-Vorkriegs-Tipo 158 mit Zweistufen-Kompressor-Motor. Mit 225 PS war eine Höchstge­schwin­dig­keit von 232 km/h möglich.

Technolo­gie­transfer bei Renn- und Serienfahr­zeugen

Dass die Entwicklungen der Rennwagen und Serien-PKW sich gegenseitig beeinflussten, zeigen zahlreiche Beispiele: Die Benzin-Direktein­sprit­zung der Silberpfeile der 50er Jahre etwa hat den Weg in die Serienpro­duk­tion gefunden, ebenso Scheiben­bremsen, Aerodynamik-Bauteile, Allradan­trieb oder Keramik-Bremsscheiben. Auch in Sachen Hybrid-Motoren – dem Markenzei­chen des modernen Rennsports – findet eine Annäherung statt. Sowohl Rennautos als auch Serien-PKW sollen effizient und nachhaltig sein. Seit 2014 setzt die Formal 1 auf Hybridmo­toren, die mit einem V-Motor mit sechs Zylindern und dem Energierück­ge­win­nungs­system ERS (Enery Recovery System) ausgestattet sind. Dabei steht ERS-K für die Rückgewin­nung kinetischer Energie und das ERS-H für die Rückgewin­nung von Energie aus dem Abgasstrom. 120 kW für 33 Sekunden pro Runde sind damit mehr drin.

Power Elektroen­ergie

Die Formel E geht noch einen Schritt weiter. Seit 2014 gibt es das neue Format der ABB FIA Formula E Championship, eine Rennserie mit ausschlie­ß­lich elektrisch angetrie­benen Fahrzeugen. Der Automobil­ver­band FIA will damit eine neue, junge Zielgruppe erreichen. Außerdem soll die Formel E als Ansporn für die Automobil­in­dus­trie dienen, Elektroautos weiterzu­ent­wi­ckeln – auch vor dem Hintergrund des Klimawan­dels. Die Rennen finden direkt in Großstädten, auf eigens entworfenen Straßenkursen von bis zu drei Kilometern, statt.  Mehr und mehr große Autohersteller steigen in das E-Format ein. Audi, BMW und Mercedes sind nur einige der Formel-E-Teams.

Zieht die E-Rennserie an der Formel 1 bald vorbei? In puncto Geschwin­dig­keit eher nicht. Die 370 km/h der Formel 1 erreichen die E-Boliden nicht, sie sind mit rund 225 km/h unterwegs. Auch der Sound ist ein gänzlich anderer. Spannend sind die urbanen Rennen inmitten von Paris, London oder New York aber allemal.