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TrendCarsharing der Zukunft

Das Auto, das seinen Nutzer abholt

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Bernd Seidel

Bernd Seidel

freier Journalist

Am Fraunhofer IPA startete das Projekt „Autonomes Fahren und intelligentes Karosserie­kon­zept für ein All-ElectRic Vehicle“ – kurz AFKAR. Forscher arbeiten daran, wie Elektrofahr­zeuge Kurzstre­cken und den Weg zur Ladestation autonom zurücklegen können.

24. Januar 2014

München +++ Januar +++ 4:30 Uhr. Vier Grad minus. Der Wecker von Bernd S. piepst. Am Vormittag hat er einen Termin in Bremen. Der Flieger ist für ihn das alternativ­lose Langstre­cken­rei­se­mittel seiner Wahl. Zum Flughafen, rund 40 Kilometer entfernt von seiner Wohnung, hat er die Qual der Wahl zwischen eigenem Auto, Taxi oder Bahn. Und: Seit kurzem stehen auch Carsharing-Fahrzeuge in seinem Stadtteil, das zum Geschäfts­ge­biet von Anbietern wie DriveNow, Car2go, StattAuto und Flinkster gehört. Das eigene Fahrzeug scheidet aus, weil seine Frau den Wagen braucht und die Parkgebühren am „Franz Josef Strauß“-Flughafen gegen unverschämt tendieren. Taxi? Wucher! Die S-Bahn? Im Winter nicht gerade mit Pünktlich­keit gesegnet. Außerdem müsste er mit umsteigen und Sicherheits­puffer fast zwei Stunden vor Abflug aus dem Haus.

Also Carsharing. Das passt zu seiner momentanen Lebensein­stel­lung. Dazu ist die Option preislich interessant, liegt sie doch kostenmäßig zwischen Bahn, eigenem Auto (plus Parkhaus) und Taxi. Doch leider steht der nächste Wagen in 13 Minuten Fußweg entfernt, das hat jedenfalls die App des Anbieters ausgerechnet.

Suche nach freien Ladeplätzen

Wie sich diese Versorgungs­lücke auf der letzten Meile schließen lässt, erforschen Wissenschaftler am Fraunhofer IPA im Projekt AFKAR. „Autonom und bequem“ lautet das Motto – die Suche nach freien Ladeplätzen oder der Weg zum Mietauto sollen damit der Vergangen­heit angehören. Seit März 2013 arbeiten die Forscher daran, wie Elektrofahr­zeuge Kurzstre­cken und den Weg zur Ladestation autonom zurücklegen können. „Im Teilprojekt „Autonomes Fahren“ entwickeln wir auf Basis kostengüns­tiger Sensoren ein dynamisches Modell, das die Umgebungs­si­tua­tion erfasst“, erklärt Felipe Garcia Lopez, wissenschaft­li­cher Mitarbeiter in der Abteilung Roboter- und Assistenz­sys­teme, Fraunhofer IPA. Mit kostengüns­tiger Sensorik sind solche Sensoren gemeint, die heute (oder in naher Zukunft) bereits in (Oberklasse-)Serienmo­dellen eingesetzt werden. Besonders wichtig ist den Wissenschaft­lern, dass keine zusätzli­chen äußeren Anbauten am Fahrzeug notwendig sind.

Zunehmende Verkehrs­dichte und hohe Kosten für Elektrofahr­zeuge verlangen neue Mobilitäts­kon­zepte: Autonome und teilauto­nome Fahrzeuge im Bereich Carsharing bieten Alternativen. Aber häufig nutzen Kunden die Vorteile des Carsharings nicht, weil die Fahrzeuge nicht in ihrer Nähe abrufbereit sind. Eine mögliche Lösung wäre der Einsatz autonomer Fahrzeuge, die selbstständig zwischen Kunde und Parkhaus pendeln. Autonome Mietautos wären damit immer dort verfügbar, wo sie benötigt werden. Vorhandene Fahrzeug­pools lassen sich dadurch besser auslasten und hohe Investiti­ons­kosten senken.

Autonom aufgeladen

Eine wichtige Rolle spielt außerdem die Bereitstel­lung von Stell- und Ladeplätzen für Elektroautos in öffentli­chen Parkhäu­sern. Denn um eine begrenzte Anzahl induktiver Ladeplätze effizient nutzen zu können, ist es notwendig, aufgeladene Elektrofahr­zeuge auf gewöhnliche Stellplätze umzuparken. Autonome Fahrzeuge könnten dabei einen wesentli­chen Beitrag leisten. Gedacht wird dabei an intelligente Parkhäuser, die Ladestationen für Elektroautos anbieten. Die Fahrzeuge steuern dabei selbstständig auf freie Ladeflächen zu und geben diese wieder frei, wenn ihre Batterien aufgeladen sind.

Dabei kommunizieren die autonomen Elektrofahr­zeuge über eine drahtlose Schnittstelle mit Ladestation und Parkhaus-Management. Informationen über Ladestand und Posi- tionierung ermögli­chen das bedarfsge­rechte und autonome Umparken. Die wesentli­chen Vorteile für den Kunden: Am Eingang gibt er sein Fahrzeug ab und bucht ein gewünschtes Ladevolumen. Das intelligente Parkhaus optimiert dann selbständig die Auslastung der vorhandenen Ladeplätze. Kommt der Kunde zurück, steht sein Auto im Abholbereich einsatzbe­reit zur Verfügung. Genau hier setzen die Arbeiten der Fraunhofer Forscher an.

„Im Moment sind wir dabei, unser Wissen aus der mobilen Service-Robotik auf das Themenfeld autonomes Fahren für den Bereich Automotive zu transpor­tieren und daran anzupassen“, erläutert Garcia Lopez den Projektstatus. Dies beinhalte insbeson­dere die Applikationen zur Lokalisie­rung, Kartenbil­dung, Pfadplanung und -regelung. „In erster Linie beschäftigen wir uns damit, die freie Navigation in Parkhäusern zu realisieren, da hier die Rahmenbe­din­gungen jenen der freien Indoor-Navigation in der Service-Robotik sehr ähneln“, so der Wissenschaftler weiter. Darüber hinaus seien erste Software-Prototypen zur Wahrnehmung und Interpre­ta­tion urbaner Verkehrs­si­tua­tionen implemen­tiert. Getestet wird auf instituts­ei­genen Versuchs­fel­dern, auf denen bereits Service-Roboter getestet wurden. Ein Prototyp sei in Vorberei­tung.

Stau vermeiden und Verkehrs­si­cher­heit erhöhen

Durch leistungs­fähige Sensorik und kostengüns­tige Prozessoren, die die aufwändigen Kartierungs- und Bahnplanungs­ver­fahren bewältigen, hat die autonome Navigation von Fahrzeugen in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Doch auf das Fahrzeug, das autonom aus dem Carsharing-Bereich vor die Wohnungstür fährt, müsse Bernd S. noch ein wenig warten. Technolo­gisch scheint dies in näherer Zukunft möglich zu sein. Doch selbst bei OEMs werden hier Zeiträume im Rahmen der kommenden zehn Jahre genannt. Die rechtlichen Rahmenbe­din­gungen (Wiener Abkommen) scheinen dabei die größere Hürde zu sein.

Carsharing in Deutschland – ein Erfolgsmo­dell?

Ein Carsharing-Fahrzeug ersetzt vier bis acht Pkw.

Zurzeit gibt es in Deutschland rund 140 Carsharing-Anbieter.

Man unterscheidet stationäre und „Free-Floating“-Angebote.

Anfang 2013 haben sich 453.000 Menschen in Deutschland bei den stations­ba­sierten Carsharing-Angeboten sowie den frei im Straßenraum verfügbaren Angeboten registriert.

Am 01.01.2013 standen diesen Carsharing-Nutzern 6.700 Fahrzeuge zur Verfügung. Der Zuwachs betrug 19,6 Prozent, in absoluten Zahlen sind dies 1.100 mehr als im Vorjahr.

Zwei Drittel aller Nutzer sind zwischen 30 und 50 Jahre alt.

Die Zahl der Nutzer bei den stations­ba­sierten Angeboten wächst jährlich um 15 bis 20 Prozent.

Die Kosten setzen sich in der Regel zusammen aus einem Mitglieds­bei­trag, einer Ausleihge­bühr pro Stunde und einer Kilometer­pau­schale.

Die Stadt mit den meisten Carsharing-Autos pro 1000 Einwohner ist Karlsruhe.

Der erste deutsche Carsharing-Anbieter war 1988 „StattAuto“ in Berlin.

Zu den Autoherstel­lern mit eigenen Carsharing-Angeboten zählen BMW (DriveNow), Daimler (Car2Go) und Citroën (Multicity).

Auch der VW-Konzern, der in den 90er Jahren schon einmal ein eigenes Carsharing-Angebot hatte, oder Renault prüfen den Einstieg in den Markt.

(Quellen: BCS, f/21, Autonetzer.de)