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Ulfs* WeltKolumne

Dem Inge­niarz ist nichts zu schwarz

Lesezeit ca.: 3 Minuten
Ulf Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

freier Journalist

Die letzte große Herausfor­de­rung für Sensorik-Spezialisten ist goldbrauner Toast.

25. Februar 2014

Es hilft nichts, wir sind selber schuld. Wir wollten die Monsteraus­wahl zu kleinen Preisen und haben deshalb die Elektrof­ach­ge­schäfte aussterben lassen, deren Inhaber nur Ware führten, die sie selbst gut fanden. Seither bleibt uns die Qual-Wahl zwischen Bin-ich-denn-blöd-Märkten, Online-Geizshops und Aktionsware vom Discounter. Wir wollten auch keine teuren Namen mehr mitbezahlen. Das freute findige Importeure: Sie konnten alte Marken billig aus Konkursmassen fleddern und sie auf neuen Ramsch kleben. Jetzt shoppen wir nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ – mit Betonung auf Irrtum. Und im Keller stapeln sich immer mehr Produkte, die auf dem Weg von der Fabrik zum Wertstoffhof besser einen Riesenbogen um unsere Geldbeutel gemacht hätten.

Aber Reklamieren geht über Lamentieren, probieren Sie es einfach mal selbst aus. (Wenn Sie glauben, sich künstlich aufzuregen, schauen Sie sich in der ZDF-Mediathek einfach mal eine Tirade von Gernot Hassknecht an.)

Als Übungsob­jekt bietet sich ein Doppellang­schlitz-Toaster an. Die erste Besonder­heit dieser Modelle besteht darin, dass bis zu vier Scheiben Toast oder zwei große Graubrot­scheiben gleichzeitig hineinpassen, die zweite darin, dass Sie das Gerät mit Sicherheit werden umtauschen wollen – weil Sie zum Beispiel die obligato­ri­schen Hinweise auf „Sensorelek­tro­nik“ und „wählbaren Bräunungs­grad“ so gedeutet haben, dass Ihr Toaster dank ausgeklü­gelter Echtzeit-Informati­ons­ver­ar­bei­tung nichts anbrennen lässt, sondern das gesamte Röstgut zuverlässig immer beim gleichen appetitli­chen Braunton auswirft, und das möglichst nicht im hohen Bogen auf den Fußboden.

Wie eigene Experimente und das Studium zahlloser amazon-Kundenre­zen­sionen zweifels­frei belegen, gibt es das bei den Doppellang­schlit­zern nicht. Offenbar lassen alle Anbieter das Innenleben ihrer Modelle bei nur zwei Ingenieur­büros konstruieren, denn es gibt genau zwei Sorten: Bei Gruppe A heißt Stufe 1 „reinweiß“, alle folgenden regeln den Grad der Verkokelung; davon habe ich gerade das dritte Exemplar zurückge­bracht, weil ich nicht in die Produktion von Dreikorn-Aktivkohle einsteigen wollte. Bei Gruppe B folgt auf fünf bis sieben Weiß-Nuancen ein zartes chamois. 

A und B sind außerdem jeweils in zwei Gehäuseva­ri­anten erhältlich: Kunststoff (schmilzt) und Metall (wird außen heiß wie eine Herdplatte). A und B haben serienmäßig windige Brötchen­auf­sätze, die unter dem Gewicht einer Weltmeis­ter­semmel zusammen­klappen. Allen gemeinsam ist eine kafkaeske Sicherheits­vor­rich­tung, die ein Einschalten genau dann verhindert, wenn der an einem viel zu kurzen Kabel hängende Stecker gar nicht in der Dose steckt, nicht aber etwa den Strom abschaltet, wenn der Stecker drin ist und sich das Brot im Schlitz verkeilt hat. Diese Konstruk­tion hat für die Hersteller den Charme, dass der Kunde öfter mal seine Küche abfackelt und dann natürlich den nächsten Toaster braucht.

Vielleicht wird aber bald alles besser, dank Google. Der kaliforni­sche Datensammler, der uns schon selbstlen­kende Autos und filmende Brillen bescherte, knöpft sich jetzt die Küche vor. Seine neue, von ehemaligen Apple-Managern gegründete Tochterfirma Nest baut Brandmelder, deren Alarm man mit einer lässigen Winkgeste abschalten kann, wenn bloß der Toaster qualmt. Da ist doch der nächste logische Schritt, diese tollen Sensoren gleich in den Toaster einzubauen und diesen mit dem Android-Handy und der Google-Glass-Brille zu vernetzen.

Wer gerade ein neues Exemplar braucht, weil das alte abgeraucht ist, weiß Google dank Nest sowieso.