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MenschenTobias Schrödel

„Face­book ist total über­be­wer­tet“

Lesezeit ca.: 3 Minuten
Nicole Walter

Nicole Walter

Online-Redakteurin

Am 27. November sorgt Deutschlands IT-Comedian Nr. 1 an der Hochschule Karlsruhe im Rahmen der FERCHAU-Veranstal­tungs­reihe „IT meets Engineering“ wieder für spannende und unterhalt­same Einblicke in die IT-Praxis. Das Thema: „Soziale Netzwerke sind soziale Waffen“. Im Interview stand uns Tobias Schrödel vorab Rede und Antwort.

25. November 2014

Herr Schrödel, inwiefern sind Social Media ein Fluch oder Segen für Unternehmen?

Tobias Schrödel: Grundsätz­lich sind die Social-Media-Kanäle ein wunderbares Kommunika­ti­ons­werk­zeug, mit dem man direkt, unkompli­ziert und schnell mit seiner Zielgruppe in Kontakt treten kann. Der Haken: Nur wer das Tool richtig bedient, profitiert auch davon. Facebook & Co. sind häufig total überbewertet, was den Nutzen für viele Unternehmen anbetrifft. Zumal es auch richtig Geld kostet. Es bringt nämlich nichts, wenn jemand aus der Marketing-Abteilung die Facebook-Unterneh­mens­seite nebenbei pflegt, wenn das Tagesgeschäft schon 125 Prozent von dessen Arbeitszeit frisst. Letztlich kommt es auch ganz entschei­dend darauf an, wo sich Ihre Zielgruppe aufhält. Verkaufen Sie Helmkameras für Biker, mit denen man sich auf der Schotter­piste selbst filmen kann? Dann ab auf Facebook. Verkaufen Sie jedoch Treppenlifte, dann sollten Sie lieber in der „Apotheken Rundschau“ nach Ihrer Community suchen. Oder warum glauben Sie inseriert RedBull nicht in der „Hörzu“?

Viele Firmen fürchten sich vor negativen Reaktionen. Was ist die beste Strategie, sich vor Shitstorms im Social Web zu schützen?

Schrödel: Zum einen ist ein Monitoring der Kanäle wichtig. Nur so erkennen Sie frühzeitig, ob sich etwas zusammen­braut. Entschei­dender ist aber, dass Sie mit Fingerspit­zen­ge­fühl auf negative Kommentare reagieren. Das ist vor allem eine Typfrage. Die Herausfor­de­rung ist, den richtigen Ton des Publikums zu treffen. Meine Empfehlung: Nehmen Sie das Anliegen des Users ernst. Suchen Sie das Gespräch auf Augenhöhe, eventuell mit einer Prise Witz versehen. Im besten Fall gelingt es, den Spieß umzudrehen und Sympathie statt Spott und Häme zu ernten. Falsch ist es, negative Kommentare und Kritik kommentarlos zu entfernen. Das funktioniert nie. Denn kurze Zeit später tauchen diese an einer anderen Stelle wieder auf. 

Gibt es Beispiele von Unternehmen, die einen Shitstorm erfolgreich gedreht haben?

Schrödel: Der Restaurant­kette Vapiano ist es beispiels­weise gelungen, in einer solchen Situation smart und charmant zu reagieren. Was war passiert: Ein Kunde hatte in seinem Salat eine lebende Raupe gefunden und diesen Fund samt Video anonym auf der Facebook­seite des Unterneh­mens gepostet.  Das Ergebnis war eine Welle der Entrüstung, die über Vapiano niederging. Ein Sprecher der Restaurant­kette reagierte sofort und deutete die Raube als Beleg für die Frische der Salate. Die sympathi­sche und mit einem Augenzwin­kern versehene Reaktion sorgte dafür, dass sich die Richtung des Shitstorms änderte. Der Fokus verlagerte sich nun auf den anonymen User, der alles ins Rollen gebracht hatte. Die Kritik lautete: Anonyme Posts dienten nur dazu, den Ruf des Unterneh­mens zu schädigen – eine feige und hinterhäl­tige Aktion.

Viele Menschen posten und teilen Informationen, ohne groß darüber nachzudenken, welche Wirkung ihr Handeln hat. Der laxe Umgang mit privaten Daten ist fast schon erschreckend. Wie passt das mit dem in Deutschland gerne diskutierten Thema „Datenschutz“ zusammen?

Schrödel: Der Datenschutz ist wichtig – gerade im Fall von Unternehmen, die mit meinen Daten Geld verdienen, ohne dass ich dafür mein Einverständnis gegeben habe. Aber der Datenschutz schützt auch nicht vor allem. Mittlerweile wird dieser doch für alles herangezogen, was aus unerfind­li­chen Gründen nicht erwünscht ist. Und eine sinnvolle Begründung wird auch nicht gebraucht. „Aus Datenschutz­gründen!“ reicht völlig aus. Denn alleine die Begründung auszuspre­chen, verstößt … na klar,  gegen den Datenschutz.

Google bietet mittlerweile an, auf Anfrage persönliche Daten in Suchergeb­nissen zu löschen. Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein?

Schrödel: Wer glaubt, dass dadurch die Inhalte aus dem Web verschwinden, irrt sich. Google löscht lediglich die Links zu den Inhalten, nicht aber die Inhalte selbst. Eine der größten Herausfor­de­rungen  der Zukunft wird sein, in einem freien Internet Herr seiner Daten zu bleiben. Das heißt aber auch, frei darin zu sein, diese Daten jederzeit löschen können. Letzteres ist noch nicht gelöst.