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TechnikNeue Spritspartechniken

Entzie­hungs­kuren für heim­liche Sprit­schlu­cker

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Rüdiger Vossberg

Rüdiger Voßberg

freier Journalist

Die Empörung war groß, und die Strafen sind hart. Frisierte Angaben zum Benzinver­brauch kommen Hyundai und Kia in den USA nun teuer zu stehen: Die koreanischen Autohersteller blechen insgesamt 750 Millionen Dollar für Strafen und Entschädi­gungen. Auch in Europa wird getrickst – jedoch ohne Strafzettel für die Spritsünder. Ein fahrlässiger Imagever­lust, denn neue Spritspar­technik wartet schon auf grünes Licht.

19. Dezember 2014

Die aktuelle Studie „Manipula­tion of Fuel Economy Test Results by Carmakers“ der Organisa­tion Transport & Environment (T&E) hat Mercedes als den größten Trickster beim Benzinver­brauch entlarvt. Demnach soll ein nagelneuer Schwabe auf der Straße 40 Prozent mehr verbrauchen als seine Verkaufs­bro­schüre verspricht. Aber auch Neuwagen von Ford oder BMW liegen mit ihren Studiener­geb­nissen etwa ein Drittel über den offiziell angegebenen Normverbrauchs­werten.

Danach verbrauchen die Pkw aller untersuchten Marken im täglichen Privatge­brauch durchschnitt­lich 31 Prozent mehr, als die Hersteller offiziell angaben. Diese Abweichungen zwischen Handbuch­daten und Praxisver­brauch lagen im Jahr 2001 bei nur acht Prozent, so zeigt es die Untersuchung, die sich in weiten Teilen aus Datenmate­rial der Nonprofit-Organisa­tion International Council of Clean Transpor­ta­tion speist.

Diese Differenzen verursachen jährliche Mehrkosten von rund 500 Euro für den Verbraucher, bilanziert T&E. Die Autoren der Studie prangern Autohersteller und EU-Regularien gleicher­maßen an: „Hersteller manipulieren das aktuell gültige Testverfahren für die Ermittlung von Verbrauch und Kohlendi­oxid-Ausstoß immer gekonnter“. Und die EU versage, Schlupflö­cher bei dem Testverfahren zu schließen.

„T&E geht mit seiner Aussage an der Realität vorbei“, hält der Verband der Automobil­in­dus­trie e. V. (VDA) in einem Statement dagegen. Der Kraftstoff­ver­brauch in Europa sinke, obwohl die gefahrenen Kilometer immer mehr werden. Dies liegt vor allem an der immer höheren Kraftstoff­ef­fi­zienz der neuen Fahrzeuge. „Durch den immer niedrigeren Verbrauch der Neuwagen­flotte spart der Autofahrer Kraftstoff und damit Geld“, konstatiert VDA-Geschäfts­führer Ulrich Eichhorn.

Dem ambitionierten Bleifußfahrer sind Spritein­spa­rungen ziemlich egal und konterka­riert mit seinem Dauersprint auf der Überholspur die politischen und technischen Bemühungen um CO2- und Spritein­spa­rungen. Selbst die physikali­schen Gesetzmä­ßig­keiten auf der Erde stehen nicht immer auf Seiten der Verbraucher: So schluckt dasselbe Auto mit dem gleichen Fahrer im frostigen Friesland weniger Benzin als im sonnigen Hochland rund um Oberwiesen­thal. Logisch, und deshalb braucht es technische Tools, die dem Spritdurst für die kraftvolle Verbrennung Einhalt gebieten.

Segelfunk­tion – Motor schaltet während der Fahrt ab

Start-Stopp an der Ampel kann ja jeder. Aber die neue „Segeltech­nik“ von Bosch stoppt den Motor während der freien Fahrt. Hält das Fahrzeug allein durch das bloße Rollen einigermaßen seine Geschwin­dig­keit, beispiels­weise beim leichten Gefälle oder beim Ausrollen, schaltet die neue Technik den Verbrenner ab, wodurch dieser keinen Kraftstoff mehr verbraucht. Tippt der Fahrer Gas oder Bremse an, startet der Motor wieder. Emissions­freies und fast geräusch­loses Segeln auf der A7 in den Kasseler Bergen ist somit garantiert. Da erhält der Begriff des „Geisterfah­rers“ doch gleich eine völlig neue Bedeutung.

Bis zu zehn Prozent weniger Sprit soll diese neue Form des Rollsegelns verbrauchen. „Unsere Vorserien­ent­wick­lung ist abgeschlossen und das System ist so weit, dass wir nun bei Anfrage des OEMs an die spezielle Applizie­rung des Systems für das jeweilige Serienfahr­zeug gehen könnten“, berichtet Bosch-Pressespre­cher Florian Flaig. Nun denn ...

Gegendruck am Gaspedal

Auch durch den Einsatz von kooperativen Fahreras­sis­tenz­sys­temen könne eine Reduktion des Kraftstoff­ver­brauchs von bis zu 20 Prozent erreicht werden, erklärt Professor Karsten Lemmer vom Institut für Verkehrs­sys­tem­technik des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig.

In Versuchs­fahrten haben die Wissenschaftler unter anderem untersucht, wie die Fahrer auf haptische Hinweise reagieren. So wurde dem Fahrer durch Gegendruck des Gaspedals eine Beschleu­ni­gungs- oder Verzögerungs­emp­feh­lung gegeben. Zunächst gewöhnungs­be­dürftig für manchen, aber in Kombination mit der visuellen Rückmeldung wurden schließlich auch die automati­schen Bewegungen des Gaspedals von den Fahrern gut angenommen.

Das kooperative Assistenz­system soll den Fahrer dabei unterstützen, unnötiges Abbremsen und Anhalten zu vermeiden. „Über Kommunika­ti­ons­tech­no­lo­gien erhalten kooperative Fahreras­sis­tenz­sys­teme mehr Informationen aus ihrem Umfeld. Damit können sie dem Autofahrer helfen, vorausschau­ender und dadurch spritspa­render und umweltfreund­li­cher zu fahren“, resümieren die Braunschweiger Forscher.

Bremsenergie-Rückgewin­nung (Rekupera­tion)

Wenn ein Autofahrer den Gasfuß hebt oder auf die Bremse tritt, verpufft die Bewegungs­en­ergie seines Wagens ungenutzt als Wärme. Anders beim Mittelklas­se­kombi Mazda 6: Hier wandelt ein Generator die Bewegungs- in elektrische Energie um und speichert diese in einem sogenannten Superkon­den­sator (engl.: Supercaps). Der ist im Gegensatz zu Batterien in Sekunden geladen und versorgt dann alle elektrischen Verbraucher wie Radio, Navigati­ons­system oder Klimaanlage mit Strom.

Der Motor selbst vergeudet dadurch keinen Kraftstoff mehr mit dem Betrieb der elektrischen Systeme, und das Auto wird insgesamt sparsamer. Der japanische Hersteller verspricht eine Spritersparnis von bis zu 10 Prozent. Auch Mercedes-Benz verwendet diese rasante Speicher­technik für seinen Stadtbus Citaro, während Audi den 515 kW-Boliden Aventador LP 700-4 Roadster der Edelmarke Lamborghini mit den Hochleis­tungs­kon­den­sa­toren zur Effizienz­stei­ge­rung ausrüstet.

Alle Systeme zusammen­ge­nommen hätten also genügend Sparpoten­zial, den Spritver­brauch nochmals um ein Drittel zu senken – ohne Tricksereien. Dann bräuchte der frustrierte Autofahrer auch nicht mehr die heimlichen Schluckspechte auf der eigens dafür eingerich­teten Website der Deutschen Umwelthilfe anzuschwärzen! Na denn, Prost!