Image: Hub, Hub, hurra? USBäh!FERCHAUFERCHAU
Ulfs* WeltKolumne

Hub, Hub, hurra? USBäh!

Lesezeit ca.: 4 Minuten
Ulf Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

freier Journalist

Das Ekligste an der Elektronik sind Kabel, Stecker und Buchsen. Ihre Gestaltung ist Sadisten vorbehalten.

27. Januar 2015

Psst! Schauen Sie mal hierher, unter meinen Schreibtisch. Im Rollcontainer verbirgt sich ein Mini-Kupferberg­werk – Sekundär-Rohstoff im PVC-Mantel, ein Panoptikum aus der Zeit, als Kabelsalat die Basis aller Datenkom­mu­ni­ka­tion war. Ich war schon kurz davor, die alten Strippen und Adapter zum Wertstoffhof zu bringen. Fast wäre ich denen auf den Leim gegangen, die uns weismachen, in Zeiten fortschrei­tender Drahtlosig­keit bräuchten wir allenfalls noch ein paar schlanke Hochleis­tungs­kä­bel­chen mit noch schlankeren Steckerchen, um all unsere heimische Digitaltechnik perfekt mit dem Computer zu vernetzen.

Alle Fakten deuten auf eine globale Verschwö­rung hin, deren Hintermänner uns jede Freude am Umgang mit Computern und Unterhal­tungs­elek­tronik nehmen wollen, indem sie die Kopplung der Gerätschaften zum Glücksspiel machen. Ich weiß noch nicht, was diese Leute treibt; vielleicht spekulieren sie auf billiges Altmetall und hoffen, dass wir entnervt alles verschrotten. Jedenfalls haben sie es geschafft, ihre Handlanger an den Schlüssel­stellen der Hardware- und Zubehörin­dus­trie zu platzieren. Was dort läuft, ist mit Dummheit und Unfähigkeit ja nicht zu erklären. Die Sabotage richtet sich sogar schon gegen User, die auf Funk setzen.

Nach dem jüngsten Fritzbox-Firmware-Update musste ich zum Beispiel mein 6-Meter-Ethernet-Kabel aus dem Fundus kramen, weil sich – kein Witz! – die Website von Twitter via WLAN nicht mehr lädt. WLAN ist eh Mist, wenn man ein Bluetooth-Headset benutzt, dem dauernd ein Wifi-Kanal dazwischen­funkt. Das nächste Legacy-Kabel musste her, weil der angeblich drahtlos anschließ­bare Multifunk­ti­ons­dru­cker via AirPrint keine Faxe macht. (Nein, ich bin kein Nostalgiker. Ich faxe nur, wenn der Empfänger mich dazu nötigt.)

Gleich gibt’s ein Donnerwetter kommt selten allein

Das zuletzt reaktivierte Museumsstück ist ein massives DVI-Monitorkabel. Ich hatte es schon durch ein schlankes HDMI-Kabel ersetzt, das neben dem Bild auch den Ton zum Zweitdis­play übertrug. Das TV-PC-Hybrid HDMI wirkt ja modern – im Vergleich zu SCART, den starren Videokabeln, die sich immer von selbst aushebelten, weil ihre Winkelste­cker grundsätz­lich zur falschen Seite zeigten. Wer aber wie ich ein Früchtchen auf dem Notebook-Deckel hat, braucht auch dafür einen Adapter. Direkt anschließen lassen sich nämlich nur Edelmoni­tore mit dem Highend-Konnektor Thunderbolt (zu Deutsch: Blitz und Donner).

Dass sich die Lautstärke halbierte, war zu verschmerzen. Leider liegt der Anschluss so dicht neben den zwei USB-Buchsen, dass man bei jedem Versuch, ein USB-Kabel abzuziehen, den Monitorste­cker touchiert – woraufhin der Bildschirm ein Donnerwetter aufführt wie ein Röhrenfern­seher ohne Antennen­si­gnal. Flanscht man ihn per DVI-Kabel an denselben Adapter an, bleibt er still. Indes: Es hätte schlimmer kommen können. In Kundenforen kursieren Horrorge­schichten von Thunderbolt-Dockingsta­tionen, die ganze Motherboards in den Hitzetod geschickt haben sollen.

6-Punkte-Geheimpa­pier

Da plage ich mich doch lieber weiter mit dem Lieblings-Folterin­stru­ment der Verschwörer, der USBäh-Schnittstelle samt der obligato­ri­schen Mehrfach­steck­dosen alias Hubs. Hierzu wurde mir soeben ein 6-Punkte-Geheimpa­pier zugespielt, dessen Inhalt ich Ihnen nicht vorenthalten will, auch wenn seine Authenti­zität noch nicht verbürgt ist:

Regel 1: Baue in einen Computer maximal eine Buchse pro sieben Geräte ein, die der Nutzer besitzt, und zwinge ihn so zur Anschaffung mehrerer Hubs, deren Minderwer­tig­keit er erst nach dem Kauf bemerken wird.

Regel 2: Platziere die Buchsen bei einem Notebook so eng nebenein­ander, dass jeder Speicher­stick oder Kartenleser zuverlässig auch die benachbarten blockiert.

Regel 3: Platziere die Buchsen bei einem Tower-PC ganz unten auf der Rückseite, damit die Benutzung unbequem wird und bei Nichtbenut­zung zuverlässig Teppichbo­den­fus­seln und Staub eindringen können.

Regel 4: Verteile bei einem Hub die Buchsen so rund ums Gerät, dass der Kabelsalat maximiert wird.

Regel 5: Verrate dem Kunden nicht, dass er sich die Anschaffung eines USB-3.0-Hubs sparen kann, wenn er auch USB-2.0-Geräte daran anschließen will. Nur so ist sicherge­stellt, dass er seine 3.0-Geräte auf 2.0-Tempo abbremst und verzweifelt den Fehler sucht.

Regel 6: Spare bei Hubs an der Qualität und biete sie teuer an. Achte insbeson­dere darauf, dass der Hub auch mit dem mitgelie­ferten Netzteil zu wenig Spannung führt, um Scanner oder Festplatten zuverlässig zu betreiben. Nichts nervt einen Nutzer besser als Back-ups, die niemals abgeschlossen werden, und externe Datenträger, die urplötzlich vom Desktop verschwunden sind.

In diesem Sinne: Hub, Hub, hurra? USBäh!