Ulfs* WeltKolumne

Hub, Hub, hurra? USBäh!

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Ulf Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

freier Journalist

Das Ekligste an der Elektronik sind Kabel, Stecker und Buchsen. Ihre Gestaltung ist Sadisten vorbehalten.

27. Januar 2015

Psst! Schauen Sie mal hierher, unter meinen Schreibtisch. Im Rollcontainer verbirgt sich ein Mini-Kupferbergwerk – Sekundär-Rohstoff im PVC-Mantel, ein Panoptikum aus der Zeit, als Kabelsalat die Basis aller Datenkommunikation war. Ich war schon kurz davor, die alten Strippen und Adapter zum Wertstoffhof zu bringen. Fast wäre ich denen auf den Leim gegangen, die uns weismachen, in Zeiten fortschreitender Drahtlosigkeit bräuchten wir allenfalls noch ein paar schlanke Hochleistungskäbelchen mit noch schlankeren Steckerchen, um all unsere heimische Digitaltechnik perfekt mit dem Computer zu vernetzen.

Alle Fakten deuten auf eine globale Verschwörung hin, deren Hintermänner uns jede Freude am Umgang mit Computern und Unterhaltungselektronik nehmen wollen, indem sie die Kopplung der Gerätschaften zum Glücksspiel machen. Ich weiß noch nicht, was diese Leute treibt; vielleicht spekulieren sie auf billiges Altmetall und hoffen, dass wir entnervt alles verschrotten. Jedenfalls haben sie es geschafft, ihre Handlanger an den Schlüsselstellen der Hardware- und Zubehörindustrie zu platzieren. Was dort läuft, ist mit Dummheit und Unfähigkeit ja nicht zu erklären. Die Sabotage richtet sich sogar schon gegen User, die auf Funk setzen.

Nach dem jüngsten Fritzbox-Firmware-Update musste ich zum Beispiel mein 6-Meter-Ethernet-Kabel aus dem Fundus kramen, weil sich – kein Witz! – die Website von Twitter via WLAN nicht mehr lädt. WLAN ist eh Mist, wenn man ein Bluetooth-Headset benutzt, dem dauernd ein Wifi-Kanal dazwischenfunkt. Das nächste Legacy-Kabel musste her, weil der angeblich drahtlos anschließbare Multifunktionsdrucker via AirPrint keine Faxe macht. (Nein, ich bin kein Nostalgiker. Ich faxe nur, wenn der Empfänger mich dazu nötigt.)

Gleich gibt’s ein Donnerwetter kommt selten allein

Das zuletzt reaktivierte Museumsstück ist ein massives DVI-Monitorkabel. Ich hatte es schon durch ein schlankes HDMI-Kabel ersetzt, das neben dem Bild auch den Ton zum Zweitdisplay übertrug. Das TV-PC-Hybrid HDMI wirkt ja modern – im Vergleich zu SCART, den starren Videokabeln, die sich immer von selbst aushebelten, weil ihre Winkelstecker grundsätzlich zur falschen Seite zeigten. Wer aber wie ich ein Früchtchen auf dem Notebook-Deckel hat, braucht auch dafür einen Adapter. Direkt anschließen lassen sich nämlich nur Edelmonitore mit dem Highend-Konnektor Thunderbolt (zu Deutsch: Blitz und Donner).

Dass sich die Lautstärke halbierte, war zu verschmerzen. Leider liegt der Anschluss so dicht neben den zwei USB-Buchsen, dass man bei jedem Versuch, ein USB-Kabel abzuziehen, den Monitorstecker touchiert – woraufhin der Bildschirm ein Donnerwetter aufführt wie ein Röhrenfernseher ohne Antennensignal. Flanscht man ihn per DVI-Kabel an denselben Adapter an, bleibt er still. Indes: Es hätte schlimmer kommen können. In Kundenforen kursieren Horrorgeschichten von Thunderbolt-Dockingstationen, die ganze Motherboards in den Hitzetod geschickt haben sollen.

6-Punkte-Geheimpapier

Da plage ich mich doch lieber weiter mit dem Lieblings-Folterinstrument der Verschwörer, der USBäh-Schnittstelle samt der obligatorischen Mehrfachsteckdosen alias Hubs. Hierzu wurde mir soeben ein 6-Punkte-Geheimpapier zugespielt, dessen Inhalt ich Ihnen nicht vorenthalten will, auch wenn seine Authentizität noch nicht verbürgt ist:

Regel 1: Baue in einen Computer maximal eine Buchse pro sieben Geräte ein, die der Nutzer besitzt, und zwinge ihn so zur Anschaffung mehrerer Hubs, deren Minderwertigkeit er erst nach dem Kauf bemerken wird.

Regel 2: Platziere die Buchsen bei einem Notebook so eng nebeneinander, dass jeder Speicherstick oder Kartenleser zuverlässig auch die benachbarten blockiert.

Regel 3: Platziere die Buchsen bei einem Tower-PC ganz unten auf der Rückseite, damit die Benutzung unbequem wird und bei Nichtbenutzung zuverlässig Teppichbodenfusseln und Staub eindringen können.

Regel 4: Verteile bei einem Hub die Buchsen so rund ums Gerät, dass der Kabelsalat maximiert wird.

Regel 5: Verrate dem Kunden nicht, dass er sich die Anschaffung eines USB-3.0-Hubs sparen kann, wenn er auch USB-2.0-Geräte daran anschließen will. Nur so ist sichergestellt, dass er seine 3.0-Geräte auf 2.0-Tempo abbremst und verzweifelt den Fehler sucht.

Regel 6: Spare bei Hubs an der Qualität und biete sie teuer an. Achte insbesondere darauf, dass der Hub auch mit dem mitgelieferten Netzteil zu wenig Spannung führt, um Scanner oder Festplatten zuverlässig zu betreiben. Nichts nervt einen Nutzer besser als Back-ups, die niemals abgeschlossen werden, und externe Datenträger, die urplötzlich vom Desktop verschwunden sind.

In diesem Sinne: Hub, Hub, hurra? USBäh!