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TrendInternet der Dinge

Von klugen Kartof­feln und Indus­trie 4.0

Lesezeit ca.: 2 Minuten
Susanne Faschingbauer

Susanne Faschingbauer

freie Journalistin

Im Netz konnten bislang nur Menschen kommunizieren und sich informieren. Das ändert sich. Mit Funkchips in der Fabrik und in Alltagsge­gen­ständen erobern auch Dinge die digitale Welt – und werden zunehmend selbständig.

06. Februar 2015

Stellen Sie sich vor, Sie stehen an der Kasse im Supermarkt. Das Warenband fehlt. Sie legen Milch, Kartoffeln, Waschmittel nicht auf das, was es nicht gibt, sondern schieben Ihren vollen Einkaufs­wagen Richtung Kasse. Da blinkt der Preis auf! Einfach und bequem bezahlen Sie mit EC-Karte. So könnte der Einkauf im Supermarkt der Zukunft aussehen. Möglich macht’s: das Internet der Dinge.

Es ist eine Vision der Computer­technik, die dabei ist Wirklich­keit zu werden. Alltagsge­gen­stände werden drahtlos vernetzt und tauschen selbständig unterein­ander Daten aus. Sie kommunizieren miteinander – ohne den Menschen. Jeder Gegenstand hat seine eigene Internet­adresse. Bis zum Jahr 2020 sollen über 25 Milliarden Dinge über das Netz verbunden sein, prognosti­ziert die Fachwelt. Die geschätzte Zahl nimmt fast täglich zu.

„Wasch mich, aber nicht zu heiß“

Im Supermarkt der Zukunft sprechen die Waren mit der Kasse, indem sie Preisinfor­ma­tionen in Form von Bits austauschen. Doch die smarten Dinge haben noch viel mehr von sich gespeichert: ihr Verfalls­datum, ihren Produktions- und Verkaufs­standort, Gebrauchs- und Pflegehin­weise. Der Kühlschrank könnte Essen nachbestellen, die Waschmaschine je nach Textilien den Schongang oder 60-Grad-Pflegeleicht einschalten.

Ende der 1980er Jahre wurde in den USA das Konzept des „Ubiquitous Computing“ entwickelt. Es beschreibt die Idee, dass kleinste Computer zu unaufdring­li­chen Helfern im menschli­chen Alltag werden. Im 21. Jahrhundert könnte sich diese Idee mit dem Internet der Dinge realisieren.

Technische Grundlage dafür sind RFID-Tags, wobei RFID für Radio Frequency Identifi­ca­tion steht. Die Funkchips speichern von wenigen Bits bis zu mehreren KBytes und enthalten oft einen Prozessor, der Daten verschlüs­seln kann. RFID-Tags können klein wie Mohnsamen sein.

Menschen arbeiten ungenau

Den Begriff „Internet der Dinge“ hat zum ersten Mal Kevin Ashton 1999 in einem wissenschaft­li­chen Vortrag erwähnt, der damals Leiter des Auto-ID Center am Massachu­setts Institute of Technology (MIT) war. Er schilderte seine Vision von Computern, die nicht länger vom Menschen bedient werden müssten. Menschen arbeiteten schließlich zu ungenau. Ashton wird mit den folgenden Worten zitiert: „Das Internet der Dinge ist eine Technologie, die die Welt verändert wie keine andere. Sie ermöglicht unermess­liche ökonomische Vorteile, und die Welt braucht ökonomische Vorteile gerade jetzt.“

Es geht nicht nur um Kartoffeln, die um ihren Preis und ihre Anbauweise Bescheid wissen, oder um Kühlschränke, die frische Milch selbständig bestellen. Sondern es geht beim Internet der Dinge „um die nächste industri­elle Revolution“, sagt Chris Anderson, US-Technikpio­nier und Wissenschafts­jour­na­list. Mit dem Internet der Dinge will man sowohl den menschli­chen Alltag als auch die gesamte Industrie umkrempeln.