UnternehmenFERCHAU-Strategie 2017

Drei Säulen für die Zukunft

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Bernd Seidel

Bernd Seidel

freier Journalist

Die IT- und TK-Industrie boomt. Die Automobilbranche ist gefordert, den Wandel zum Mobilitätsanbieter zu bewerkstelligen. In allen Industriebereichen ist tiefes Branchenwissen gepaart mit Flexibilität gefragt. Wie stellt sich FERCHAU Engineering in seiner „Strategie 2017“ diesen Herausforderungen? Stefan Eichholz, Geschäftsführer FERCHAU Engineering, gibt Antworten.

24. Februar 2015

Die IT- und Automobilbranche gelten momentan als Innovationstreiber. Ganz besonders in puncto Vernetzung und interdisziplinäre Entwicklungen?

Stefan Eichholz: „Das Auto ist IT!“, verkündete 2014 der Vorstand eines deutschen Automobilherstellers. Das muss man sich mal vorstellen: Die Vorzeigebranche der hiesigen Industrie setzt nicht nur mehr auf die Vorreiterrolle bezüglich Antriebstechnologien, Karosserie und Interieur, sondern haucht dem Auto Intelligenz und Entertainment ein. IT wird quasi die zweite Kernkompetenz. Dadurch wachsen Ingenieursdisziplinen zusammen, zwischen denen es bis vor wenigen Jahren noch wenig Austausch gab. Das passiert übrigens gerade in fast allen Industriesegmenten. Übergreifendes Denken und Entwickeln sind daher angesagt. Wir bei FERCHAU ordnen diese Entwicklungen dem Thema „Industrie 4.0“ zu.  

Ein Thema, das bei vielen noch nicht angekommen ist und eher ein müdes Lächeln hervorruft ...

Eichholz: Als Engineering- und IT-Dienstleister sehen wir Industrie 4.0 pragmatisch: Wir unterstützen Kunden nicht nur in der Entwicklung von Produkten, sondern selbstverständlich auch in deren Industrialisierung. Mit den Erfahrungen aus vielen Projekten bündeln wir Know-how aus den Fachbereichen Mechanik, Elektrotechnik, Elektronik und IT. Gleichzeitig  sind wir sicher, dass die Vernetzung von Mechanik und IT mitsamt der Steuerung über das Internet großes Potential für die hiesige Industrie birgt. Unser Ziel ist es daher, bis 2017 rund 1.700 IT-Experten an Bord zu haben, um die Vision von Industrie 4.0 mitzuentwickeln und mit Leben zu füllen.

Lassen Sie uns über OEMs sprechen. Hier geht der Trend klar in Richtung Mobilitätsanbieter und Systemintegrator – mit der Konsequenz, sich mit externem Know-how zu verstärken.

Eichholz: Wir sind das Land der Mobilität. Und allen Unkenrufen zum Trotz: Die deutsche Automobilindustrie hat Strahlkraft. Sichtbar ist, dass die Variantenvielfalt drastisch zunimmt und immer mehr Kleinserien von den Bändern rollen. Externe Partner wie FERCHAU sind künftig noch stärker gefordert, Bauteile, Baugruppen oder Komponenten zu entwickeln. Die Folge: Engineering-Prozesse innerhalb der Konzerne, die sich stärker auf ihre Kernaufgaben konzentrieren, verändern sich. Das wiederum beeinflusst die Zusammenarbeit mit Entwicklungsfirmen und Lieferanten. Wir planen, bis 2017 unsere Kapazitäten auszubauen und 1.500 Mitarbeiter für Engineering-Aufgaben alleine im Segment Automotive zu beschäftigen.

Welche spezifischen Vorteile bringt FERCHAU seinen Kunden darüber hinaus?

Eichholz: Unser großes Plus ist die große Palette der Fachbereiche und Kompetenzen, die wir an unseren über 70 Standorten anbieten. Kunden profitieren von diesen fachübergreifenden Erfahrungen. Unsere einfache Formel lautet: Reagieren auf lokale Bedürfnisse plus Kompetenz vor Ort ist gleich Nachhaltigkeit in den Projekten. Welcher Projektleiter möchte schon gerne alle paar Monate einen anderen Mitarbeiter in ein Projekt einarbeiten? Und für die Mitarbeiter bedeutet das kurze Wege zum Projekt.

Die Full-Service-Erwartungen der Kunden steigen kontinuierlich. Wie sieht Ihre Planung für die kommenden Jahre aus, um diese Aufgaben zu bewerkstelligen?

Eichholz: Als nationaler Marktführer bauen wir unsere drei Leistungsbausteine Engineering Support, Engineering Competence und Managed Services weiter aus. Säule eins der FERCHAU-Full-Services ist mit 60 Prozent des Umsatzes das Geschäftsfeld Engineering Support. Bei Auftragsspitzen, Kapazitätsengpässen, Sonderprojekten oder bei Nachfrage nach spezialisiertem Know-how ergänzen einzelne FERCHAU-Mitarbeiter oder freie Spezialisten die Teams des Kunden.

Ist der Bedarf eher kontinuierlicher Natur, bauen wir auf Säule zwei: Engineering Competence, die rund 30 Prozent unserer Einnahmen erwirtschaftet. Durch individuell zusammengestellte Projektgruppen bieten wir Kunden eine hohe Planungssicherheit und reduzieren Schnittstellen. Dazu gehören auch mehr als 70 Technische Büros und Center of Competence (CoC), die klar definierte Gewerke übernehmen.  

Wo sehen Sie langfristig die Vorteile für Kunden?

Eichholz: Projektgruppen bieten einen hohen Flexibilisierungsgrad, zumal sie von uns in jeder Konstellation instituiert werden können: beim Kunden vor Ort in dessen eigenen Räumen, in Bürocontainern auf dem Werksgelände oder in unmittelbarer Nähe. Diese Flexibilität bringt auch Vorteile für unsere Mitarbeiter und Freelancer.

Der „War for Talents“ macht es für Konzerne und große Mittelständler schwieriger, den Bedarf an Engineering- und IT-Fachkräften zu decken. Welche Antwort haben Sie darauf?

Eichholz: Genau da steht unsere dritte Säule: Managed Services. Sie stützt unser Dienstleistungsangebot im oberen Segment ab. Wir haben hierfür unter dem Konzerndach der ABLE GROUP die primeING GmbH gegründet. Als neutraler und unabhängiger Dienstleister übernimmt sie für Unternehmen mit großem Personalbedarf das komplette Management der Suche und Einstellung temporär beschäftigter Engineering- und IT-Spezialisten inklusive aller internen und externen Abstimmungsprozesse. Die gesamte Abwicklung läuft über einen jeweils zentral beim Kunden angesiedelten Account Manager, der selbst Ingenieur ist und über branchenspezifisches Know-how verfügt.

Unternehmen arbeiten heute vernetzt, ganz gleich ob Mittelständler oder Großunternehmen. Wie begegnen Sie dem? Die Struktur von FERCHAU Engineering ist momentan doch stark dezentral ausgerichtet.

Eichholz: Im Kern bauen wir unsere Matrix-Struktur aus, über die zentrale und regionale Organisationseinheiten eng verzahnt sind. Konkret: Wir haben schon vor Jahren auf die Entwicklung reagiert und ein übergreifendes Key Account Management installiert, das heute bereits rund 30 Prozent unseres Umsatzes generiert. 2017 rechnen wir mit einem Beitrag von rund 50 Prozent. Die nackten Zahlen sind das eine: Wir vernetzen unsere gesamte Organisation stärker und bauen unsere Präsenz in den Regionen aus – sind also nah am Kunden. Dazu gehört der Ausbau unseres Niederlassungsnetzes. Wir etablieren sukzessive weitere Standorte und übernehmen mit unseren Technischen Büros und CoCs zunehmend die Entwicklung kompletter Gewerke und haben zu Fachthemen wie IT und OEM spezielle Business Units in den Niederlassungen eingerichtet.

Vernetzte Unternehmen bündeln den Einkauf häufig zentral, um Mengenvorteile zu erzielen. Wie bilden Sie das ab?

Eichholz: Genau da greift unser zentrales Key Account Management. Die Kollegen koordinieren die Bedürfnisse der Kunden in den unterschiedlichen Regionen und Aufgaben. Wir sprechen hier mit einer Stimme mit dem Kunden. Bei uns ist Key Account Management und zentrale Präsenz daher kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch.

Herr Eichholz, wir danken Ihnen für das Gespräch.