Ulfs* WeltKolumne

iCar, bitte kommen!

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Ulf Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

freier Journalist

Das Internet der Dinge klingt verlockend. Aber es hilft nicht, wenn der intelligente Pkw im Betonbunker parkt.

30. März 2015

Was hat eine Armbanduhr mit einem Auto zu tun? Diese Frage kann nur jemand stellen, der nicht weiß, wer „Q“ war, und der auch all die mehr oder weniger witzigen 007-Epigonen nicht kennt, die in den vergangenen 50 Jahren Leinwände und Fernsehschirme bevölkerten. Beide Gegenstände gehören zur Grundausstattung eines anständigen Weltenretters, ob er nun James Bond heißt oder Sebastian Squirrel oder Maxwell Smart – halt, nein, das war der Agent mit dem Wählscheibenhandy in der Schuhsohle. Ich meinte natürlich Knight Rider. Superhelden tragen jedenfalls Chronometer, die mehr wundersame Funktionen intus haben als ein Schweizermesser, und besitzen die Lizenz zum Fahrenlassen: Ihre Vehikel sind im wahrsten Sinne des Wortes auto-mobil oder zumindest fernlenkbar.

Männerspielzeuge entwachsen der Kinoleinwand

Solche Männerspielzeuge sind, wenn man den Nachrichten glauben darf, der cineastischen Sphäre entwachsen. Auch ich wage nicht mehr, den Gedanken als Klamauk oder Science-Fiction abzutun, dass meine Uhr mein Auto herbeiruft. So hat zum Beispiel Apple, ein finanzkräftiger Hersteller chinesischer Luxusuhren, jüngst einen Vordenker aus der Autoindustrie engagiert.

Vor dem Hintergrund, dass die allwissenden und von der Weltherrschaft träumenden Chefs von Google bereits über autonome Kraftfahrzeuge und einen Zoo animalischer Laufroboter gebieten, kann das ja nur eines heißen: Die Kfz-Koryphäe soll den Gegenentwurf konstruieren, das selbstfahrende iCar, das im Internet der Dinge drahtlos vernetzt ist mit Apple Watch, iPad und iPhone. Im Moment ist die elektrische Nobelkutsche Model S von Tesla noch alternativlos, wenn man als Smartwatch-Eigentümer mit seinem Auto kommunizieren will: Eleks, ein Start-up aus Lviv in der Ukraine, hat eine App für die Apple-Uhr entwickelt, die die Türen öffnet oder verriegelt und den Akku-Ladestand abfragt.

Milliarden aus der Portokasse

Wenn Apples Automann soweit ist, braucht sein Chef Tim Cook nur noch für ein paar Milliarden aus der Portokasse, Daimler oder BMW oder Toyota (oder alle drei) zu übernehmen, um das Schlimmste zu verhindern – ein Google-Monopol bei Software für fahrerlose Autos. Ich bin jedenfalls nicht begeistert von der Vorstellung, dass in fünf Jahren sämtliche Neuwagen aller Marken von Android 12.7 („EyeCandy“) oder 13.0 („Zuckerwatte“) chauffiert würden – und sich der Autopilot an 2008 aufgenommenen Streetview-Bildern orientiert, auf denen auch noch aus Datenschutzgründen jedes fünfte Haus weggepixelt ist. Wobei ich anmerken möchte, dass es aus Navi-Nutzersicht zielführend wäre, würde sich auch Apple noch das Gehalt für ein, zwei echte Kartographie-Koryphäen leisten.

Parkplatz aus dem Kalten Krieg

Es ist vielleicht nicht schlecht, dass noch ein paar Jährchen vergehen werden, bis die Visionen Realität werden. Optimisten können die Zeit nutzen, um davon zu träumen, wie sie auf dem Fahrersitz ihren Rausch ausschlafen, während ihr motorisierter Freund sie sicher nach Hause bringt. Mir kommt leider schon wieder mein Bedenkenträgernaturell in die Quere. Wenn schon autonomes Auto, dann möchte ich bitte aussteigen dürfen, bevor es hinabfährt in die städtische Tiefgarage, die im Kalten Krieg als Atombunker in den Fels betoniert wurde. Es soll vor allem auch wieder herauskommen, wenn meine Uhr es ruft. Aber wie soll das gehen, wenn in dieser Höhle weder mein Handy noch das Autoradio Empfang haben?

Außerdem sind „smarte“ Uhren eh paradoxe Produkte: Je mehr man sie benutzt, desto sicherer kann man sein, dass der Akku nicht bis abends durchhält. Und dann stehen wir nächstens da, schauen aufs schwarze Display und kriegen die Autotür nicht auf. Oder zu.