TrendIndustrie 4.0

„Kleine Schritte statt großer Sprünge“

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Markus Präßl

Markus Präßl

Vertriebsleiter Nord-West

Das Schlagwort „Industrie 4.0“ ist in aller Munde. Revolution oder Evolution? Ein Kommentar von Markus Präßl, Vertriebsleiter Nord-West FERCHAU Engineering GmbH.

08. April 2015

Industrie 4.0 bedeutet Umwälzung und Fortschritt. Keine Frage, dass sich die Wirtschaft in den kommenden Jahren verändert. Durch die Digitalisierung werden isolierte Produktionsmittel zu einem »intelligenten« Verbund verknüpft,  bei dem das Ergebnis größer werden soll als die Summe seiner Teile. Für die Produktion heißt das: Anlagen steuern sich selbst, und Werkstücke wissen, wohin sie transportiert und wozu sie weiterverarbeitet werden. Die Produktion soll flexibler werden, ohne ihre Effizienz einzubüßen. Und künftig steht der Service im Mittelpunkt, das Produkt ist nur noch Mittel zum Zweck.

Statt von einer Revolution spreche ich bei Industrie 4.0 lieber von einer Evolution, denn die deutsche Wirtschaft hat die Grundlage für den Wandel in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut. In der klassischen Automatisierung sprach man von SPS und Leittechnik – in der neuen Welt Industrie 4.0 verschmelzen die klassische IT, die Automatisierungstechnik und die Fertigungstechnik! Transponder und Automatisierung gibt es schon sehr lange – aber die Komplexität der Automatisierung ändert sich.

Was mir beim Thema „Industrie 4.0“ oft zu kurz kommt, sind die Mitarbeiter. Es reicht nicht aus, Maschinen zu vernetzen, um eine intelligente und automatisierte Produktion zu bekommen. Es reicht nicht aus, eine Software programmieren zu lassen, damit der Laden die nächsten Jahre läuft. Es reicht nicht aus, auf Services zu setzen und zu hoffen, dass die Kunden das Produkt selbst weiterentwickeln. Wir brauchen künftig Ingenieure, Entwickler und Techniker, die über den Tellerrand hinausschauen können. Wir brauchen Netzwerkexperten, Softwareentwickler, Datenbankarchitekten, Data-Warehouse-Spezialisten,  Big-Data-Analysten, Elektrotechniker, Automatisierungsexperten und Fertigungstechniker, die gemeinsam eine Idee zu einer erfolgreichen Innovation veredeln.

»Industrie 4.0 bedeutet nicht, den Menschen abzuschaffen«, heißt es beim Branchenverband BITKOM. Vielmehr würden künftig Facharbeiter und Ingenieure mit höheren Qualifikationen gebraucht, diese müssten stärker  systemisch denken. Das unterschreibe ich. Die Natur zeigt eindrucksvoll die Kraft der Evolution: Es ist keine sinnvolle Strategie für einen Fisch, an Land zu springen, wenn er darauf nicht vorbereitet ist. Jeder Unternehmer braucht daher eine digitale Vision, die ihn die kommenden Jahre begleitet. Er muss verstehen, welche Gefahren und Potentiale die Veränderung mit sich bringt, um rechtzeitig zu reagieren. Er muss bereit sein, Vorurteile abzulegen und sich neuen Ansätzen zu öffnen. Er muss Chancen ergreifen, die sich aus den disruptiven Veränderungen ergeben. Andernfalls wird ihn die digitale Welle vom Markt spülen – egal, ob Revolution oder Evolution

Ausgabe 2015/01

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