TechnikProf. Ayelt Komus

„Agile Prinzipien ermöglichen, dass früher und besser kommuniziert wird“

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Rüdiger Vossberg

Rüdiger Voßberg

freier Journalist

Agile Projektmanagement-Methoden stoßen bei der Software-Entwicklung ohne jeden Zweifel auf großen Zuspruch. Dies ist in vielen anderen Entwicklungs- und Anwendungsfeldern noch nicht der Fall. Höchste Zeit für ein Werbungsgespräch mit dem Leiter des BPM-Labors der Hochschule Koblenz, Professor Ayelt Komus.

20. Juli 2015

Wie würden Sie als gebürtiger Bremer einem hanseatischen Kaufmann das agile Projektmanagement schmackhaft machen, Herr Prof. Komus?

Ayelt Komus: Ein hanseatischer Kaufmann wird mit der Seefahrt vertraut sein, und da setzen wir auf die bekannten Tugenden wie: Ziele klar festlegen, aber immer im Hinterkopf behalten, dass Wind und Drift einen Einfluss auf den Kurs haben. Im Zusammenspiel mit der Crew gilt: Klare Vorgaben, aber der Crew nicht im Detail erklären, wie sie ihre Arbeit machen soll. Die Crew kennt das Schiff und sich selbst am besten. Und ganz wichtig: Kein Seemannsgarn, kein Selbstbetrug.

Kritiker behaupten, man solle klassisches Projektmanagement nicht mit agilen Werten, Prinzipien und Vorgehensweisen vermischen. Humbug?

Komus: Wir sehen eine Vielzahl von klassisch gemanagten Projekten, die weit unter den Erwartungen und auch hinter den Planungen zurückbleiben. Agile Methoden zeigen immer wieder eine deutlich bessere Performance. Dies gilt umso mehr, wenn die Anforderungen nicht nur kompliziert, sondern komplex sind! Ich glaube also, dass wir uns an vielen Stellen ein Ignorieren der Potentiale agiler Methoden gar nicht leisten können.

Können Sie das bitte erläutern?

Komus: Die entscheidenden Herausforderungen der Zukunft sind komplex, nicht kompliziert. Und in einer komplexen Welt scheitern Organisationen, die versuchen, den Herausforderungen mit den Lösungen für eine komplizierte Welt zu begegnen. Umgekehrt können agile Organisationen Erfolge realisieren, die über ihre angestammten Tätigkeitsfelder weiter hinausgehen. Dies zeigen uns Unternehmen wie Google oder Amazon, die ihre angestammten Branchen spielerisch leicht verlassen und auch in anderen Feldern sehr erfolgreich sind.

Agile Methoden sind bei der Software-Entwicklung inzwischen unbestritten. In anderen Bereichen wie der Entwicklung von Hardware und Non-IT-Produkten sieht das anders aus. Woran liegt das?

Komus: Agile Methoden sind in der IT gesetzt. Das ist richtig. Was viele aber nicht wissen: Der Begriff Scrum beispielsweise kommt aus der erfolgreichen Produktentwicklung von Produkten wie Autos, Kopierern und Kameras. Entsprechend ist auch Scrum ein Ansatz, der sich wunderbar außerhalb der Software-Entwicklung einsetzen lässt. Überall dort, wo Produkte entwickelt werden, bieten agile Methoden wie Scrum, Design-Thinking und agiles Kanban große Vorteile. Entsprechend konnten wir in unserer Studie auch feststellen, dass schon heute viele Unternehmen außerhalb der IT agile Methoden erfolgreich einsetzen.

Haben Sie Beispiele dafür?

Komus: Da reicht die Bandbreite der agil entwickelten Produkte von Autositzen über Computerchips und medizinische Geräte bis zu klassischen Maschinen. Und auch in diesem Bereich wird von großen Verbesserungen berichtet. Übrigens scheint auch dort zu gelten, je komplexer die Produkte sind und je mehr Druck auf dem Entwicklungsprozess lastet, desto intensiver werden die Vorteile agiler Methoden wahrgenommen. Denn agile Prinzipien ermöglichen, dass früher und besser kommuniziert wird.