Ulfs* WeltKolumne

Dann lieber ein Holodeck

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Ulf Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

freier Journalist

3D-Druckern für Heimwerker fehlt noch einiges zum anständigen Replikator.

25. August 2015

Vor einer Weile wurde mein DIN-A3-Fotodrucker altersschwach. Eigentlich funktionierte noch alles. Kaputt war nur die Abdeckklappe des Tintenpatronenförderwagens – Ermüdungsbruch nach zwölf Jahren. Ersatzteile gab es nicht mehr. Um den Restbestand an Kartuschen zu retten, von denen jede einzelne wertvoller war als das Gerät, hätte ich gerne einen dieser 3D-Printer gehabt, von denen man dauernd liest.

Nun ist es nicht ratsam, sich für 1.000 Euro zuzüglich Verbrauchsmaterial selbst so ein Wunderding anzuschaffen, es sei denn, man müsste jede Woche irgendeine Ersatzklappe nachdrucken. Dummerweise fand ich weder einen Bekannten, der sich als Pionier des 3D-Drucker-Sharings geoutet hätte, noch einen Copyshop, der sich kommerziell in die dritte Dimension vorgewagt hätte. Und selbst wenn: Um das Original zu digitalisieren, hätte ich auch noch einen 3D-Scanner auftreiben müssen. Ohne Daten kein Druck.

3D-Druck im Elektromarkt

Ein paar Monate später – ich hatte den 2D-Drucker längst zum Spottpreis durch ein ultramodernes Multifunktionsgerät ersetzt – flatterte mir ein Prospekt ins Haus, der mich elektrisierte: Die örtliche Mediamarkt-Filiale scannte nicht etwa handtellerkleine Plastikteile ein, um sie originalgetreu nachzuformen, sondern ausgewachsene Brautpaare. Zugegeben: Die Jungvermählten in dem Reklameflyer sahen schon ein bisschen aus wie Ken und Barbie auf dem Schwarzweißball. Angesichts dieser Überdosis Kitsch verwarf ich die spontane Idee, meine Frau anlässlich unserer Silberhochzeit unter einem Vorwand in diesen Laden zu zerren. Ich beschloss aber, mir diese Technik bei nächster Gelegenheit mal zeigen zu lassen. Bis ich hinkam, hatten sie die Kabine leider längst wieder demontiert und in eine andere Filiale verlegt. Es gab nicht einmal mehr eine Miniversion, mit der ich auch nur einen zerbrochenen Designer-Kleiderhaken aus dem Badezimmer hätte replizieren können.

Dinosaurierköpfe aus der Mikrowelle

Als wäre ich nicht schon desillusioniert genug gewesen, ließ mir ausgerechnet der biederste Baumarkt der Region kürzlich ein Werbeblättchen in die Zeitungsrolle stopfen, dessen Aufmacherseite komplett einem 3D-Drucker gewidmet war. Dieser Apparat im Look eines vorne offenen Mikrowellenherdes ist aber überhaupt nicht für ambitionierte Heimwerker gedacht, sondern als Spielzeug für Jungs und ihre Väter. Eine Dampflok kann man mit der angebotenen Software drucken, einen Dinosaurierkopf oder einen Würfel („für Kinder“).

Das ist zwar öde, aber immerhin sympathischer als das Anwendungsbeispiel, das in den USA für Furore sorgte. Dort kann man sich die Daten zum heimischen Spritzgießen einer Schusswaffe aus dem Netz laden. Angeblich funktioniert die Plaste-Knarre sogar, aber das behauptet bekanntlich auch das Verteidigungsministerium von seinem Schwarzwälder Um-die-Ecke-Schießgewehr G36. Vorerst lasse ich mich nicht bange machen – jedenfalls nicht, solange ein Möchtegern-Mörder die Druckerpatronen aus dem Baumarkt nicht zur Herstellung von Pistolenpatronen verwenden kann. Dafür sind dann doch wohl ein paar andere Werkstoffe gefragt.

Entspannung im 2D-Format

So, und heute abend ziehe ich mir eine alte Folge von „Star Trek: The Next Generation“ aus der Mediathek. Captain Jean-Luc Picard ordert bei seinem Replikator eine Tasse Earl Grey, anschließend entspannt er sich im Holodeck. Das Beste ist: Um mich auf die Enterprise mit ihren vieldimensionalen Errungenschaften zu beamen, ist mein 2D-Fernseher gut genug.