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Wo deutsche Nerds gründen

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Susanne Faschingbauer

Susanne Faschingbauer

freie Journalistin

Die eigene Geschäftsidee mit einem Start-up umsetzen: Das wird in Deutschland in den digitalen Branchen immer beliebter. In welchen Städten sitzen die Gründer? Und warum?

02. November 2015

Die digitale Wirtschaft beschäftigt in Deutschland mehr als eine Million Menschen, Tendenz steigend. In der Gründerszene tut sich dabei einiges: Die Zahl der Gründer in den digitalen Branchen stieg zuletzt um knapp 7.000. Diese Zahlen nennt der Monitoring-Report Digitale Wirtschaft 2014. Wie setzt sich die Gründerszene zusammen und wo sitzen die meisten Gründer?

Laut einer Studie des Bundesverbands Deutscher Startups e.V. (BVDS) ist das Ballungszentrum der Gründer Berlin. Knapp 40 Prozent der Start-ups haben dort ihren Hauptsitz. Zum Vergleich: Nur acht Prozent der befragten Unternehmen hatten ihren Hauptsitz in München, sieben Prozent in Hamburg.

Berlin, ick liebe dir

In Berlin ist die Szene am lebendigsten. Es gibt entsprechende Netzwerke und Gründerstammtische, was für jedes zweite Start-up bedeutend ist. Eine aktuelle Bitkom-Studie nennt weitere Faktoren, die über die Wahl des Standorts entscheiden: Für rund zwei Drittel ist die Infrastruktur bedeutend, also eine gute Verkehrsanbindung und die Verfügbarkeit von schnellem Internet. 60 Prozent der Gründer legen Wert darauf, dass qualifiziertes Personal aus der Region kommt. Dies hängt eng mit der Qualität der Bildungseinrichtungen wie Universitäten und Schulen zusammen, worauf 45 Prozent der Gründer achten.

Wo Freunde und Familie leben, gründet man gerne

Der Immobilienmarkt spielt für 44 Prozent eine Rolle: Dort, wo Gewerberäume günstig zu mieten sind, wird auch häufiger gegründet. Für jedes dritte Start-up ist die Nähe zu Kunden und Lieferanten wie auch zu Investoren ausschlaggebend. Unangefochten auf Platz eins, mit 80 Prozent, steht aber ein ganz anderer Grund, der für die Standortwahl entscheidend ist: Wer gründet, achtet darauf, dass er sich in der Stadt persönlich wohlfühlt. Dort, wo die Familie und die Freunde leben, soll auch die eigene Firma angesiedelt sein.

Um das Geschäft zum Laufen zu bringen, fehlt es vielen Gründern an Startkapital. Knapp 20 Prozent der Start-ups greifen anfangs auf eigene Ersparnisse zurück, besagen Zahlen des BVDS. Spätestens aber, wenn die Geschäftsidee marktfähig werden soll, benötigen Start-ups fremdes Kapital, sprich: Venture Capital.

München: wenig Gründungen, aber viel Venture Capital

Gruenderszene.de berichtete über zwei Forscher aus Münster, Christoph Scheuplein und Patrick Henke, die untersucht haben, wo in Deutschland in den Jahren 2012 und 2013 (erstes Halbjahr) am meisten in Start-ups investiert wurde: Es wurden 402 Investments in diesem Zeitraum getätigt, mit einem Gesamtwert von über einer Milliarde Euro. Knapp die Hälfte des Geldes steckten die Venture-Capital-Geber in Start-ups mit Sitz in Berlin, nämlich 505 Millionen Euro. Nach München flossen nur 125 Millionen Euro und in junge Unternehmen in Hamburg noch 40 Millionen. Das meiste Geld, 170 Millionen Euro, kam hingegen aus München; dort sitzen offenbar die meisten Investoren.

17 Arbeitsplätze in 32 Monaten

Je nach Region unterscheidet sich aber nicht nur die Zahl der Gründungen, sondern auch die Branche, in der schwerpunktmäßig gearbeitet wird. München ist bekannt für seine Expertise in den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und Pharma. In Berlin ballen sich junge Firmen der Branchen Entertainment bis Software und in Hamburg sammeln sich auffallend viele Spielentwickler. Allen gemeinsam ist, dass sie als Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft gelten, wie Zahlen des BVDS belegen: Durchschnittlich 17 Arbeitsplätze schafft ein IT-Start-up in den ersten 32 Monaten. Im darauffolgenden Jahr streben die meisten an, zehn weitere neue Stellen entstehen zu lassen.

Das macht einen Gründerstandort aus

1. Infrastruktur:
Wer gründet, braucht eine gute Infrastruktur. Das umschließt eine gute Verkehrsanbindung genauso wie den Zugang zu schnellem Internet. Ebenfalls wichtig ist, dass sich die Gründer am Standort untereinander gut vernetzen können, beispielsweise bei Gründerstammtischen.

2. Personal:

Qualifizierte Mitarbeiter, die nicht zu viel kosten – das braucht jedes erfolgreiche Start-up. Dort, wo gute Universitäten sind, gibt es meist auch gute Fachkräfte.

3. Immobilienmarkt:

Ein günstiges Büro kann vor allem in der Anfangsphase eines Start-ups überlebenswichtig sein. Auch das erklärt, weshalb in Berlin mehr Leute gründen als in München oder Hamburg.

4. Kunden und Lieferanten:

Wer nah dran ist am Kunden und am Lieferanten, spart Kosten und Zeit.

5. Investoren:

Venture-Capital-Geber investieren zwar nicht nur vor der Haustür, dennoch ist die Bereitschaft meist höher, Geld in die eigene Region zu stecken.

Ausgabe 2015/02

Ausgabe 2015/02

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