Image: Formel-1-Lärmquelle am HalsFERCHAUFERCHAUDer moderne Mann von heute rasiert sich mit Schall-Technologie.
Ulfs* WeltKolumne

Formel-1-Lärm­quelle am Hals

Lesezeit ca.: 3 Minuten
Ulf Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

freier Journalist

Wie ein Rasierher­steller dafür sorgt, dass der Bart dran bleibt.

22. Januar 2016

Eines der ungelösten Rätsel der Evolutions­ge­schichte besteht darin, dass wir Männer in unserer Entwicklung von schreckli­chen haarigen Biestern zu verletzli­chen Nacktaffen irgendwann stehenge­blieben sind – und zwar in höchst unterschied­li­chen Phasen der Entpelzung. Je nachdem, in welchen Genpool ein junger Bursche hineinge­boren wurde, kann er sich entweder freuen, wenn ihm noch vor dem Abitur der erste Flaum über der Oberlippe sprießt, oder die Eltern schenken ihm zur Konfirma­tion einen Rasierer, damit nicht eines baldigen Tages die GSG9 sein Kinderzimmer stürmt, weil dort angeblich ein Gotteskrieger vom Hindukusch haust. Mit ihrer natürlichen Ausstattung zufrieden sind leider die wenigsten Kerle. Die einen wünschen sich ein Brusthaar-Toupet, um maskuliner zu wirken; andere epilieren sich nach dem Vorbild von Big Brother Zlatko den Oberkörper, damit man ihnen den Macho nicht ansieht.

Bart als Kompensa­tion

Der Autor dieser Kolumne wiederum hat sich schon als Mittzwan­ziger dazu entschlossen, den fortschrei­tenden Mangel an Behaarung oberhalb der Stirn dadurch zu kompensieren, dass er sich dem intakten Haarwuchs unterhalb der Nase nicht mehr widersetzte. Wenn einem klar wird, dass man zum Geheimrat mit Tendenz zum Schiebedach geboren ist, möchte man wenigstens ein Geheimrat mit Ensemble aus Panorama­dach und gepflegtem Vollbart sein.

Ich weiß also nicht, wieso mein Sohn eines Tages ausgerechnet mir eine Experten­mei­nung zu den verschie­denen Typen elektrisch betriebener Scherköpfe zutraute. Dabei konnte ich gerade mal einen deutschen Schwingkopf von einer niederlän­di­schen 3fach-Rotorklingen-Konstruk­tion unterscheiden. Während unser Filius beim billigen Nassrasierer blieb, entwickelte ich eine selektive Wahrnehmung für Botschaften der Enthaarungs­in­dus­trie.

Wenn der Rasierer den Turbo auspackt

Dass sich Sebastian Vettel ein paar Euro als Vorzeige­nutzer eines Hightech-Elektrora­sie­rers dazuverdient, hätte ich früher übersehen. Jetzt sprang es mich an. Der Formel-1-Pilot schwört auf einen „Series 7“-Schall-Rasierer mit Turbo. Wie bitte? Dass man sich mit akustischer Unterstüt­zung die Plaque von den Zähnen schrubben kann, hatte ich schon mal gehört, nicht zuletzt am Brummen der „Sonic“-Bürste eines Freundes. Aber mit Schall rasieren? Fallen die Barthaare vor Schreck aus, wenn dicht am Hals die Turbine des Motors aufheult?

Der Hersteller hält seine Kunden für so schlau, dass man ihnen nicht erklären muss, in welcher Form ihnen Lärm beim täglichen Kampf gegen das sekundäre Geschlechts­merkmal hilft. Ein bisschen Licht ins Dunkel bringt, wie so oft, ein Blick in die User-Kommentare auf der Website: So schreibt ein gewisser Jahatma aus Duisburg, dass es sich bei Sonic=Schall um eine Schall-Technologie handele, welche von den 10.000 Mikro-Vibrationen pro Minute erzeugt werden.

Alle drei Stunden nachrasieren?

Leicht konfus, aber irgendetwas brummt mit 166,7 Hertz. Und weiter? „Diese Technologie bewirkt, dass sich die kleinen Barthaare (sogar schon ab 0,05 mm Länge) aufrichten und somit mehr Haare bei einer Rasierbe­we­gung erfasst und abgeschnitten werden.“ Ah, ja. Stoppeln von einem Zwanzigstel Millimeter Länge lassen den modernen Mann also derart ungepflegt wirken, dass er sie mittels Schallwellen ins Messer treiben muss? Dumm nur, dass ein Durchschnitts­bart gerade einmal drei Stunden braucht, um so ein Stück zu wachsen. Wer sich zu Hause um sieben Uhr rasiert hat, muss folglich in der Frühstücks­pause schon wieder ran, wenn er auf ein perfektes Erscheinungs­bild Wert legt. Und in der Mittags- und Kaffeepause natürlich auch. Schönheit will leiden – und der Hersteller unsere Eitelkeit schüren, damit der Formel-1-Scherkopf schneller verschlissen ist.

Was der freundliche Erklärbär Jahatma zu den Funktionen von Turbo, Optifoil, Activelift und Sensoflex beizutragen hat, können Sie gerne im Web nachlesen. Aber Vorsicht, das Wortgeklingel könnte Sie stressen. Nach der Lektüre fühlen Sie sich irgendwie, ja, unrasiert. Zum anschlie­ßenden Chillen klicken Sie am besten auf die Produktseite der Barttrimmer. Da geht es wunderbar unaufgeregt zu. Noch.