UnternehmenFrank Ferchau

»Live long and prosper!«

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Frank Ferchau

Frank Ferchau

Geschäftsführer

1966, im Gründungsjahr von FERCHAU, entwickelte Professor Joseph Weizenbaum ein experimentelles Programm namens »Eliza«. Dadurch konnten Menschen Sätze natürlicher Sprache in die Tastatur tippen, und der Computer »antwortete« im Stile eines Psychiaters über Wörterbücher und vorab definierte Phrasen.

16. Februar 2016

Eliza war ein Erfolg, einige Probanden erkannten sogar ein tiefes menschliches Verständnis in den Aussagen der Software. Weizenbaum hingegen war entsetzt über das große Maß an »Maschinengläubigkeit« – vor allem bei Psychiatern, die mit dem Programm ihr Geschäftsmodell automatisieren wollten.

Auch 50 Jahre später haben viele Menschen anscheinend noch ein Urvertrauen gegenüber Computern. Sie kommunizieren etwa auf Dating-Seiten mit Chatbots, die nach dem Prinzip von Eliza funktionieren. Sie reagieren auf Phishing-Mails, klicken kryptische Links an oder laden Dateianhänge unbekannter Absender herunter. Ein Großteil der erfolgreichen IT-Angriffe läuft heute über Menschen, die sich der Gefahren der Digitalisierung und ihrer Folgen nicht bewusst sind. Ohne Maßnahmen zur Sensibilisierung wird die Lücke immer größer, die der »menschliche Faktor« in die Verteidigung öffnet. Hinzu kommt: Laut Schätzungen des Hightech-Verbandes Bitkom waren 2015 in Deutschland erstmals mehr als eine Million Menschen in den Bereichen ITK und Unterhaltungselektronik beschäftigt. Damit sind in den fünf Jahren zuvor rund 135.000 neue Arbeitsplätze in der Branche entstanden.

Ich bin mir sicher, dass sich im Zusammenspiel von Mensch und Maschine die spannendste Perspektive für die kommenden 50 IT-Jahre zeigt. Dieses wird sich verändern, indem die Maschine einen immer aktiveren Part übernimmt. Fragen werden sein: Wer analysiert die Vielzahl der verfügbaren Daten, wer trifft künftig welche Entscheidungen, wer legt die ethischen Grundlagen für maschinelles Verhalten fest? Diese Fragen müssen offen diskutiert, beantwortet und technisch umgesetzt werden. Die Maschinen reagieren künftig nicht mehr nur auf die menschlichen Vorgaben, sie gestalten das System aktiv mit, in dem sie sich mit den Menschen gemeinsam bewegen.

Und noch ein historisches Datum: 1966 flog zum ersten Mal die »USS Enterprise« in Gegenden, in denen nie zuvor ein Mensch gewesen ist. Auch wenn einige interessante Technologien der TV-Serie »Star Trek« wie das »Beamen« bislang leider noch nicht entwickelt wurden, haben die Filme für jeden Technik-Enthusiasten die Tür in eine neue Welt aufgestoßen. Es liegt an uns, hindurchzugehen und die eigene Zukunft mitzugestalten.

Ausgabe 2016/01

Ausgabe 2016/01

Dieser Artikel erscheint auch in unserem IT-Magazin <atFERCHAU>. Möchten Sie weitere spannende Artikel lesen?

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