Image: »Catwalk im Maschinenraum«FERCHAUFERCHAUTB-Leiter Detlef Asendorf über 50 Jahre FERCHAU
MenschenDetlef Asendorf

»Catwalk im Maschi­nen­raum«

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Franz Jonen

Franz Jonen

freier Journalist

50 Jahre FERCHAU – ein Jubiläum, das sich für langjährige Mitarbeiter mit besonderen Erlebnissen und Erfahrungen verbindet. Wir möchten wissen mit welchen und fragten nach. Diesmal bei Detlef Asendorf (Jahrgang 1960), Spezialist für die CAD-Konstruk­tion von Maschinen­räumen und Leiter des Technischen Büros Bremerhaven des Geschäfts­be­reichs MARINE.

08. März 2016

Der Erwerb der ORCA Engineering GmbH, deren geschäfts­füh­render Gesellschafter Sie waren, hat 2006 zur Etablierung des Geschäfts­be­reichs MARINE geführt. Warum war die Akquisition für FERCHAU richtig und wichtig?

Detlef Asendorf: Sie war deshalb wichtig, weil dadurch unsere Engineering Competence im maritimen Bereich ergänzt und ausgebaut wurde. Das betrifft vor allem die Abwicklung kompletter Arbeitspa­kete auf werkvertrag­li­cher Basis. Ich habe als erstes Projekt die Maschinen­raum­kon­struk­tion einer 100 Meter langen Megajacht mitgebracht. Darüber hinaus konnte durch den Erwerb von ORCA Engineering die Kompetenz im Umgang mit dem im Schiffbau-Engineering stark vertretenen CAD-System Unigraphics – heute: NX – ausgebaut werden.

Wie haben Sie nach dem Beginn Ihrer Tätigkeit bei FERCHAU die Kultur im Unternehmen erlebt? Was hat Sie zum Beispiel positiv überrascht?

Asendorf: Beeindruckt hat mich die kollegiale Atmosphäre im Unternehmen. Gerade bei den Einarbei­tungs­se­mi­naren war das sehr intensiv. Diese haben die damaligen Teilnehmer – sofern noch im Unternehmen – bis heute zusammen­ge­schweißt. Positiv ist für mich aber vor allem der Erhalt des unterneh­me­ri­schen Handelns, den ich ja aus meiner vorherigen Tätigkeit gewohnt war. Aber das hatte man sich ja bei FERCHAU auch explizit so gewünscht.

Sie sind seit über 40 Jahren im Werftenum­feld tätig. Was waren die einschnei­dendsten Veränderungen in dieser Zeit?

Asendorf: Ganz klar die Einführung von CAD und CAM. Ich habe früher im Rahmen der Konstruk­tion Maschinen­räume in Form von Kunststoff­mo­dellen erstellt. Anhand dieser Modelle mussten dann die Fertigungs­un­ter­lagen nachgezeichnet werden. Später gehörte ich zu den Ersten, die Maschinen­räume komplett als 3D-Produktmo­dell erstellten. Das war ein Riesenschritt, weil man daraus schnell und effektiv alle Fertigungs­un­ter­lagen ableiten kann. Aber auch die direkte Übermitt­lung der CAD-Daten aus der 3D-Software an vernetzte Fertigungs­an­lagen zählt in diesem Zusammen­hang zu den wichtigsten Meilensteinen.

Welche Trends und Themen beeinflussen heute die Arbeit des Technischen Büros Bremerhaven, dessen Schwerpunkt ja die Raumkoor­di­nie­rung mittels 3D-Produktmo­dell ist?

Asendorf: Absolut positiv ist die Nutzung des 3D-Produktmo­dells bereits in der Planungs­phase, etwa bei Machbarkeits­stu­dien und Raumanalysen. Ich denke da zum Beispiel an die immer wichtiger werdenden Themen der Abgasnach­be­hand­lung. Da bietet das 3D-Modell einfach eine detaillier­tere Übersicht, als das in 2D möglich wäre. Vor einiger Zeit galt das den Kunden noch als zu aufwendig. Wir konnten hier jedoch eine gewisse Überzeugungs­ar­beit leisten, so dass die Vorteile mittlerweile anerkannt sind. Eine zunehmend wichtige Rolle spielt außerdem die frühe und effiziente Umsetzung gesetzge­be­ri­scher Maßnahmen im Bereich der Ökologie. Beispiel­haft dafür stehen Projekte zur Umrüstung von Schiffsmo­toren auf verflüssigtes Erdgas (LNG) oder der Einbau von Ballastwasser-Reinigungs­an­lagen. Themen, die mit Blickrich­tung Zukunft immer bedeutsamer werden.

Was war für Sie und Ihr TB-Team das bislang spannendste Projekt?

Asendorf: Vor einem Jahr habe ich das Serviceteam MARINE gegründet. Dabei handelt es sich um ein Kernteam von Spezialisten, die sich mit Reparaturen, Umbauten und Nachrüstungen befassen. Das sind Experten, die beispiels­weise die Möglichkeit einer Abgasnach­be­hand­lung beim vorhandenen Schiff oder die Nachrüstung mit Ballastwasser-Reinigungs­an­lagen untersuchen und fachlich anspruchs­volle Lösungen anbieten.

Bei Ihrer Tätigkeit geht es ja unter anderem um die Konstruk­tion von Maschinen­räumen in Megajachten, den „Wasser-Villen” der Superrei­chen. Gab es in diesem Zusammen­hang ein besonderes Erlebnis?

Asendorf: Wir haben schon verglaste „Catwalks” durch den Maschinen­raum geplant und umgesetzt, so dass die Gäste unbeschwert durchspa­zieren und die edle Ausstattung der Motoren mit glänzenden Zylinder­köpfen und Ähnlichem bewundern können. Ungewöhn­lich war auch der nachträg­liche Einbau eines Benzintanks an Bord einer Megajacht. Dabei handelt es sich um eine Zapfstation zum Betanken von Tenderbooten und Jet-Skis. Diese wurden bisher aufwendig mit 20-Liter-Kanistern befüllt. Das wurde alles korrekt abgestimmt und von den dafür zuständigen Stellen genehmigt.

Was ist Ihnen im Rahmen Ihrer branchen­be­zo­genen Tätigkeit persönlich wichtig?

Asendorf: Ein tiefgehendes Kundenver­ständnis, um genau zu erfassen, wie wir optimal unterstützen können. Besonders am Herzen liegt mir außerdem die Ausbildung und Weiterqua­li­fi­zie­rung unserer Mitarbeiter: Azubis, Absolventen, aber auch branchen­fremde Quereinsteiger, beispiels­weise aus dem Maschinenbau. Was Azubis anbelangt, bilden wir Nachwuchs­kräfte zu Technischen Produktde­si­gnern, Fachrich­tung Maschinen- und Anlagenbau, aus. Ebenfalls wichtig ist mir eine ausgewogene Mischung von Jung und Alt im Team. Das geht bei uns von 17 bis 67.