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Ulfs* WeltKolumne

Klamm­heim­liche Inno­va­tion

Lesezeit ca.: 3 Minuten
Ulf Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

freier Journalist

Wenn Ihr Bügeleisen Ihnen Angst macht, sind Sie wahrschein­lich nicht auf der Höhe der Zeit.

21. Oktober 2016

Was für eine denkwürdige Premiere! Wir sind längst auf der Autobahn, eine halbe Stunde von zu Hause. Der Wagen ist gut voll mit Gepäck. Ich plaudere mit meiner Frau, irgendwie kommt das Gespräch auf die frisch gebügelten Hemden... Ja, wir mussten natürlich umkehren. Aber zum allerersten Mal nicht aus dem üblichen Grund, der da Kontroll­zwang heißt, eine Volkskrank­heit ist und unsere Touristen­na­tion auf den dreifach gefahrenen Strecken (hin, her, hin) nicht nur kubikkilo­me­ter­weise Sprit verplempern, sondern auch ein paar Jahrzigtau­sende zusätzlich im Stau schmoren lässt. Wir waren uns ausnahms­weise sicher, dass das Bügeleisen ausgesteckt war. Aber wo waren die Hemden? Da sie nicht hinter uns im Fond hingen, logischer­weise noch daheim an der Garderobe.

„Stand-by your Bügeleisen“

In solchen Momenten erwacht in mir der Erfinder­geist. Gegen meine Schusselig­keit kann ich zwar wenig tun, auch in Zukunft werde ich blindlings an Sachen vorbeilaufen, die ich so in den Flur drapiert habe, dass ich sie auf dem Weg in die Garage theoretisch nicht übersehen kann. Aber wenigstens für das Menschheits­pro­blem mit den brandgefähr­li­chen Bügeleisen kam mir die Lösung in den Sinn. Sie war so genial simpel, dass ich mich fragte, warum noch kein Hersteller darauf gekommen ist. Wenn ich zum Beispiel meine Espresso­ma­schine nach Gebrauch nicht ausschalte, heizt sie nur ein paar Minuten weiter. Dann geht sie auf Stand-by und hat keine Chance mehr, durchzubrennen und die Küche abzufackeln.

Bewegungs­sensor für Cool-Down-Modus

In Gedanken entwarf ich schon die Patentan­mel­dung für das ultimative Sicherheits­bü­gel­eisen der Zukunft: Steht es fünf Minuten unberührt an seinem Platz, aktiviert ein billiger kleiner Bewegungs­sensor vorsorglich den Cooldown-Modus. Das funktioniert ganz ohne sündteure Smart-Home-Installa­tion und Handy-Apps. Wenn das Produkt kein Renner wird! Allein in Deutschland gibt es schließlich 40 Millionen Haushalte, deren Bewohner mit 40 Millionen Autos zurückfahren, um 40 Millionen vergessene Bügeleisen­ste­cker zu ziehen. Niemand muss sich mehr Sorgen machen. Und die paar Wohnungs­brände, die wirklich aufs Konto durchschmo­render Dampfbügel­au­to­maten gehen, gehören bald ebenso der Vergangen­heit an, wie die eine oder andere Geisterfahrt von Mitmenschen, die in Panik auf der Autobahn wenden, weil sie ihr Häuschen schon in Flammen wähnen.

Patent und Ehrenmit­glied der Feuerwehr

Mein Traum von üppigen Lizenzein­nahmen auf mein Patent und der Ehrenmit­glied­schaft im Feuerwehr­ver­band platzte leider schon beim ersten gründlicheren Googlen. Solche Sensoren sind längst serienmäßig in jedem besseren Marken-Bügeleisen verbaut. Die Produzenten haben nur nie groß Werbung dafür gemacht. Blöderweise merken wir beim täglichen Gebrauch nichts von diesem wunderbaren Feature – nicht einmal, wenn wir nach einer Pause weiterbü­geln. Sobald wir den Griff in die Hand nehmen, springt das Heizelement mit leisem Klicken wieder an, das Lämpchen leuchtet kurz auf und weiter geht‘s.

Der brennende Kühlschrank

Bevor Sie das nächste Mal verreisen, prüfen Sie am besten, ob Sie auch schon so ein modernes Modell besitzen. Wenn nein, kaufen Sie eines. Und dann vergessen wir ein für allemal unsere kollektive „Schatz-ich-glaub-das-Bügeleisen-ist-noch-an-Paranoia.“

Übrigens... Raten Sie mal, welche Elektroge­räte die Website feuerfakten.de neben solchen, die heizen, als „besonders gefährlich“ einstuft! Es sind, ganz im Ernst, Kühlschränke!