Wie gut kennen Sie ihr Bügeleisen? SrdicPhoto
Ulfs* Welt

Kolumne

Klammheimliche Innovation

Wenn Ihr Bügeleisen Ihnen Angst macht, sind Sie wahrscheinlich nicht auf der Höhe der Zeit.

21. Oktober 2016

Was für eine denkwürdige Premiere! Wir sind längst auf der Autobahn, eine halbe Stunde von zu Hause. Der Wagen ist gut voll mit Gepäck. Ich plaudere mit meiner Frau, irgendwie kommt das Gespräch auf die frisch gebügelten Hemden... Ja, wir mussten natürlich umkehren. Aber zum allerersten Mal nicht aus dem üblichen Grund, der da Kontrollzwang heißt, eine Volkskrankheit ist und unsere Touristennation auf den dreifach gefahrenen Strecken (hin, her, hin) nicht nur kubikkilometerweise Sprit verplempern, sondern auch ein paar Jahrzigtausende zusätzlich im Stau schmoren lässt. Wir waren uns ausnahmsweise sicher, dass das Bügeleisen ausgesteckt war. Aber wo waren die Hemden? Da sie nicht hinter uns im Fond hingen, logischerweise noch daheim an der Garderobe.

„Stand-by your Bügeleisen“

In solchen Momenten erwacht in mir der Erfindergeist. Gegen meine Schusseligkeit kann ich zwar wenig tun, auch in Zukunft werde ich blindlings an Sachen vorbeilaufen, die ich so in den Flur drapiert habe, dass ich sie auf dem Weg in die Garage theoretisch nicht übersehen kann. Aber wenigstens für das Menschheitsproblem mit den brandgefährlichen Bügeleisen kam mir die Lösung in den Sinn. Sie war so genial simpel, dass ich mich fragte, warum noch kein Hersteller darauf gekommen ist. Wenn ich zum Beispiel meine Espressomaschine nach Gebrauch nicht ausschalte, heizt sie nur ein paar Minuten weiter. Dann geht sie auf Stand-by und hat keine Chance mehr, durchzubrennen und die Küche abzufackeln.

Bewegungssensor für Cool-Down-Modus

In Gedanken entwarf ich schon die Patentanmeldung für das ultimative Sicherheitsbügeleisen der Zukunft: Steht es fünf Minuten unberührt an seinem Platz, aktiviert ein billiger kleiner Bewegungssensor vorsorglich den Cooldown-Modus. Das funktioniert ganz ohne sündteure Smart-Home-Installation und Handy-Apps. Wenn das Produkt kein Renner wird! Allein in Deutschland gibt es schließlich 40 Millionen Haushalte, deren Bewohner mit 40 Millionen Autos zurückfahren, um 40 Millionen vergessene Bügeleisenstecker zu ziehen. Niemand muss sich mehr Sorgen machen. Und die paar Wohnungsbrände, die wirklich aufs Konto durchschmorender Dampfbügelautomaten gehen, gehören bald ebenso der Vergangenheit an, wie die eine oder andere Geisterfahrt von Mitmenschen, die in Panik auf der Autobahn wenden, weil sie ihr Häuschen schon in Flammen wähnen.

Patent und Ehrenmitglied der Feuerwehr

Mein Traum von üppigen Lizenzeinnahmen auf mein Patent und der Ehrenmitgliedschaft im Feuerwehrverband platzte leider schon beim ersten gründlicheren Googlen. Solche Sensoren sind längst serienmäßig in jedem besseren Marken-Bügeleisen verbaut. Die Produzenten haben nur nie groß Werbung dafür gemacht. Blöderweise merken wir beim täglichen Gebrauch nichts von diesem wunderbaren Feature – nicht einmal, wenn wir nach einer Pause weiterbügeln. Sobald wir den Griff in die Hand nehmen, springt das Heizelement mit leisem Klicken wieder an, das Lämpchen leuchtet kurz auf und weiter geht‘s.

Der brennende Kühlschrank

Bevor Sie das nächste Mal verreisen, prüfen Sie am besten, ob Sie auch schon so ein modernes Modell besitzen. Wenn nein, kaufen Sie eines. Und dann vergessen wir ein für allemal unsere kollektive „Schatz-ich-glaub-das-Bügeleisen-ist-noch-an-Paranoia.“

Übrigens... Raten Sie mal, welche Elektrogeräte die Website feuerfakten.de neben solchen, die heizen, als „besonders gefährlich“ einstuft! Es sind, ganz im Ernst, Kühlschränke!

Autor

Ulf J. Froitzheim, freier Journalist

z. B. für brand eins, impulse und Technology Review