Videochat per „Holoportation“
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Virtual Reality

Meister Yodas Teleportation

Virtual Reality verändert unsere Kommunikation. Der Videochat von morgen heißt »Holoportation« – zumindest, wenn man Herstellern wie Microsoft glaubt. Die Anwendung soll es Nutzern der AR-Brille Hololense ermöglichen, den Gesprächspartner als 3D-Hologramm ins eigene Sichtfeld zu teleportieren.

18. November 2016

Bisher waren nur die Mitglieder des Hohen Rats der Jedi damit vertraut: Konnte einer einmal nicht persönlich am Meeting der Meister teilnehmen, erschien er virtuell – als Hologramm. Doch was sich Regisseur George Lukas für Yoda und Co. im Star-Wars-Universum ausgedacht hat, könnte bald Realität sein. Microsoft-Tüftler haben im März 2016 die neue Anwendung »Holoportation« vorgestellt. Diese Technologie der Forschungsgruppe I3D bei Microsoft Research soll es Nutzern der Augmented-Reality-Brille Hololense ermöglichen, sich von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten, obwohl sie sich physisch an unterschiedlichen Orten befinden. Endlich: Homeoffice für immer! In Zukunft teleportiert man sich einfach ins Teammeeting. Und der Dienstherr spart die Reisekosten zum Kundengespräch in Shanghai. Doch noch versorgt Microsoft nur Entwickler und Unternehmen mit der Hololense und Holoportation findet nur im Forschungslabor statt.

3D-Modell wird mit Hilfe von HD-Kameras errechnet

Faszinierend ist es allemal, wenn Microsoft-Mann Shahram Izadi im YouTube-Video die Technik hinter Holoportation erklärt. Neben ihm erscheint sein Kollege Sergio als Hologramm. Der echte Sergio befindet sich in einem anderen Laborraum. Möglich machen dieses virtuelle Treffen acht HD-Kameras, die Sergio von allen Seiten filmen und seine Bewegung erkennen. Mit diesen Daten wird ein 3D-Modell Sergios errechnet, das Kollege Izadi mit seiner AR-Brille sehen kann. Auch von Izadi wird eine Rekonstruktion errechnet, komprimiert und ins Sichtfeld des Kollegen übertragen. So können die Kollegen sich High Five geben und haben das Gefühl, sie seien im gleichen Raum. »Sie können mit Familienmitgliedern kommunizieren, die Tausende Meilen entfernt sind«, sagt Izadi im Video und teleportiert das Hologramm seiner kleinen Tochter in den Raum – allerdings ohne Augenkontakt, denn die Augen bleiben unter der Brille verborgen. Mit Holoportation soll man aber nicht nur in Echtzeit miteinander kommunizieren können. Das virtuelle Treffen kann auch aufgezeichnet und später angeschaut werden – als 3D-Erinnerung. Diese kann laut Microsoft verkleinert und vergrößert werden.

Problem: Datenmenge

Bevor Holoportation allerdings beim Konsumenten ankommt, gibt es noch eine große Hürde zu überwinden: die riesige Datenmenge. »Momentan braucht es ein paar starke Rechner. Wir arbeiten daran, das Ganze auf Mobiltelefongröße zu reduzieren«, sagt Microsoft-Mitarbeiter Christoph Rhemann in einem Interview mit dem Tech-Magazin futurzone.at. Und obwohl eine »kleine Armee« Nvidia-Grafikprozessoren im Einsatz ist, sehen die Hologramme noch recht pixelig und nicht fotorealistisch aus. Für die Übertragung der Hologramme ist zudem eine sehr hohe Bandbreite nötig, die Forscher arbeiten deshalb an Kompressionsalgorithmen.Bestimmte Körperstellen könnten zum Beispiel eine weniger hohe Auflösung bekommen als das Gesicht.

Gemeinsam abhängen mit Avataren

Arne Ludwig, Vorsitzender des Ersten Deutschen Fachverbands für Virtual Reality, ist überzeugt: »So sieht das Meeting der Zukunft aus.« In eine ähnliche Richtung geht seiner Einschätzung nach auch die Alphaversion von Oculus Social, einer neuen Anwendung von Oculus Rift. Dort kann man in einem virtuellen Kino Filme auf einer großen Leinwand genießen. Allerdings wird hier kein Hologramm des Anwenders teleportiert. Wer die VR-Brille trägt, trifft sich als Avatar in einem virtuellen Raum mit anderen Avataren. Über Sprachchat kann er sich unterhalten, mit Gesten wie Kopfnicken kommunizieren und mit den anderen Videos anschauen. Ähnlich funktioniert Altspace VR für Oculus Rift, HTC Vive und Samsung Gear. Die Nutzer können als Avatare in einem virtuellen Büro auch miteinander arbeiten. Für Arne Ludwig ist Virtual Reality mehr als ein Unterhaltungsmedium. Am Rande der Ausstellung »#VRHere2016« zur re:publica im Mai sagt er: »Die große Herausforderung ist es, dass VR nicht mehr nur als Spielerei gesehen wird. Für uns ist VR die nächste technologische Stufe.« Sei es in der Kommunikation, in der Bildung, in der Medizin oder im Engineering, wo man schon jetzt Prototypen simuliert bevor man sie baut. »Das ist viel anschaulicher. Wenn man etwas ändern will, kann man das sofort machen und Livedaten direkt einspeisen«, so Ludwig. Er erwartet auch, dass man sich von den Brillen mit der Zeit wieder verabschieden wird. Der nächste Schritt, so Ludwig, ist die Projektion in den realen Raum. Kameras wie Kinect vermessen dafür den Raum und machen diesen zum Holodeck: Digitale Informationen, Objekte und Hologramme von Personen werden eingeblendet. Auch das hat es bisher nur in der Welt von Meister Yoda gegeben.

Autor

Lisa Kräher, freie Journalistin

Bernd Seidel & Friends

Ausgabe 2016/02

Dieser Artikel erscheint auch in unserem IT-Magazin <atFERCHAU>. Möchten Sie weitere spannende Artikel lesen?

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