Image: Automobile Antiquitäten als WertanlageFERCHAUFERCHAUAlexej Koch
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Auto­mo­bile Anti­qui­täten als Wert­an­lage

Lesezeit ca.: 4 Minuten
Bernd Seidel

Bernd Seidel

freier Journalist

Während die Automobil­in­dus­trie in Technolo­gien für autonomes Fahren und Elektromo­bi­lität investiert, entdecken private Anleger Oldtimer als Anlageob­jekte. Von deren Wertzuwächsen können viele Aktienin­haber nur träumen.

01. Dezember 2016

Die teilweise enormen Wertzuwächse machen antiquierte Fahrzeuge für immer mehr private Investoren interessant. So hat sich beispiels­weise der Deutsche Oldtimer Index des Verbands der Automobil­in­dus­trie (VDA) seit seiner Gründung im Jahr 1990 mehr als verdoppelt. Noch steiler stieg die Kurve beim Oldtimer­index (OTX) der Südwestbank: Der Wert der darin vertretenen 20 Modelle süddeutscher Automobil­her­steller stieg zuletzt um 14,1 Prozent auf 438 Punkte. Gegenüber 2005, als der Index zum ersten Mal berechnet wurde, hat sich sein Wert damit mehr als vervierfacht. Zum Vergleich: Der DAX legte im gleichen Zeitraum „nur“ das Zweieinhalb­fache seines Ausgangs­werts zu. Damit haben sich Oldtimer als alternative Wertanlage eindeutig etabliert.

Mit einem Flügeltürer zum Garagenmil­lionär

Manfred Mühlheim, Direktor und Bereichs­leiter Asset Management bei der Südwestbank AG in Stuttgart, beschreibt die Sonderstel­lung der Oldtimer als Geldanlage so: „Historische Fahrzeuge bringen bei der Wahl des richtigen Modells neben PS auch Rendite auf die Straße.“

Doch wie bei Aktien gilt: Um von der insgesamt positiven Entwicklung zu profitieren, ist neben dem erforder­li­chen Kapital auch die richtige Entschei­dung zur passenden Gelegenheit gefragt. Wer beispiels­weise im Jahr 1999 den berühmten Flügeltürer Mercedes Benz 300 SL zum damaligen Wert von rund 250.000 Euro erworben hat, darf sich heute Garagenmil­lionär nennen: Das Traumauto der 50-er Jahre, das von 1954 bis 1963 gebaut wurde und die Herzen von Automobi­listen bis heute höher schlagen lässt, ist mit 1,075 Millionen Euro das mit Abstand teuerste Fahrzeug im OTX und nur noch 264 mal in Deutschland zugelassen. Daneben nimmt sich der Porsche 911er (Modelle der Baujahre 1964 bis 1989), der für 125.654 Euro zu haben ist, immer noch als Schnäppchen aus. Und das, obwohl der Sportwagen­klas­siker aus Zuffenhausen laut OTX seit 2005 eine Performance von fast 660 Prozent hinlegte.

Nebenkosten bremsen Begeiste­rung für Schnäppchen

Dass Investitionen in Oldtimer nicht immer im sechs- oder siebenstel­ligen Bereich liegen müssen, beweisen Modelle wie der BMW 6er mit einem Wert von 15.733 Euro oder die legendäre Isetta für 13.200 Euro, die ebenfalls im OTX enthalten sind. Und einen gut erhaltenen Ascona oder Manta B gibt es sogar schon für 5.300 Euro. Allerdings sollten sich Anleger von den niedrigen Einstands­preisen dieser Modelle nicht blenden lassen. Denn der Anteil der laufenden Ausgaben für Steuern, Versiche­rung, Garagenmiete, Wartung, Reparaturen und Pflege schmälert die Nettoren­dite dieser Objekte erheblich.

Oldie ist nicht gleich Goldie

Auch bei Oldtimern führt die Wertentwick­lung nicht in einer Einbahnstraße bergauf. Wer etwa einen Ferrari 400 GT der Baujahre 1976 bis 1979 besitzt, dürfte in den letzten Jahren wenig Freude an der Wertentwick­lung seines Fahrzeugs gehabt haben. Von 2007 bis 2015 fiel der durchschnitt­liche Marktwert des Italieners nach Erhebungen der Sachverstän­di­gen­or­ga­ni­sa­tion Classic Data von 47.000 auf 35.000 Euro, wie die “Welt“ berichtete.

Sparsam dosieren

Südwestbank-Experte Manfred Mühlheim empfiehlt denn auch: „Oldtimer-Investitionen eignen sich grundsätz­lich nur als Beimischung zum Gesamtver­mögen. Nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des Vermögens sollten hier investiert werden.“ Idealerweise sollte der Anleger auch eine gewisse Affinität zu Oldtimern mitbringen und Spaß an einer Ausfahrt haben, denn die Fahrzeuge wollen bewegt werden.

Worauf Neueinsteiger achten müssen

„Bei einem Kaufpreis von beispiels­weise 100.000 Euro müssen rund vier Prozent Unterhalts­kosten pro Jahr einkalku­liert werden,“ rät Mühlheim. Zu Buche schlagen einmalig das Gutachten sowie jährlich Steuern, Versiche­rung, Garagenmiete, Wartung, Reparaturen und Pflege. Vorteilhaft ist dagegen, dass etwaige Veräußerungs­ge­winne bei einer Haltedauer von mehr als einem Jahr nach aktueller Gesetzes­lage steuerfrei vereinnahmt werden können. Als weiteren Stolperstein beim Kauf eines automobilen Klassikers nennt Mühlheim Fälschungen, denen Käufer erliegen könnten: „Die erkennt der Laie nicht auf den ersten Blick. Die Südwestbank empfiehlt Interessenten daher zwingend den Gang zu einem Oldtimer­gut­achter.“

Das Web fährt auf Oldtimer ab

Auch im Web finden sich zunehmend mehr Angebote rund um Oldtimer als Geldanlage. Das Startup Oldtimer­trend aus Aalen beispiels­weise hat einen Marktplatz für automobile Klassiker aufgebaut, der konkrete Angebote mit aktuellen Informationen zum Marktpreis des jeweiligen Modells verbindet. Dazu greift das Unternehmen auf die Daten des Kooperati­ons­part­ners Autoscout24 sowie eigener Inserate in den Kategorien „Oldtimer“ und „Youngtimer“ (Fahrzeuge, die mehr als 20 Jahre, aber noch keine 30 Jahre alt sind) zu und verknüpft sie mit den Marktpreisen, die mit einem speziellen Algorithmus auf Basis von weltweit erhobenen Transaktionen ermittelt werden. Der potenzielle Käufer sieht auf einen Blick die Preisspanne, in der das Modell derzeit gehandelt wird, und die durchschnitt­liche jährliche Wertentwick­lung. Alexej Koch, CEO von Oldtimer­trend, erklärt: „Diese Angaben machen ein fundiertes Gutachten nicht überflüssig. Aber sie helfen Käufern und Verkäufern in einem zunehmend unübersicht­li­chen Markt, schneller zueinander zu finden.“ Auch der Marktplatz Classic-Oldtimer bietet Käufern und Verkäufern von Fahrzeugen eine gemeinsame Plattform und Oldtimer-Ersatztei­le24 hilft Oldtimer-Besitzern auf der Suche nach Ersatzteilen. Und deren Bedeutung ist nicht zu unterschätzen: Denn nur fahrbereit entfalten die rollenden Renditeob­jekte ihr ganzes Entwicklungs­po­ten­zial.