Rennwagen Horsepower Hannover
MenschenStudenten geben Vollgas

Horsepower Hannover

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Sophie Blasberg

Sophie Blasberg

freiberufliche Journalistin

60 Studenten planen, entwerfen und bauen in Hannover jedes Jahr aufs Neue einen Rennwagen. Für viele im Team um Mike Zitelmann ist das ein echter Fulltimejob – mit hohem Spaßfaktor und kaum ersetzbaren Lerneffekten rund ums Engineering. FERCHAU unterstützt die Technik-Spezialisten von Morgen als Hauptsponsor.

07. Dezember 2016

Arne Luxa blickt triumphierend auf den Bildschirm, dann in die Gesichter seiner Kollegen. Sie alle sehen ein bisschen erschöpft aus, vor allem aber stolz. Kein Wunder, denn was da gerade über den Bildschirm flimmerte, ist die Hochglanzpräsentation eines Business-Konzepts, das an Kreativität und Detail-Reichtum kaum zu toppen ist. Dabei geht es hier weder darum, einen Pitch zu gewinnen, noch darum, Investoren für eine Geschäftsidee zu finden. „Aber es geht darum, die eigene Qualität in einem Wettbewerb mit anderen Teams unter Beweis zu stellen. Dementsprechend ernst nehmen wir die Aufgabe.“

„Wir“ ist das Team „Horsepower Hannover“. Seit 2007 hat die Leibniz Universität ihr eigenes Formula Student Team und nimmt an internationalen Wettbewerben teil. Formula Student wird oft als „kleine Formel 1“ bezeichnet, Marketing-Leiter Arne Luxa findet diese Bezeichnung nicht ganz passend. „Das erweckt den Eindruck, als gehe es hier primär um Rennen. Doch entscheidend sind die vollständige Konzeption und Konstruktion eines Rennwagens, Projektplanung und Wirtschaftlichkeit.“

Konzeption und Projektplanung sind Teil der Formula Student.

Der Wirtschaftsingenieur-Masterstudent steckt fast seine komplette Freizeit in das Projekt. Je länger er und Mike Zitelmann davon erzählen, desto mehr gewinnt man den Eindruck, dass das Team eigentlich eher eine mittelgroße Firma ist. „Jeder hat feste Aufgaben und auch recht festgelegte Zeitkontingente, die er investiert. Alle Mitglieder sind in Abteilungen eingeteilt, wir haben Büros und eine Werkstatt – im Grunde sind wir schon wie ein echter Betrieb.“ Der Teamleiter macht gerade seinen Maschinenbau-Bachelor, wobei das Team seine Zeit fast vollständig in Anspruch nimmt. „Zum Glück werden die enormen Lerneffekte, die wir durch unsere Arbeit hier haben, von immer mehr Professoren auch in Form von Credit-Points anerkannt. Wir hoffen sehr, dass davon in Zukunft noch mehr unserer Mitglieder profitieren können.“

In der Tat ist die Bandbreite der praktischen Erfahrungen im Rahmen einer Formula Student Saison enorm. Über mehrere Monate entwickeln die Studenten komplett eigenständig das gesamte Engineering Design ihres Wagens, stellen die Komponenten zusammen und erstellen Konstruktionszeichnungen. Im Januar beginnt dann die eigentliche Fertigung des Fahrzeugs, ebenfalls in Eigenregie. Parallel fertigen die Studenten Cost Reports an, erstellen einen Businessplan und eine Marketingstrategie. „Jedes Jahr Ende Mai steht dann unser fahrtüchtiger Wagen da und ist bereit, sich in den internationalen Wettbewerben zu behaupten“, sagt Mike Zitelmann. Beurteilt werden alle Komponenten des Konzepts, im letzten Jahr konnte Horsepower Hannover bei Events in Italien, Hockenheim und Spanien gute Ergebnisse erzielen. „Das ist der Lohn für die intensive Arbeit der ganzen Saison“, sagt Arne Luxa. „Und natürlich das Team. Für mich ist Horsepower Hannover wie eine Familie. Gleichzeitig nehme ich so viel mit, das hätte ich durch mein Studium allein niemals lernen können.“