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TrendMicroservices & Continuous Delivery

„Der klas­si­sche IT-Betrieb wird ster­ben“

Lesezeit ca.: 2 Minuten
Jürgen Mauerer

Jürgen Mauerer

freier Journalist

Im digitalen Zeitalter zählt Geschwin­dig­keit. Mit Ansätzen wie Microser­vices und Continuous Delivery versuchen Unternehmen, Anwendungen schnell und effizient zu entwickeln. René Büst, Senior Analyst bei Crisp Research, erläutert im Interview, wie sich diese Trends auf den IT-Betrieb auswirken und warum Administra­toren zu Entwicklern werden müssen.

15. Dezember 2016

Webshops wie Amazon oder Zalando integrieren heute fast stündlich neue Funktionen oder Updates. Wie gelingt es diesen Unternehmen, Anwendungen so schnell und stabil bereitzu­stellen?

René Büst: Zum einen lösen sie traditio­nelle monolithi­sche Architek­turen ab und setzen auf flexible Microser­vices. Diese Anwendungen bestehen aus lose gekoppelten, voneinander unabhängigen Modulen mit einer abgeschlos­senen Funktiona­lität. Im Webshop sind das beispiels­weise Komponenten wie Produktsuche, Bestellung oder Katalog. Im Verbund ergeben die Module über Programmier­schnitt­stellen die Gesamtfunk­tio­na­lität einer Anwendung.

Welche Vorteile bieten Microser­vices?

René Büst: Microser­vices lassen sich einzeln bereitstellen und einfach austauschen, da sie abgegrenzte Funktionen bieten und voneinander isoliert sind. Updates mit Erweiterungen oder Verbesse­rungen sind regelmäßig möglich, ohne die gesamte Anwendung aktualisieren zu müssen. Microser­vices können daher eine wichtige Grundlage für Continuous Delivery (CD) bilden, sprich die laufende Bereitstel­lung neuer Software-Versionen.

Continuous Delivery löst die traditio­nelle Bereitstel­lung von Software in festen Release-Zyklen ab und verlangt von Entwicklern eine Änderung ihrer bisherigen Arbeitsweise.

René Büst: Ja. Sie müssen sich auch mit dem Betrieb auseinan­der­setzen, da kleinere Funktions­er­wei­te­rungen der Microser­vices schnell produktiv gehen müssen. Entwickler erhalten hier noch während des Programmie­rens über automati­sche Tests schnelles Feedback über mögliche Fehler. Sind die Tests erfolgreich, lässt sich das neue Software-Build kurzfristig auf dem Produktiv­system installieren.

Wie wirken sich flexible Ansätze wie Microser­vices und Continuous Delivery auf den IT-Betrieb aus?

René Büst: Der IT-Betrieb wandelt sich mehr in Richtung Software­ent­wick­lung: Er muss im Dev-Sinne Infrastruktur automati­siert bereitstellen, statt im klassischen Ops-Sinne nur Umgebungen manuell aufzubauen. Der klassische IT-Betrieb wird aussterben, da die typischen Aufgaben eines Administra­tors mit dem Siegeszug der Cloud, einem stetig steigenden Automati­sie­rungs­grad sowie den Entwicklungen in Machine Learning und Künstlicher Intelligenz bald passé sein werden. Moderne Infrastruk­turen werden heute bereits mit Skripten programmiert und anhand von „Infrastruc­ture as Code“ entwickelt. Die Infrastruktur arbeitet dabei unabhängig von einer bestimmten Hardware­kon­fi­gu­ra­tion und ist programma­tisch erweiterbar.

Welche Folgen hat das für Administra­toren?

René Büst: Der Administrator 1.0 klickt, der Admin 2.0 programmiert, das heißt er wird zum Entwickler. Daher müssen Administra­toren ihr Skillset erweitern, um ihren Job nicht zu verlieren. Sie müssen beispiels­weise Cloud-Architek­tur­kon­zepte verstehen, Programmier­kennt­nisse besitzen, dem DevOps-Konzept gegenüber offen sein und mit APIs umgehen können.

Herr Büst, vielen Dank für das Gespräch.