René Büst, Senior Analyst bei Crisp Research
Trend

Microservices & Continuous Delivery

„Der klassische IT-Betrieb wird sterben“

Im digitalen Zeitalter zählt Geschwindigkeit. Mit Ansätzen wie Microservices und Continuous Delivery versuchen Unternehmen, Anwendungen schnell und effizient zu entwickeln. René Büst, Senior Analyst bei Crisp Research, erläutert im Interview, wie sich diese Trends auf den IT-Betrieb auswirken und warum Administratoren zu Entwicklern werden müssen.

15. Dezember 2016

Webshops wie Amazon oder Zalando integrieren heute fast stündlich neue Funktionen oder Updates. Wie gelingt es diesen Unternehmen, Anwendungen so schnell und stabil bereitzustellen?

René Büst: Zum einen lösen sie traditionelle monolithische Architekturen ab und setzen auf flexible Microservices. Diese Anwendungen bestehen aus lose gekoppelten, voneinander unabhängigen Modulen mit einer abgeschlossenen Funktionalität. Im Webshop sind das beispielsweise Komponenten wie Produktsuche, Bestellung oder Katalog. Im Verbund ergeben die Module über Programmierschnittstellen die Gesamtfunktionalität einer Anwendung.

Welche Vorteile bieten Microservices?

René Büst: Microservices lassen sich einzeln bereitstellen und einfach austauschen, da sie abgegrenzte Funktionen bieten und voneinander isoliert sind. Updates mit Erweiterungen oder Verbesserungen sind regelmäßig möglich, ohne die gesamte Anwendung aktualisieren zu müssen. Microservices können daher eine wichtige Grundlage für Continuous Delivery (CD) bilden, sprich die laufende Bereitstellung neuer Software-Versionen.

Continuous Delivery löst die traditionelle Bereitstellung von Software in festen Release-Zyklen ab und verlangt von Entwicklern eine Änderung ihrer bisherigen Arbeitsweise.

René Büst: Ja. Sie müssen sich auch mit dem Betrieb auseinandersetzen, da kleinere Funktionserweiterungen der Microservices schnell produktiv gehen müssen. Entwickler erhalten hier noch während des Programmierens über automatische Tests schnelles Feedback über mögliche Fehler. Sind die Tests erfolgreich, lässt sich das neue Software-Build kurzfristig auf dem Produktivsystem installieren.

Wie wirken sich flexible Ansätze wie Microservices und Continuous Delivery auf den IT-Betrieb aus?

René Büst: Der IT-Betrieb wandelt sich mehr in Richtung Softwareentwicklung: Er muss im Dev-Sinne Infrastruktur automatisiert bereitstellen, statt im klassischen Ops-Sinne nur Umgebungen manuell aufzubauen. Der klassische IT-Betrieb wird aussterben, da die typischen Aufgaben eines Administrators mit dem Siegeszug der Cloud, einem stetig steigenden Automatisierungsgrad sowie den Entwicklungen in Machine Learning und Künstlicher Intelligenz bald passé sein werden. Moderne Infrastrukturen werden heute bereits mit Skripten programmiert und anhand von „Infrastructure as Code“ entwickelt. Die Infrastruktur arbeitet dabei unabhängig von einer bestimmten Hardwarekonfiguration und ist programmatisch erweiterbar.

Welche Folgen hat das für Administratoren?

René Büst: Der Administrator 1.0 klickt, der Admin 2.0 programmiert, das heißt er wird zum Entwickler. Daher müssen Administratoren ihr Skillset erweitern, um ihren Job nicht zu verlieren. Sie müssen beispielsweise Cloud-Architekturkonzepte verstehen, Programmierkenntnisse besitzen, dem DevOps-Konzept gegenüber offen sein und mit APIs umgehen können.

Herr Büst, vielen Dank für das Gespräch.

Autor

Jürgen Mauerer, freier Journalist

Bernd Seidel & Friends