Image: Stadtwurst aus dem ToasterFERCHAUFERCHAUcarrollphoto
Ulfs* WeltKolumne

Stadt­wurst aus dem Toaster

Lesezeit ca.: 4 Minuten
Ulf Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

freier Journalist

Horizontal Grillen war gestern. Der moderne Mann brät seine Würstchen hochkant.

26. Januar 2017

Die Zeiten, in denen die deutsche Hausfrau die Stütze der einheimi­schen Fleischwirt­schaft war, sind vorbei. Nicht nur, dass die Frauen mit dem traditio­nellen Rollenbild hadern, das sie am Herd zeigt, schwer beschäftigt mit der Zubereitung eines knusprigen Schweine-, Rinder-, Kalbs- oder Gänsebra­tens für die ganze Familie. Sie halten sich mittlerweile auffällig zurück, wenn es darum geht, sich an der Vertilgung tierischer Proteine überhaupt noch selbst zu beteiligen. Selbst die größten Fleischkatzen der Nation, die Einwohne­rinnen Sachsen-Anhalts, begnügen sich laut Fleischatlas 2016 mit weniger als 100 Gramm Wurst und Fleisch („einschlie­ß­lich Frikadellen und Gulasch“) am Tag. Rheinland-Pfälzerinnen dagegen sind schon so stramm auf Veganismus-Kurs, dass die durchschnitt­liche Bürgerin des Saumagen-Landes mit 72 Gramm auskommt. Dessen männliche Bewohner haben zwar ihrerseits den geringsten Fleischkonsum der Republik, futtern aber immer noch mehr als doppelt soviel an Würstchen, Steaks und Koteletts wie die Damen: 148 Gramm. Ein typischer Thüringer verdrückt Tag für Tag sogar 172 Gramm Rostbrat­würste und sonstige Metzgerwaren; im Laufe seines Lebens bringt er es auf fünf Tonnen, soviel wie ein ausgewach­sener Elefanten­bulle wiegt.

Der Blues des Kichererbsen-Banausen

Angesichts dieser Zahlen, Daten und Fakten ist es kein Wunder, dass die einschlä­gigen Marketing­stra­tegen vor den Frauen kapitulieren und sie als Zielgruppe bis auf weiteres abgeschrieben haben. Das Hochglanz-Fachblatt Beef ist von Männern für Männer geschrieben. Wer fachsimpelt in Kochshows über die perfekte Garung einer Entrecôte? Männer. Wer schwärmt auf privaten Parties von Dry Aged T-Bone-Steaks und Pulled Pork? Wer besucht zwölfwöchige Intensiv­work­shops, um beim nächsten Gartenfest dezent ein Weber-Grillmas­ter­di­plom an die Garagenwand hängen zu können? Männermän­ner­männer.

Dennoch ist es nicht allen Angehörigen unserer fleisches­lus­tigen Spezies gegeben, ohne Mitwirkung eines weiblichen Wesens auch nur ein Würstchen unfallfrei zu erhitzen. Diese Sorte Mann schaute bisher mit der Miene eines getretenen Mopses zu, wie die Haushalts­vor­ste­herin den Thermomix mit den Zutaten eines Smoothies füllte oder Buchweizen­brat­linge mit Hildegard-Kräutern, Quendel und Kichererbsen garnierte. „Wenn du Tierquäler meinst, du brauchst unbedingt eine stinkende Currywurst, dann brat dir halt eine“, stöhnte die holde Partnerin dann, „aber erst, wenn ich hier fertig bin. Und wehe, du lässt wieder die Pfanne zu heiß werden!“

Selbsthilfe mit Heulsoße und Akopads

So war es jedenfalls, bevor ein Haushalts­ge­rä­te­her­steller aus dem Sauerland den Wurster erfand. Dieses Selbsthil­fe­werk­zeug im Starter-Kit für schlappe 400 Euro ist der konsequente Gegenent­wurf zum berühmten Alleskönner aus dem Wuppertaler Vorwerk, nämlich eine hochspezia­li­sierte und zugleich äußerst simpel zu bedienende Apparatur, die nichts anders kann und tut, als Würstchen zu garen, die bei einer Länge zwischen 160 und 220 Millimeter nicht dicker als 30 Millimeter sind. Ein Lineal und eine Schieblehre sollte der Besitzer an der Kühltheke also tunlichst zur Hand haben, damit alles passt. Den Rest erledigt der erste Wurst-Toaster der Welt wie von selbst. Das Bratgut wird einfach senkrecht von oben eingefüllt und mittels eines Hebels, der zugleich eine digitale Zeitschaltuhr aktiviert, im Wurster versenkt. Nach fünf Minuten fährt der Schlitten wieder nach oben und gibt die Würste frei. Die Zubereitung gelingt unabhängig von den Kochkünsten und dem Alkoholpegel des Benutzers und stärkt so dessen lädiertes Selbstbe­wusst­sein. Die einzige Herausfor­de­rung besteht ab dem fünften oder sechsten Pils darin, freihändig die Einfüllöff­nungen zu treffen; ein Trichter fehlt leider im Zubehörpro­gramm.

Mit dem sechs Kilo leichten Vertikal­grill, der in einer formschönen hölzernen Transport­kiste geliefert wird, ist der Genießer autark und mobil. Überall, wo er eine Steckdose findet, kann er sein Grundnah­rungs­mittel genießen: im Hobbykeller, im Büro, laut Foto auf der Facebook­seite des Herstellers sogar im Schnee am Rand der Skipiste; die 80-Meter-Kabeltrommel ist leider nicht im Lieferum­fang. Für den nötigen Aroma-Kick sorgt das Original-Wurster-Feinkost­sor­ti­ment, etwa die tränentrei­bend scharfe „Heulsoße“ oder der Chili-Senf „Burner“ (etwas überraschend der Allergie-Hinweis: „enthält Senf“). Auf Männerart pflegeleicht ist der Wurst-Toaster auch: „Stark eingebranntes Fett lässt sich mit Edelstahl­wolle und ein wenig Kraftauf­wand gut beseitigen, wobei es aber auf der Oberfläche des oberen Blechs vom Rösteinsatz zu leichten Kratzspuren kommen kann … sollten hartnäcki­gere Reste übrig sein, helfen Akopads.“

Prima! Jetzt warten wir nur noch auf das nächste Produkt des Hauses, den Spiegeleierer zum UVP von nur 199,95 Euro.