Daniel Frauenrath, Niederlassungsleiter Ingolstadt
Unternehmen

Trendthema Komfort

Den Unterschied erlebbar machen

Die Zeit, in der PS-Stärke und Lackierung die zentralen Verkaufsargumente in der Automotive-Branche waren, neigt sich dem Ende zu. Stattdessen müssen die Fahrzeuge der Zukunft smart sein und durch Komfort-Lösungen überzeugen, die mit bequemen Sitzen nicht mehr viel zu tun haben.

11. Mai 2017

Herr Frauenrath, Ihr Team im Bereich Komfort besteht fast vollständig aus IT-Spezialisten. Wie erlebt der Endkunde diese Form des hochtechnologischen Komforts?

Mit allen Sinnen. Aktuell beispielsweise arbeiten wir an einer Software für das Sound-Tuning im Innenraum. Wenn Ihr Tank leer ist oder Sie sich nicht anschnallen, weist Ihr Fahrzeug Sie durch akustische Signale darauf hin. Diese Signale werden nicht zufällig ausgesucht, sondern von Tontechnikern bis ins letzte Detail entwickelt. Unsere Aufgabe besteht darin, ein Tool zu entwickeln, mit dem dieser im Studio entstandene Ton sich am Ende im Fahrzeug genauso anhört, wie er soll.

Das gilt sicher nicht nur für die Signaltöne, sondern auch für meine Lieblingssongs, oder?

Und damit nicht genug: Die Anforderungen an den Sound im Fahrzeug haben sich extrem erhöht. Heute möchte ich gern vorne ein geschäftliches Telefonat führen, während meine Kinder hinten mit Dolby Surround Sound einen Film schauen. Das ist hoch komplex, lässt sich durch unser Tool aber realisieren. Die Tontechniker können damit alles, was aus den Lautsprechern im Fahrzeug kommt, simulieren, visualisieren und entsprechend aussteuern.

Warum investieren OEMs so viel Geld in die Entwicklung des Komfort-Bereichs, der im Grunde ein Add-On zur eigentlichen Kernkompetenz – der Mobilität – ist?

Aktuell ist er in der Tat noch ein Add-On, doch wir sind davon überzeugt, dass das nicht mehr lange so bleibt. Das autonome Fahren wird früher oder später kommen und die Individualmobilität grundsätzlich verändern. Heute geht es primär noch darum, von A nach B zu kommen, das wird in Zukunft zur Nebensache, denn wenn ich nicht mehr aktiv das Auto fahre, kann ich diese Zeit anders nutzen. Spätestens dann wird der Komfort zum zentralen Entscheidungskriterium der Kunden und wer heute die Entwicklung verpasst, ist im Nachteil. Doch auch unabhängig vom autonomen Fahren verlagert sich der Qualitätswettbewerb inzwischen immer stärker, weil moderne Fahrzeuge sich in so vielen Bereichen bereits ähneln. Mit 240 PS und Metallic-Lackierung kann ich niemanden mehr beeindrucken. Die Unterschiede liegen mehr und mehr im Detail, also auch in der Frage, ob ich Premium Sound habe oder nicht.

Welche Kompetenzen braucht es, um diesen veränderten Wettbewerbsanforderungen begegnen zu können?

Es braucht ein vernetztes Denken, das die Digitalisierung als Gesamtanforderung versteht. Nur wer Autonomes Fahren, Connectivity, Security und eben auch Komfort zusammen denkt, kann smarte Gesamtsysteme entwickeln, die den Kunden überzeugen. Das ist unser Ziel mit dem Geschäftsbereich Automotive. Unser Vorteil liegt darin, dass wir oft eine unvoreingenommene Perspektive haben und aus dieser heraus ganz andere, innovative Lösungsansätze entwickeln können. Eine weitere große Kompetenz ist auch die Übersetzungsfähigkeit technischer Details in vermarktbare Lösungen.

Wie meinen Sie das?

Wenn Sie sagen, dass Sie einen V8- Motor haben, weiß jeder, dass das etwas sehr leistungsstarkes ist – auch wenn er sich nicht gut auskennt. Solche Labels brauchen wir für zukünftige Entwicklungen auch, um Fortschritt erzählbar zu machen. Da wir davon ausgehen, dass die Fahrzeugklassen sich eher durch Komfort als durch den Motor unterscheiden werden, erkennen Sie den V8 der Zukunft wahrscheinlich nicht am Sound auf der Straße, sondern am Sound auf dem Rücksitz. Unsere Aufgabe ist es, diesem Sound einen Namen zu geben, der nicht technisches Verständnis voraussetzt, sondern Emotionen auslöst und für einen gewissen Lebensstil und Anspruch steht – wie der V8.

Autor

Nina Heinze, Redakteurin Digital/Online