Patrick Gonser, Leiter Key Account Management Andreas Tillmanns
Unternehmen

Offshoring mit Mehrwert

„Best-Cost-Country-Lösungen in FERCHAU-Qualität”

Lesezeit ca.: 4 Minuten

Franz Jonen

freier Journalist

Die Einbindung von Best-Cost Countries (BCC) in die Engineering- und IT-Beschaffung bietet Kunden Vorteile in puncto Kosten und Kapazitäten. FERCHAU setzt dabei auf Lösungen, die nicht allein den Preis zum Maßstab erheben, sondern die darüber hinaus auch auf bewährte Qualitätsstandards setzen. Wie das aussieht, erläutert Patrick Gonser, Leiter Key Account Management FERCHAU-Zentrale.

31. Mai 2017

Warum bietet FERCHAU Best-Cost-Country-Lösungen an? Der Kundenwunsch nach Low-Cost-Sourcing ist doch sicher nicht der alleinige Grund...

Patrick Gonser: Es sind vor allem zwei Punkte, die hier eine zentrale Rolle spielen. Da ist zum einen die Tatsache, dass Konzerne oft eine gewisse Arbeitsleistung in Ländern erbringen müssen, in denen sie ihre Produkte verkaufen möchten. In diesem Zusammenhang ist es vielen wichtig, dass Zulieferer wie FERCHAU diesen Weg mitgehen. Zum anderen legen Großkunden aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit Wert auf die permanente Optimierung ihrer Beschaffung. Da geht es natürlich um günstige Kosten, aber auch um Flexibilität. Beispielsweise wenn sichergestellt sein muss, dass es dem Dienstleistungspartner bei Bedarf möglich ist, für bestimmte Standardaufgaben zeitnah 20 Programmierer in die Projektarbeit einzubeziehen. Die schnelle Skalierbarkeit bei gleichzeitiger Kosteneffizienz zeichnet unseren BCC-Ansatz aus. Dementsprechend analysieren wir bei der Übernahme großer Aufgabenpakete schon proaktiv, wie wir für den Kunden das Optimum in puncto Kosten, Qualität und Zeit sicherstellen können und unterbreiten ihm entsprechende Lösungsvorschläge. Aber natürlich gibt es auch Großkunden, die das gezielt nachfragen.

In welchen Best-Cost Countries ist FERCHAU präsent und gibt es dort spezielle Branchenfokussierungen?

Patrick Gonser: FERCHAU verfügt über einen Standort im indischen Bangalore, der über langjährige Erfahrungen im Luft- und Raumfahrtbereich sowie in der Informationstechnik verfügt. Hinzu kommen Niederlassungen in Spanien und Partnerschaften in Osteuropa. Auf der iberischen Halbinsel bilden neben dem Aviation-Bereich der Automotive- und IT-Sektor zentrale Branchenschwerpunkte. In Osteuropa ist dies unter anderem auch der Schiffsbau.

Was macht generell das BCC-Angebot von FERCHAU aus? Wo liegen die besonderen Vorteile für die Kunden?

Patrick Gonser: Wir schnüren in enger Abstimmung mit dem Kunden ein Gesamtpaket, bei dem genau definiert ist, wie die flexible Arbeitsteilung zwischen den deutschen und internationalen Standorten aussieht. Das kann bedeuten, dass wir eine Projektgruppe direkt oder nah beim Kunden installieren und einen Teil des Pakets herauslösen und dieses beispielsweise mit unseren Kollegen in Indien abarbeiten. Bei alldem gilt jedoch, dass das Projektmanagement immer in Deutschland angesiedelt ist. Kommunikation, Koordination, Handling – das alles läuft komplett von hier aus. Entscheidend ist außerdem, dass die Qualitätsstandards und Qualitätsprozesse, wie sie unsere Kunden aus Deutschland kennen, auch im BCC-Bereich umgesetzt werden. Die Sicherung von Qualität und Termintreue erfolgt also mit identischen Standards.

Was heißt das konkret?

Patrick Gonser: Das heißt zum Beispiel, dass wir sowohl die Kundenprozesse als auch die Aufgaben, um die es geht, genau analysieren. Sobald wir die Kundenprozesse im Detail kennen, planen wir sie direkt in unser Prozessmanagement ein. Als Ergebnis der Aufgabenanalyse erfolgt außerdem eine intensive Einarbeitung der Mitarbeiter aus dem BCC. Das kann vor Ort erfolgen oder mittels einer individuell angepassten Trainingsphase bei FERCHAU in Deutschland. Vor dem Projektstart werden gemeinsam mit dem Kunden Meilensteine und Quality Gates festgelegt, deren Einhaltung kontinuierlich überprüft wird. Dazu kommen interne Audits und Backups. Letztere stellen gerade in der Anlaufphase für beide Seiten eine Art Sicherheitsnetz dar. Durchgeführt werden die Backups in der Regel durch eigene Teams in Deutschland oder vertrauenswürdige Kooperationspartner im BCC. Last, but not least werden die finalen Arbeitsergebnisse geprüft, so dass sie der Kunde direkt verwenden kann.

Um welche Art von Engineering- und IT-Projekten geht es überhaupt im BCC-Business von FERCHAU: Komplexe Entwicklungsaufgaben oder Standardtätigkeiten?

Patrick Gonser: Im Fokus steht nicht die Entwicklung von Technologien für übermorgen, sondern es geht um „Fleißaufgaben” in Sachen High Tech, sprich: standardisierte, immer wiederkehrende Aufgaben in Entwicklung, Konstruktion und IT. Je langfristiger, wiederkehrender und schnittstellenärmer diese sind, desto mehr eignet sich eine BCC-Lösung. Typische Arbeitsbeispiele sind die Umwandlung von Zeichnungen von einem in ein anderes CAD-System sowie Softwareprogrammierungen bei allen Arten von Applikationen.

Ab wann lohnt sich der, sicher nicht unerhebliche, Aufwand bei der Realisierung von BCC-Lösungen? Gibt es da bei FERCHAU so etwas wie eine Faustformel?

Patrick Gonser: Wie erwähnt, rechnen sich BCC-Lösungen im Rahmen einer langfristigen Zusammenarbeit. Die Laufzeit eines entsprechenden Projekts sollte mindestens ein Jahr betragen und eine Teamstärke von Minimum fünf, besser zehn, Mitarbeitern erfordern.

Welche Karrierechancen bieten sich für Mitarbeiter beziehungsweise Bewerber mit den BCC-Aktivitäten von FERCHAU?

Patrick Gonser: Die Welt rückt näher zusammen – mit der Konsequenz, dass auch die Arbeit immer internationaler ausgerichtet ist. Das gilt auch und gerade in Engineering und IT. Unser BCC-Ansatz eröffnet Mitarbeitern die Möglichkeit, in Projektgruppen für Großkunden tätig zu werden und dabei Arbeitsanteile gemeinsam mit Kollegen aus BCC-Ländern abzuarbeiten. Das stärkt nicht nur die interkulturelle Kompetenz, sondern bietet sozusagen auch die Chance, auf internationaler Ebene ganz neue Erfahrungen zu sammeln.