Rennfahrer im Auto vor dem Start. Courtesy of Formula E
Technik

Formel E

Die E-Boliden

Lesezeit ca.: 4 Minuten

Lisa Kräher

freie Journalistin

Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch. Gilt das auch für den Rennsport? Mit der Formel E, der ersten rein elektrischen Rennserie der Welt, will die FIA einen umweltfreundlichen Autosport etablieren, jüngeres Publikum erreichen und die Entwicklung von E-Autos vorantreiben.

09. Juni 2017

60 Liter Benzin auf 100 Kilometern und ohrenbetäubender Lärm – Autorennen wie die Formel 1 und Umweltfreundlichkeit passen einfach nicht zusammen. Bislang. Denn wenn es nach den Organisatoren der Formel E geht, kommt der Rennsport in Zukunft ohne Abgase und Motorenlärm aus: 2014 startete die Rennserie des Internationalen Automobilverbands (FIA), deren Fahrer auf aktuell zehn Stadtkursen weltweit um den Meistertitel kämpfen. Im Juni ist die Formel E bereits zum 3. Mal in Berlin zu Gast.

Als FIA-Präsident Jean Todt und Formel-E-Geschäftsführer Alejandro Agag im Februar 2013 mit ihrer Idee in Paris vor die Presse traten, war die Zahl der Skeptiker groß. Eine rein elektrische Rennserie? E-Autos galten bisher als langsame Fahrzeuge mit geringer Reichweite. Zudem waren die Fahrzeuge zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gebaut. Eineinhalb Jahre später, im September 2014, startete das erste Rennen mit 40 Autos und zehn Teams in Peking.

Auch Nick Heidfeld fährt elektrisch

Seitdem hat sich die Formel E von der belächelten Idee einiger Autofans zum immer beliebter werdenden Rennsport entwickelt. Stadtstrecken gibt es in Metropolen wie New York, Paris, Buenos Aires oder Mexiko Stadt. Vor allem junge Fans in den Städten, die sich bisher weniger für Autos und Motorsport interessiert haben, wollen die Macher der Formel E ansprechen. Auch einige bekannte Gesichter konnten schon für die „klimafreundliche“ Rennserie gewonnen werden: Der ehemalige Formel-1-Fahrer Nick Heidfeld tritt für das indische Motorsportteam Mahindra Racing an. Der Brasilianer Lucas Di Grassi geht für den deutschen Rennstall Abt Schaeffler Audi Sport an den Start.

In Deutschland hält sich die Aufmerksamkeit für die Formel E noch in Grenzen. Bisher fehlt ein erfolgreicher deutscher Fahrer. „Mit den Werkseinstiegen von Audi in diesem Jahr sowie BMW und höchstwahrscheinlich auch Mercedes im kommenden Jahr dürfte die Medienpräsenz der Formel E deutlich größer werden“, sagt Timo Pape, Formel-E-Experte und Gründer des Fachportals e-formel.de. Pape hat die Entwicklung der Formel E von Anfang an verfolgt.

Eindrücke von der Formula E.

Erfolgsrezept Energiemanagement

Chassis und Batterie sind bisher bei allen Formel-E-Autos gleich. Für bestimmte Komponenten des Antriebsstranges, wie zum Beispiel Elektromotor, Spannungswandler oder Getriebe, aber auch für die Steuerungselektronik sind die Teams selbst verantwortlich. So geht zum Beispiel ein Rennstall mit Doppelmotor an den Start. „Der Schlüssel zum Sieg ist oftmals das optimale Energiemanagement durch die Fahrer“, erklärt Timo Pape. Denn auch im Rennsport ist das größte Problem der Elektromobilität nach wie vor die Reichweite.

Nach der Hälfte der Runden, rund 50 Kilometern, gibt der Akku der Rennwägen auf. Die Fahrer müssen dann während des Rennens in ein zweites Auto umsteigen. Jeder Wagen hat die gleiche Batterie mit einer Kapazität von 28 Kilowattstunden – so schreibt es das Reglement vor. Im Rennen bringen es die Autos auf eine Leistung von 170 Kilowatt – das entspricht 231 PS. Ab 2018 soll es einen Akku geben, der ein ganzes Rennen lang durchhalten soll.

Ähnlich wie die Formel-1-Boliden beschleunigen die Autos in drei Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer. Allerdings sind sie mit rund 230 Stundenkilometern Spitzengeschwindigkeit langsamer als ihre Pendants mit Verbrennungsmotor. Diese bringen es auf bis zu 330 Stundenkilometer.

Von der Rennstrecke auf die Straße

Ein „Versuchslabor“ für die Serienproduktion soll die Formel E sein. Das galt einst auch für die Formel 1, durch die beispielsweise Scheibenbremsen, Allradantrieb, Aerodynamik-Bauteile oder Keramik-Bremsscheiben weiterentwickelt wurden. „Die Hersteller stehen bei Elektromotoren noch ganz am Anfang, die neu zu gewinnenden Erkenntnisse sind folglich noch deutlich größer als bei ausgereiften Technologien“, sagt Pape. So setzt beispielsweise Renault bei seinem kürzlich vorgestellten Zoe Sport Concept sowie beim Konzeptfahrzeug Trezor auf Technologie aus der Formel E. Auch Hersteller wie Audi haben betont, dass sich die Erkenntnisse der Rennstrecke auf Straßenentwicklungen übertragen lassen.

Ein weiterer interessanter Aspekt betrifft nicht die Rennautos selbst, sondern die Safety- und Medical-Cars, die bei der Formel E im Einsatz sind. Die Hybrid-Modelle i8 von BMW werden induktiv geladen, indem sie auf eine Art Parkplatz mit Magnetfeld fahren und so kabellos Strom tanken. Eine Technologie, die bald auch schon bei Serien-Pkw zu finden sein könnte.