Image: „Das Beste aus beiden Welten”FERCHAUFERCHAUAlexander Schulz, COO bei Ferchau
UnternehmenNeue Tariflandschaft

„Das Beste aus beiden Welten”

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Franz Jonen

Franz Jonen

freier Journalist

Das reformierte Arbeitneh­mer­über­las­sungs­ge­setz (AÜG) sorgt für Bewegung im Markt. Auch bei FERCHAU, das als Deutschlands Marktführer für Engineering und IT den Anspruch erhebt, hinsicht­lich der Bedürfnisse seiner Kunden und Mitarbeiter bestmöglich aufgestellt zu sein. Als Konsequenz daraus schließt sich FERCHAU als Teil der ABLE GROUP zum 1. Januar 2018 dem Bundesar­beit­ge­ber­ver­band der Personal­dienst­leister (BAP) an. Die Hintergründe und Auswirkungen erläutert Geschäfts­führer Alexander Schulz.

02. August 2017

Herr Schulz, FERCHAU wird den seit über zehn Jahren bestehenden Haustarif­ver­trag mit der IG Metall zum Jahresende verlassen und zum 1. Januar 2018 dem Bundesar­beit­ge­ber­ver­band der Personal­dienst­leister (BAP) beitreten. Das beinhaltet unter anderem, dass die Mitarbeiter zukünftig auf der Grundlage des BAP-Tarifver­trags arbeiten.

Was sind die Gründe für diesen Schritt?

Alexander Schulz: Ausschlag­ge­bend dafür ist die Reform des Arbeitneh­mer­über­las­sungs­ge­setzes (AÜG) und die damit verbundene Anwendung des Equal-Pay-Grundsatzes. Um die gesetzli­chen Anforderungen für alle Beteiligten optimal umsetzen zu können, brauchen wir den BAP-Tarifver­trag mit seinem Branchen­zu­schlags­mo­dell. Das wird im Übrigen auch von der Kundenseite gewünscht. Unser bestehender Haustarif­ver­trag bildet die Anforderungen des neuen AÜGs nicht im erforder­li­chen Maße ab und ist mit diesem – sozusagen – nicht kompatibel.

Welche Konsequenzen hat der Tarifver­trags­wechsel auf die Entlohnung der Mitarbeiter?

Alexander Schulz: Der Tarifver­trags­wechsel wirkt sich für sie positiv aus. Unsere Bestands­kol­legen erhalten mindestens das gleiche Entgelt wie bisher. Darüber hinaus profitieren sie, wie auch alle neuen Mitarbeiter, weiterhin von unseren besonderen vertragli­chen Rahmenbe­din­gungen und Zusatzleis­tungen. Dazu zähle ich zum Beispiel Urlaubs- und Reisezei­ten­re­ge­lungen sowie Fortbildungs­mög­lich­keiten. Damit heben wir uns teilweise klar vom Wettbewerb ab. Außerdem haben unsere Mitarbeiter die Möglichkeit, von tariflichen Branchen­zu­schlägen oder dem gesetzli­chen Equal Pay zu profitieren.

Sie erwähnten bereits besondere vertragliche Rahmenbe­din­gungen und Zusatzleis­tungen: Der bisherige Haustarif­ver­trag beinhaltete entsprechende Regelungen, die für die besondere Mitarbei­ter­ori­en­tie­rung von FERCHAU stehen. Wie sieht es künftig damit aus?

Alexander Schulz: Hier kann man ganz klar sagen, dass wir für unsere Mitarbeiter das Beste aus beiden Welten zusammen­führen. So wird zum Beispiel die bisherige Urlaubsre­ge­lung beibehalten, obwohl im BAP-Tarifwerk weniger Urlaubstage festgeschrieben sind. Auch die Vergütung von Überstunden erfolgt weiterhin übertarif­lich. Im Grunde werden die besonderen Regelungen aus unserem bisherigen Haustarif­ver­trag weitgehend übernommen und, soweit nicht im BAP-Tarifver­trag vorhanden, in Form von Zusatzleis­tungen in diesen integriert. Die Mitarbeiter bekommen also die Benefits aus beiden Welten: der BAP-Welt mit ihren Branchen­zu­schlägen und unserer bisherigen Haustarif­ver­trags­welt mit ihren teils zusätzli­chen Leistungen.

Das klingt ganz danach, als ob FERCHAU seinen Wertekanon in die neue Welt transferieren wird …

Alexander Schulz: Genau das ist unser Anspruch. Wir legen größten Wert darauf, unserer vielfach bestätigten Positionie­rung als guter und fairer Arbeitgeber auch mit dem neuen Tarifver­trag gerecht zu werden. Mitarbei­ter­ori­en­tie­rung und Mitarbei­ter­zu­frie­den­heit bleiben zentrale Grundlagen unserer Unterneh­mens­kultur.

Abschlie­ßend gefragt: Wie bewerten Sie die tarifliche Neuorien­tie­rung von FERCHAU für die Mitarbeiter aber auch für die Kunden des Unterneh­mens?

Alexander Schulz: Die neue Tarifver­trags­land­schaft ist für unsere Mitarbeiter mindestens genauso attraktiv wie die bisherige – mit der Tendenz einer potentiellen Verbesse­rung, da die Möglichkeit besteht, dass Mitarbeiter aufgrund der tariflichen Branchen­zu­schläge oder dem gesetzli­chen Equal Pay über die Projektlauf­zeit besserge­stellt sind. Zudem nehmen wir die vielfältigen und prägenden Regelungen aus dem bisherigen Haustarif­ver­trag, die uns und unserer Kultur wichtig sind, mit in die neue Welt.

Und für die Kunden?

Alexander Schulz: Für sie bleibt FERCHAU mit dem neuen Tarifver­trags­werk ein verlässli­cher Partner, der sowohl ihren Bedürfnissen als auch den Anforderungen der AÜG-Reform gerecht wird und dabei ein Höchstmaß an Rechtssi­cher­heit bietet. Das gilt sowohl für die Abwicklung des gesetzli­chen Equal Pays nach neun Monaten (EP9) als auch für das tarifliche Equal Pay nach 15 Monaten (EP15). Beide Modelle werden von uns in Vollausprä­gung angeboten.