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Ulfs* WeltKolumne

Hoch­ka­rä­tiges Heavy Metal

Lesezeit ca.: 3 Minuten
Ulf Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

freier Journalist

Die Schweizer wissen nicht mehr, wohin mit ihren Goldreserven. Jetzt basteln sie daraus Computer für Scheichs.

22. September 2017

Seit mehr als 50 Jahren gibt es die Goldene Kamera, die „Bambi“-Konkurrenz von der Programm­zeit­schrift „hörzu“. Die Trophäe für Fernsehstars wiegt stattliche 900 Gramm, ist aber materiell von bescheide­nerem Wert, als man denken würde. So handelt es sich in Wahrheit um eine silberne Kamera mit – immerhin 18-karätiger – Goldauflage. Könnte ein Einbrecher sie in der Gold-und-Silber-Scheidean­stalt einschmelzen lassen, bekäme er vielleicht 500 Euro für die Edelmetalle.

Vor 20 Jahren kupferten die Verlagskol­legen von „Computer Bild“ den hörzu-Preis ab und erfanden den „Goldenen Computer“. Wurden damit ursprüng­lich nur die potenziellen Anzeigen­kunden aus dem Kreis der IT-Hersteller für herausra­gende Innovationen belobigt, steht die Trophäe mittlerweile sogar bei Unternehmen wie Kärcher – ja, die mit den Hochdruck­rei­ni­gern – in der Vitrine. Sie ist leider auch nicht sehr imposant. Kein russischer Oligarch, kein Bling-Bling-Rapper aus der Bronx, nicht einmal die Familie Trump wäre stolz auf so ein Ding. Es ist ja nicht einmal mit 333er-Blattgold überzogen.

Glänzende Marktlücke

Im Axel-Springer-Verlag müssen sie jetzt Acht geben, dass sich künftige Preisträger keine Illusionen machen. Denn es gibt neuerdings tatsächlich Computer, deren Gehäuse aus massivem Gold geschmiedet ist. Sie kommen aus Sankt Gallen, vom Jungunter­nehmer Josip Sunič. Dessen Manufaktur Prime Computer AG bot ihre leisen, lüfterlosen Rechnerli anfangs nur im Aluminium­ge­häuse an – und drang bereits damit in Preisregionen vor, in die sich bis dahin nur Apple vorgewagt hatte. Einem in Dubai ansässigen Vertriebs­mann gelang es, arabischen Emiren den „Prime mini“ – dekoriert mit Schweizer­kreuz – als Statussymbol zu verkaufen. Es kam, wie es kommen musste: Ein Interessent ließ fragen, ob er sich wirklich mit diesem ordinären Alu begnügen müsse; eine Persönlich­keit seines Ranges bevorzuge eigentlich Gold.

Diamantener Netzschalter

Die Schweizer wären keine Schweizer, wenn ihnen derlei Begehr nicht Befehl wäre. An Edelmetallen und fähigen Goldschmieden mangelt es nicht im Lande. Die Sankt Gallener wiederum sind so berühmt für ihren Geschäfts­sinn, dass halb Europa ihnen die Ausbildung seiner talentier­testen BWL-Studenten anvertraut. Dass sich Ölscheichs und Öl-Emire nicht mit Kleingeld abgeben, lernen sie wahrschein­lich schon in der Primarschule. Prime kalkulierte also nicht lange herum, sondern rief beherzt einen runden Preis auf: eine Million Dollar. Auf Wunsch, sicherlich gegen angemessenen Aufpreis, gibt‘s den in limitierter Auflage produzierten Prunk-PC sogar mit diamantbe­setztem Einschalt­knopf.

Geheimes Schweizer­messer

Um den Wert des goldigen Vorzeige­pro­dukts zu erahnen, muss man es in die Hand nehmen. Es als bleischwer zu bezeichnen, wäre untertrieben. Pures Gold ist viel schwerer als Blei und das 18-karätige Gelbgold des Prime mini fünfeinhalbmal so schwer wie Alu. Da das leichtme­tal­li­sche Basismodell, alle Innereien inklusive, ein knappes Kilo auf die Waage bringt, müssten im „Prime Gold“ fast zehn Pfund des Edelmetalls stecken. Angeblich sind es aber knapp 14 Pfund. Wahrschein­lich hat das Gerät ein geheimes Einschub­fach, in dem ein güldenes XXL-Schweizer­messer versteckt ist.

Um ein Schnäppchen oder gar um eine kluge Geldanlage handelt es sich allerdings nicht gerade: Wenn es auch profane Barren sein dürfen, bekommt man für sein Milliönchen die vierfache Menge Gold, und vom Rest könnte man Familie und Hauspersonal noch mit drei Dutzend Schweizer Alu-PCs in Top-Ausstattung ausstaffieren. Allerdings würde sich ein angeberi­scher Geizkragen wohl eher sein Macbook verblatt­golden lassen wie die hörzu ihre Kamera. Ein echter Snob hingegen zeigt, dass er sich wahre Verschwen­dung leisten kann. Daher ist Josip Suničs Geschäfts­idee, billiges leichtes Material durch überteuertes Heavy Metal zu ersetzen, bestimmt noch ausbaufähig. Selbst im Dubaier Dutyfree findet man bis heute keine massivgol­dene Kamera, keinen goldenen Hochdruck­rei­niger, ja noch nicht einmal goldene Coladosen.