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TrendEingebautes Vertrauen

Wie sicher ist die Block­chain?

Lesezeit ca.: 4 Minuten
Uwe Küll

Uwe Küll

freier Journalist

Anleger weltweit vertrauen auf die Sicherheit der Blockchain. Mit dieser Technologie sichern Kryptowäh­rungen wie Bitcoin oder Ethereum Vermögen in dreistel­liger Milliarden­höhe. Doch wiederholte Sicherheits­vor­fälle werfen Fragen auf.

08. Februar 2018

Blockchain ist Technologie mit eingebautem Vertrauen. Das belegt die Wertentwick­lung der Kryptowäh­rungen Bitcoin (BTC) und Ether, die auf der Blockchain basieren. Aktuell (Stand Mitte Dezember 2017) ist ein BTC mehr als 15.000 Euro wert. Die Marktkapi­ta­li­sie­rung der wichtigsten Kryptowäh­rung der Welt beläuft sich auf weit über 100 Milliarden US-Dollar. Kein Wunder also, dass Unternehmen aller Branchen im Zuge der Digitali­sie­rung darüber nachdenken, ihre Transaktionen und Prozesse mit Blockchain-Technologie abzusichern.

Die Marktfor­scher der International Data Corporation (IDC) gehen davon aus, dass bis 2021 mindestens 25 Prozent der Global-2000-Unternehmen Blockchain-Dienste einsetzen werden, um das Vertrauen in digitale Abläufe zu stützen.

Effizienz und Sicherheit kombinieren

Joachim Hackmann, Principal Consultant – Digital & IoT beim IT-Marktfor­schungs- und Beratungs­un­ter­nehmen PAC (CXP Group) erklärt den Blockchain-Hype:

Blockchain hat mit Bitcoin und anderen Kryptowäh­rungen bewiesen, dass es möglich ist, digitale Transaktionen ohne vermittelnde Institutionen wie Banken, Makler oder andere Intermediäre effizient und sicher abzuwickeln. Auf Basis von Blockchain können Unternehmen heute digitale Geschäfts­mo­delle realisieren, die bislang nicht rentabel umzusetzen waren.

Das eröffnet Marktchancen für Micropay­ment-Anwendungen, etwa wenn Autos automatisch bezahlte Informationen über freie Parkplätze in der Stadt oder über den Straßenzu­stand auf Landstraßen bei widrigen Wetterver­hält­nissen austauschen.

Allerdings machen immer wieder Sicherheits­vor­fälle im Blockchain-Umfeld Schlagzeilen. So wurden Anfang November 2017 rund 500.000 Ether im Wert von rund 150 Millionen Dollar unbrauchbar gemacht. Solche Ereignisse verunsichern nicht nur so manchen Anleger, sondern auch Entscheider von Unternehmen, die Blockchain-Technologie nutzen wollen, um ihre digitalen Prozesse sicher zu gestalten.

Bei der Bewertung der Blockchain-Sicherheit rät Hackmann jedoch vor allem zu Gelassen­heit und einer sachlichen Herangehens­weise. Er sagt: „Mir ist bislang kein Fall bekannt, indem die Blockchain selbst gehackt worden wäre.“ Das Problem sei vielmehr die fehlerhafte Programmie­rung von Anwendungen, die an die Blockchain andocken. „Wenn die Bedingungen für das Zustande­kommen einer Transaktion in einem so genannten Smart Contract falsch definiert werden, kann die Blockchain diese Lücke nicht schließen. Sichere Anwendungen müssen immer sauber programmiert werden, nicht nur im Blockchain-Umfeld“, erklärt Hackmann.

Allerdings können Sicherheits­lü­cken in Blockchain-Anwendungen aufgrund des hohen Automati­sie­rungs­grades große Schäden hervorrufen, bevor sie entdeckt werden. In öffentli­chen Blockchains, bei denen die Beteiligten nicht bekannt sind und daher auch im Nachhinein nicht zur Verantwor­tung gezogen werden können, ist es deshalb umso wichtiger, die Sicherheit der Lösung detailliert zu testen. Das gilt vor allem, wenn Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen möglich sind, wie beispiels­weise beim Herkunfts­nach­weis für Lebensmittel oder Medikamente. Oder auch bei der Echtheits­zer­ti­fi­zie­rung von sicherheits­re­le­vanten Bauteilen für Autos, Flugzeuge oder Gebäude.

Private Blockchain: beherrsch­bare Umgebung

Vor diesem Hintergrund ist es nur folgerichtig, dass die meisten B-to-B-Projekte auf privaten Blockchains aufsetzen. Bei einer privaten Blockchain sind die Beteiligten bekannt und die Betreiber haben die Möglichkeit zur Kontrolle der eingesetzten Ressourcen und der Transaktionen. Die dafür nötigen Technolo­gie­platt­formen entwickeln unter anderem Konsortien wie Hyperledger mit Hyperledger Fabric oder R3 mit Corda. Aber auch Ethereum kann für private Blockchains genutzt werden.

„Richtig eingesetzt hat Blockchain-Technologie das Potenzial, neue digitale Geschäfts­ab­läufe effizient abzusichern“, betont Joachim Hackmann. Als Beispiel nennt er Fizzy, eine Anwendung des Versiche­rungs­kon­zerns AXA, mit der sich Fluggäste vor Schäden durch Flugverspä­tungen von zwei und mehr Stunden schützen können. Dabei sorgt eine Blockchain auf Basis von Ethereum für den automati­sierten Ablauf vom Abschluss bis hin zur Auszahlung der Versiche­rungs­summe im Schadens­fall. Zwar gilt das Angebot in der derzeitigen Beta-Phase nur für Flüge zwischen Paris Charles de Gaulle und Flughäfen in den USA, aber für 2018 ist bereits ein weltweites Angebot angekündigt.

Lizenzen für 3D-Drucke sichern

In der Fertigungs­branche entfaltet die Blockchain ihr Potenzial beispiels­weise im 3D-Druck. Das Projekt SAMPL (Secure Additive Manufactu­ring Platform) hat die Zielsetzung, eine durchgän­gige Sicherheits­lö­sung für additive Fertigungs­ver­fahren zu entwickeln. Dabei soll der gesamte Prozess vom Entstehen der digitalen 3D-Druckdaten bis zur Identifi­ka­tion der fertigen Bauteile mit RFID-Chips abgedeckt werden. Die Blockchain dient in diesem vom Bundesmi­nis­te­rium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekt als Schlüssel­tech­no­logie für das digitale Lizenzma­nage­ment.

So lässt sich beispiels­weise verhindern, dass ein Käufer von 3D-Druckdaten diese verändert oder mehr Exemplare druckt als bezahlt. „Dieses Beispiel ist auch deshalb typisch für die Anwendung von Blockchain-Technologie, weil es innovative Geschäfts­pro­zesse unterstützt“, erklärt Hackmann. Gerade dort, wo es noch kein Verfahren für sichere Transaktionen gibt, sieht der PAC-Experte das größte Potenzial für Blockchain-Lösungen.

Ausgabe 2018/01

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