Image: Naufrago: Die verlorene Kindheit wiedergewinnenFERCHAUFERCHAUMarjorie Chau nahm mit „Naufrago“ am ART OF ENGINEERING 2017/2018 teil
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Nauf­rago: Die verlo­rene Kind­heit wieder­ge­winnen

Lesezeit ca.: 2 Minuten
Philipp Erbe

Philipp Erbe

Editorial & Content Manager

Die drei Preisträger des interdis­zi­pli­nären FERCHAU-Kunstwett­be­werbs ART OF ENGINEERING stehen fest, der Sieger wird am 23. April auf der Hannover Messe bekannt gegeben. Wir stellen alle zwölf Finalisten vor, die ihre Einreichungen zum Thema „binär.bewegt“ präsentieren durften. So auch Marjorie Chau mit Naufrago.

14. März 2018

Naufrago ist spanisch und bedeutet „Schiffbrü­chi­ger“. Eine eher düstere Bezeichnung, die sich zunächst nur schwer mit dem positiv behafteten Bild der Schaukel vereinen lässt. Und doch ist die Schaukel das zentrale Element der Installa­tion Naufrago von Marjorie Chau. „Ich setze das Bild des Schiffbrü­chigen mit der Kindheit gleich, die uns Menschen im Verlauf des Lebens leider oftmals verloren geht“, so die chilenischen Künstlerin, die 1979 in Santiago de Chile geboren wurde und seit 2002 in Berlin lebt und arbeitet. „Mit Naufrago möchte ich die Betrachter an die Unbeschwert­heit früherer Tage erinnern und sie einladen, diese wieder aktiv zu erleben.“

Und aktiv ist im Falle dieses Kunstwerks wörtlich zu nehmen. „Ohne Menschen, die die Schaukel als solche auch tatsächlich nutzen, kann die Installa­tion nicht im vollen Umfang wahrgenommen und erlebt werden“, so Chau. Sensoren im Sitzbrett registrieren die Schaukel­be­we­gung und wandeln diese rechnerge­stützt in Ton- und Videosequenzen um. „Die so entstehende Melodie erinnert an die Klangwelt alter Kinderspiel­zeuge.“ Auf die als Raute und Sechseck geformten Segel werden ebendiese geometri­schen Formen in variierender Größe projiziert wodurch ein Effekt, ähnlich dem eines Kaleidoskops entsteht. „In diese magische und faszinie­rende Welt können wir aber eben nur dann eintauchen, wenn wir uns auf das Kind in uns zurückbe­sinnen und unbeschwert schaukeln“, so Chau.

Hommage an die chilenische Heimat

Steht die Schaukel hingegen still, ertönt sanftes Meeresrau­schen. „Dies ist, neben dem Titel der Installa­tion und den Segeln, eine weitere Hommage an meine Heimat. Wir Chilenen haben aufgrund der besonderen Lage unseres Landes mit den vielen tausend Kilometern Küste eine besonders enge Beziehung zum Meer. Diese wollte ich in der Installa­tion zum Ausdruck bringen.“ In eine ebenso enge Beziehung bringt Marjorie Chau mit Naufrago Kunst und Technik. „Diese Verbindung hat für mich ihren ganz besonderen Reiz. Hier kommen mit der eindeutigen, funktionalen Technik und der fragilen, frei interpre­tier­baren Kunst zwei scheinbar gegensätz­liche Welten zusammen. Mir als Künstler bieten sich damit viele neue Möglichkeiten, meine Ideen und Gedanken umzusetzen und den Betrachter auf eine spannende, interaktive Weise daran teilhaben zu lassen.“

Naufrago im Video