Image: Dragonfly –  Wie natürlich ist künstliche Intelligenz?FERCHAUFERCHAUAndreas Greiner stellte das Werk „Dragonfly“ beim ART OF ENGINEERING vor
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Dragonfly – Wie natür­lich ist künst­liche Intel­li­genz?

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Die drei Preisträger des interdis­zi­pli­nären FERCHAU-Kunstwett­be­werbs ART OF ENGINEERING stehen fest, der Sieger wird am 23. April auf der Hannover Messe bekannt gegeben. Wir stellen alle zwölf Finalisten vor, die ihre Einreichungen zum Thema „binär.bewegt“ präsentieren durften. Andreas Greiner und Jan Philipp Balthasar Müller hinterfragen mit Dragonfly die Grenzen der Natur.

05. April 2018

Wie gehen wir mit einer neuen technischen Intelligenz um, die vom Menschen, einem natürlichen Wesen, geschaffen wurde?  Wir bezeichnen sie als künstlich. Aber trifft es das wirklich? Schaffen wir nicht vielmehr eine neue, zweite Natur? Und wird diese neue Natur weitere Naturen nach sich ziehen? Mit ihrer Installa­tion Dragonfly wollen Andreas Greiner und Jan Philipp Balthasar Müller dazu anregen, genau über diese Fragen nachzudenken. „Meine erste Begegnung mit einer Drohne weckte in mir das Bedürfnis, über die Lebendig­keit von Technik nachzuden­ken“, so Andreas Greiner. „Wann sind die Prozesse, die mit zunehmender Autonomie in diesen Objekten ablaufen, tatsächlich noch künstlich, also von Menschen geschaffen? Und wann sind Prozesse, die sich mit undurchdring­barer Komplexität entfalten, beherrschbar? Die Frage, ob wir intelligente Systeme, die in ihrer Leistungs­fä­hig­keit immer weiter zunehmen, kontrollierbar bleiben, stellt sich dabei unabhängig davon, ob die Unterschiede zwischen künstlicher und natürlicher Intelligenzen überbrückbar werden. Und was geschieht, wenn der Zeitpunkt der Kontrollier­bar­keit in einer Gesellschaft überschritten wird, die sich mit technischen Intelligenzen untrennbar verwoben hat?“

Wie intelligent die Technik heute bereits ist und in welcher Form sich künstliches Denken entwickeln kann, zeigen Greiner und Müller mit Dragonfly. „Die Drohne bewegt sich in einem von uns vorgegebenen Raum weitestge­hend frei, einem Lebewesen ähnlich“, so Greiner. „Eine angebrachte Kamera filmt das Umfeld, die Bilder werden nahezu in Echtzeit mithilfe des Algorithmus Google DeepDream entfremdet und auf eine Leinwand übertragen.“ Der Algorithmus basiert auf dem Versuch von Entwicklern, ein neuronales Netz für Maschinen zu entwickeln, das die Interpre­ta­tion von visuellen Informationen erlernen kann, um Bildobjekte in Kategorien einzuorden. Eine Inversion des Algorithmus führt dabei zu künstlichen Halluzina­tionen, bei der die bekannten Objekte in Bilder hineinin­ter­pre­tiert werden wo sie nicht hingehören. Das System entwickelt also eine eigene Vorstellungs­kraft.

„Während die Menschen also Dragonfly studieren, können sie auf einer Leinwand nachverfolgen, wie das neuronale Netz der Drohne sie selbst betrachtet, bewertet und in eine von uns gewählte Kategorie einordnet.“ Ein erster Vorgeschmack auf das, was uns im Umgang mit der von uns erschaffenen künstlichen Intelligenz erwartet? Greiner mag darauf keine Antwort geben. „Uns ist es zunächst wichtiger, klarzuma­chen, dass wir eine Kultur erschaffen müssen, die ethisch vertretbare Werte entwickelt, wie wir zukünftig mit den Fähigkeiten intelligenter, sich immer weiter verselbstän­di­gender Algorithmen umgehen.“