Image: monoscape – Die faszinierende Langsamkeit der LogistikFERCHAUFERCHAUMit „monoscape“ schaffte es Viktor Brim ins Finale von ART OF ENGINEERING
TrendART OF ENGINEERING

mono­scape – Die faszi­nie­rende Lang­sam­keit der Logistik

Lesezeit ca.: 2 Minuten
Philipp Erbe

Philipp Erbe

Editorial & Content Manager

Die drei Preisträger des interdis­zi­pli­nären FERCHAU-Kunstwett­be­werbs ART OF ENGINEERING stehen fest, der Sieger wird am 23. April auf der Hannover Messe bekannt gegeben. Einer der drei Anwärter ist Viktor Brim, der die Jury mit monoscape überzeugen konnte. Ein Film, der mit der Logistik einen zentralen, meist jedoch unbeachteten Aspekt unserer Konsumwelt in den Mittelpunkt rückt.

17. April 2018

Noch nie war es leichter und unkompli­zierter, einzukaufen, als heute. Ein Klick im Browser genügt und meist schon am nächsten Tag wird die Bestellung nach Hause geliefert. Während der klassische Handel vor Ort abnimmt, boomt das Online-Geschäft – und mit ihm wachsen die logistischen Strukturen, die notwendig sind, um immer mehr Waren in immer kürzerer Zeit vom Produkti­onsort zum Verbraucher zu transpor­tieren. Strukturen, die global betrachtet ein eng verwobenes, genau aufeinander abgestimmtes Netzwerk ergeben, dessen Komplexität sich jedoch beim Blick ins Detail nicht zwangsläufig erfassen lässt. Und doch lenkt Viktor Brim mit monoscape die Wahrnehmung des Betrachters genau auf diesen fokussierten Blickwinkel. Ort des Geschehens: Der Container­hafen am Rhein in Köln-Niehl.

„Von außen betrachtet haben Umschlag­ter­mi­nals, logistische Knotenpunkte und Hubs sowie deren kilometer­weite Präsenz in der Landschaft etwas Mysteriöses, Mystisches und Unüberblick­ba­res“, so Brim. „Gleichzeitig war der Abstrakti­ons­grad zwischen dem Konsum und der eigentlich Produktion bisher noch nie so groß. Mit monoscape möchte ich die unbewussten Strukturen der komplexen, wachsenden logistischen Netzwerke in Erscheinung treten lassen.“

Die geschwin­dig­keits­arme Realität der Logistik

Und so zeigt der Film eben jene Strukturen und Abläufe ganz undramatisch. So, wie sie für uns erfassbar sind: Kräne, die sich behäbig, von komplexen Algorithmen gesteuert und für den Menschen oft ohne erkennbaren Zweck bewegen. Ansammlungen von unzähligen, gestapelten Seecontai­nern, riesige Fabrikhallen. Hektisches Treiben, Hochgeschwin­dig­keit? Fehlanzeige: Die meisten Szenen in Brims Film sind menschen­leer, arm an Bewegung, nah am Stillstand. monoscape ist ein unverzerrtes Abbild der Realität, die auf faszinie­rende Weise sehr weit von dem entfernt ist, was man sich hinsicht­lich der Logistik hinter „Same Day Delivery“ vor seinem geistigen Auge vorstellt.

Jurymitglied Dr. Sabine Runde, Oberkustodin und Kuratorin am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main:

Der 16-minütige Film inszeniert die moderne Logistik, die durch komplexe Algorithmen gesteuert und bestimmt wird. Der Zuschauer erhält durch die gewählten Bildausschnitte Einblicke in Sequenzen der Logistik­kette, die er in Echtzeit erlebt. So wird die Logistik als durchorga­ni­sierter und hochästhe­ti­scher Prozess erkennbar, ohne dass sich dem Betrachter der genaue Sinn der Abläufe erschließt. Das hohe logistische Tempo, das unsere moderne Warenwelt bestimmt, wird durch die reale Langsamkeit konterka­riert.