Image: Schaufeln tut schon lange niemand mehrFERCHAUFERCHAUDie Bagger von HANSA Maschinenbau sind deutschlandweit im Einsatz | yotrak
UnternehmenProzessorientierte Fertigung

Schau­feln tut schon lange niemand mehr

Lesezeit ca.: 5 Minuten
Alexander Freimark

Alexander Jake Freimark

freier Journalist

Die Abgasnorm Euro 6 ist nicht nur in Ballungs­räumen ein Thema, sondern auch auf Friedhöfen. Davon profitiert Deutschlands Marktführer für Friedhofs­bagger und Kommunal­fahr­zeuge, die Firma HANSA Maschinenbau. An der Erfolgsge­schichte hat auch die FERCHAU-Niederlas­sung Bremen ihren Anteil.

20. April 2018

Hinter einer neuen Montagehalle reihen sich orange Fahrerka­binen, daneben steht ein modernes Verwaltungs­ge­bäude. Im Inneren herrscht rege Betriebsam­keit, denn im niedersäch­si­schen Selsingen, einem kleinen Ort zwischen Bremen und Hamburg, produziert Deutschlands Marktführer für Friedhofs­bagger und Kommunal­fahr­zeuge. Seit 2013 hat sich die Firma HANSA Maschinenbau GmbH von einem einstigen Handwerks­be­trieb zum modernen, familien­geführten Industrie­un­ter­nehmen gewandelt. Patrick Palsmeyer trägt neben der Geschäfts­füh­rung Verantwor­tung für die Produktion am Standort Selsingen, während Norbert Palsmeyer für den Vertrieb zuständig ist. Eine Erfolgsge­schichte, die von der FERCHAU Niederlas­sung Bremen mit einer ganzen Reihe von Dienstleis­tungen begleitet wurde.

„Unsere Friedhofs­bagger laufen mittlerweile in allen deutschen Großstädten«, sagt HANSA-Geschäfts­führer Patrick Palsmeyer nicht ohne Stolz. »Schaufeln tut schon lange niemand mehr.“ Vertrieben werden die Produkte über die Unimog-Generalver­tre­tung der Daimler AG quasi als „Mini-Mehrzweck-Fahrzeuge“, so Palsmeyer. „Für diese besonderen Nischenpro­dukte sind wir Markt und Technolo­gie­führer, denn wir können als Einzige die Euro-6-Abgasnorm darstellen.“ Neben Friedhofs­bag­gern setzt das Unternehmen auf Schmalspur­fahr­zeuge im Kommunal­be­reich – ein wachsender Markt. „Der Vorteil der wendigen Alleskönner aus Selsingen ist ihr großer Funktions­um­fang durch die Anbaumög­lich­keiten: im Winter Schneepflug oder Frontkehr­ma­schine und Streugerät, im Sommer Mähsaugan­lage oder Kehrmaschine zur Straßenrei­ni­gung“, zählt der HANSA-Geschäfts­führer auf. „Und dank einer Breite von nur 1,25 Metern kommen unsere Fahrzeuge durch jede Gasse.“

Erfolg durch durchdachte Fertigungs­pro­zesse

Derzeit fertigen rund 115 Mitarbeiter etwa 70 Friedhofs­bagger und 160 Kommunal­fahr­zeuge pro Jahr. War das 1950 gegründete Unternehmen einst als Handwerks­be­trieb organisiert, wird nun prozessori­en­tiert gearbeitet. „Anfänglich waren die Leute schwer zu überzeugen. Wir haben das seit 30 Jahren so gemacht, war häufig zu hören“, erinnert sich Palsmeyer. Doch das Erfolgsre­zept des gebürtigen Ostwestfalen, denen man eine gewisse Beharrlich­keit nachsagt, ist einfach: „Bei so einer Umstruktu­rie­rung muss man die Leute mitnehmen und mit guten Argumenten überzeugen.“ Mittlerweile ziehen alle an einem Strang: „Die neue Endmonta­ge­halle haben wir im Team gemeinsam entwickelt und jeder konnte seine Ideen einbringen.“

In der Umbruchphase mit ihren zahlreichen zusätzli­chen Herausfor­de­rungen hat Patrick Palsmeyer die Bremer FERCHAU-Niederlas­sung an Bord geholt. „Gemeinsam mit unseren Ingenieuren und Technikern haben FERCHAU-Experten die zentrale Elektrik unserer Maschinen neu entwickelt, gezeichnet und für den Friedhofs­bagger umgesetzt – die helfen uns jetzt bei der Optimierung der Fahrzeuge.“ Vor einem Know-how-Verlust hat der HANSA-Chef keine Angst, denn die mittlerweile zweijährige Zusammen­ar­beit mit FERCHAU ist vor allem durch eines geprägt: gegensei­tiges Vertrauen. Auch für die Bremer FERCHAU-Niederlas­sung hat sich die Kooperation mit HANSA in den letzten Jahren vom Neukunden zum Erfolgsmo­dell entwickelt. „Wir arbeiten über die verschie­densten Vertrags­arten sehr eng zusammen: Arbeitneh­mer­über­las­sung, Dienstver­träge, Werkverträge, Personal­be­schaf­fung – das gesamte Dienstleis­tungs­port­fo­lio“, berichtet Meik Hämmerling, stellver­tre­tender Business Manager Industrial Engineering in der Niederlas­sung neben dem Europahafen.

Gute Zusammen­ar­beit als Markenzei­chen

Hämmerling und sein Team betreuen rund 160 Mittelstands­kunden. Synergien haben die Zusammen­ar­beit mit HANSA in die Wege geleitet, auch wenn der Kontakt anfangs eher unspekta­kulär verlief. „Patrick Palsmeyer benötigte 2016 zwei zusätzliche Konstruk­teure“, erinnert sich Hämmerling. Da war es praktisch, dass FERCHAU Bremen seit Jahren für einen Hersteller von Mobilkranen aus der Region arbeitet. „Dort führen wir komplette Entwicklungs­pro­jekte für den Kunden durch“, berichtet Hämmerling. „So kamen wir schnell drauf, dass wir mit unserer Expertise auch ganze HANSA-Projekte abwickeln könnten, denn bei Baggern und Mobilkranen gibt es zahlreiche Parallelen.“

In der Zusammen­ar­beit haben sich dann immer wieder neue Perspektiven eröffnet, vor allem angesichts der Umstellung vom Handwerks- zum Industrie­un­ter­nehmen mit Prozesssteue­rung. „Für die Projektar­beit haben wir für den Kunden ein individuell ausgearbei­tetes Portfolio erstellt, mit Ablaufplan, wöchentli­chen Projektre­ports und Darstellung des Restbudgets. Statt zum Festpreis arbeiten wir mit einer Entwicklungs­dienst­leis­tung“, so Hämmerling weiter. Vieles werde am kurzen Draht entschieden. „Auch Ideen zur Optimierung diskutieren und liefern wir – die gute Zusammen­ar­beit ist unser Markenzei­chen.“

Bei der Mitarbei­ter­aus­wahl setzt HANSA ebenfalls auf die Expertise in Bremen. „Im Mechaniker­be­reich suchen wir selbst. Geht es aber um Elektroin­ge­nieure, Konstruk­teure oder Mitarbeiter im mittleren technischen Führungs­seg­ment, greife ich bei der Kandidaten­suche gerne auf Meik Hämmerling zurück“, so Palsmeyer. Dabei profitiert der Maschinen­bauer vom hohen Bekanntheits­grad von FERCHAU, der dafür sorgt, dass auch technische Experten in Selsingen Unterstüt­zung leisten können. „Durch die Lage des Unterneh­mens am äußeren Rand der Metropol­re­gion Hamburg können viele den spannenden Arbeitgeber bei der Stellensuche schlicht übersehen“, ist Hämmerling sicher.

Mitarbeiter, die ins Unternehmen passen

Marcel Burwieck ist genau über diesen Weg zu HANSA gekommen. Der 25-jährige Maschinen­bau­tech­niker ist seit Anfang Oktober im Betrieb, zunächst für ein halbes Jahr: „Mein erster Einsatz für FERCHAU ist in der Arbeitsvor­be­rei­tung, wo wir uns darum kümmern, dass alle Bauteile den entsprechenden Fahrzeugen zugeordnet werden können. Danach ist geplant, in die Konstruk­tion zu wechseln – schließlich sollte man erst mal in dem Betrieb bleiben, in dem man eingearbeitet ist.“ Derzeit ist es für Burwieck genau das Richtige: „Der Job macht viel Spaß, ich werde gut eingearbeitet und bekomme alles erklärt.“

Und auch HANSA entwickelt sich weiter: „Seit der Übernahme wachsen wir um 15 Prozent jährlich mit 25 Prozent Exportan­teil in die Märkte Schweiz, Österreich, Benelux und Skandina­vien“, so Geschäfts­führer Palsmeyer. „Wir haben auch viele Anfragen aus Osteuropa, aber die können wir momentan gar nicht darstellen, weil wir die Kapazität erst nach und nach aufstocken.“ Entschei­dend sei für HANSA nicht die Menge, sondern die Qualität. „Wir wollen gesund wachsen und dabei auf Kundenwün­sche eingehen.“

In der neuen Endmonta­ge­halle bekommt man einen Eindruck davon, was Palsmeyer damit meint. In einzelnen Boxen stehen die kleinen Mehrzweck­fahr­zeuge in unterschied­li­chen Fertigungs­stufen. Dort werden sie von Grund auf zusammen­ge­setzt. An jeder Box prangt ein Schild: Bad Oldesloe, Lübeck, Nürnberg, Helsingborg. Schließlich wird jedes Fahrzeug individuell in Handarbeit und ganz nach Kundenwunsch ausgestattet. Und trotz der Industria­li­sie­rung in den vergangenen Jahren: Zumindest hier kehrt HANSA wieder zu seinen handwerk­li­chen Wurzeln zurück.

Ausgabe 2018/01

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