Image: Automatisierung aus einem GussFERCHAUFERCHAUEngineering, Einkauf, Inbetriebnahme und Service aus einer Hand | nevarpp
UnternehmenPilotprojekt

Auto­ma­ti­sie­rung aus einem Guss

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Alexander Freimark

Alexander Freimark

freier Journalist

FERCHAU kann Konstruk­tion. Aber Maschinen und Vorrichtungen? In einem Pilotpro­jekt kooperiert FERCHAU jetzt mit einem bayerischen Maschinen­bauer, um Kunden Engineering, Einkauf, Inbetrieb­nahme und Service aus einer Hand anzubieten. Davon profitieren alle Beteiligten.

03. Mai 2018

Der deutsche Maschinenbau arbeitet seit Jahren auf einem hohen Niveau: Über eine Million Beschäftigte in den Stammbeleg­schaften haben 2016 rund 215 Milliarden Euro umgesetzt. Allerdings erschweren politische Unwägbar­keiten in Europa sowie in wichtigen globalen Absatzmärkten die Lage, denn fehlendes Vertrauen bedeutet immer auch fehlende Aufträge. „Umso positiver zu werten ist daher die Fähigkeit des Maschinen- und Anlagenbaus, sich immer wieder auch auf Veränderungen einzustellen und Marktchancen zu ergreifen“, schreibt VDMA-Präsident Carl Martin Welcker in einer aktuellen Verbands­studie.

Ein strategi­scher Erfolgsfaktor sind technische Innovationen, ein anderer sind organisa­to­ri­sche Neuerungen. Beides verbindet FERCHAU nun in einem Pilotpro­jekt mit einem bayerischen Maschinen­bauer. Statt wie bislang reine Entwicklungs- und Konstruk­ti­ons­dienst­leis­tungen sowie Experten zur Verfügung zu stellen, können Unternehmen hierbei eine individuell entwickelte Maschine in Auftrag geben. Der Hintergrund für die Kooperation: Viele FERCHAU-Kunden wollen nicht nur die Entwicklungs­dienst­leis­tung einer Anlage oder Vorrichtung beziehen und diese dann selbst oder mit einem Partner realisieren.

Zunehmend gefragt sind komplette Projektpa­kete

Eine vollstän­dige Lösung von einem Anbieter geht schneller und reduziert den Abstimmungs­auf­wand für den Auftraggeber. Durch einen Ansprech­partner für den kompletten Produktle­bens­zy­klus sinkt die Zahl der Schnittstellen und das Risiko beim Sourcing. So viel war aber von vornherein klar: Im Alleingang geht das nicht. Auf der Suche nach einem Fertigungs­dienst­leister und Partner für den Maschinenbau wurde FERCHAU bei der Kabtec AG aus dem Raum Rosenheim fündig. „Wir haben bereits einige gemeinsame Projekte in der Arbeitneh­mer­über­las­sung gemacht, beliefern einen ähnlichen Kundenkreis und sind flexibel in unseren Kompetenz­fel­dern für Anlagen, Maschinen und Vorrichtungen in der Automati­sie­rung“, sagt Ulrich Baumgartner, Vorstand der Kabtec AG.

In einem ersten gemeinsamen Pilotpro­jekt ging es um eine Aufgaben­stel­lung in der Elektronik­pro­duk­tion, genauer: um die Funktions­prü­fung von Sensoren in Staubsau­g­ro­bo­tern. Schließlich sollen die Haushalts­helfer Treppenstufen sicher erkennen und rechtzeitig gegensteuern. Der gemeinsame Kunde beauftragte eine halbauto­ma­ti­sierte Tischvor­rich­tung, um die Funktionen des Sensors zu überprüfen. „FERCHAU hat die Konstruk­tion in enger Abstimmung mit uns fertigungs­ge­recht entwickelt und wir haben den Prototyp gebaut“, erinnert sich Baumgartner. Der Bediener legt den Sensor und schwenkt die Vorrichtung, dann wird die Schaltung elektronisch geprüft. Mit einem zweiten Schwenk wird der Sensor entfernt und ein neuer geladen.

Kooperation mit enormem Potential

Bereits in der Pilotphase ist erkennbar, dass die Zusammen­ar­beit beiden Unternehmen viele Vorteile bringt. „Inzwischen haben wir schon sechs Angebote bei verschie­denen Kunden abgegeben“, berichtet der Kabtec-Chef. Organisa­to­risch spielen die Partner über Bande: Der FERCHAU-Vertrieb spricht mit dem potentiellen Kunden über eine individu­elle Lösung und gibt Kabtec ein Angebot für Konstruk­tion und Dokumenta­tion dieser Maschine ab, erläutert Baumgartner: „Wir integrieren dieses Angebot in unsere Kalkulation und bieten wiederum dem Kunden den Bau des Prototyps und der Anlage zum Festpreis an.“ Dass Kabtec gegenüber dem Kunden als Generalun­ter­nehmer auftritt, hat Gründe: „Bei Fragen der Haftung und der Gewährleis­tung haben wir als Hersteller den Hut auf“, so Baumgartner. Zudem verfügt der Maschinen­bauer über die personelle Infrastruktur mit Montageteams und Servicetech­ni­kern. „Wenn die Kunden ein Problem haben, wollen sie nicht mit verschie­denen Ansprech­part­nern reden, sondern eine reibungs­lose Lösung.“

Kabtec kann das große FERCHAU-Vertriebs­netz­werk nutzen und kommt so an Kunden, die sie selbst nicht adressieren oder deren Aufträge sie aufgrund der begrenzten Konstruk­ti­ons­ka­pa­zität nicht umsetzen können. „Wenn man gleichzeitig als Geschäfts­führer und im Vertrieb arbeitet, ist man immer auf ein stabiles Netzwerk und mehrere Standbeine angewiesen.“ FERCHAU wiederum bringt sein technisches Fachwissen in einen größeren Markt ein und der Kunde bekommt Konstruk­tion, Maschinenbau und Service aus einer Hand. „Entschei­dend ist, dass man umdenkt und eingelau­fene Pfade verlässt, um neue Lösungen zu finden“, sagt Kabtec-Chef Baumgartner. Und wenn es eine neue Dreiecks­be­zie­hung ist.

Ausgabe 2018/01

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