Image: Produktpiraten kapern MarkenauftritteFERCHAUFERCHAUProduktpiraterie verursacht jährlich einen Millionenschaden | ©faithiecannoise
TrendKnow-how-Diebstahl im Maschinenbau

Produkt­pi­raten kapern Marken­auf­tritte

Lesezeit ca.: 4 Minuten
Monique Opetz

Monique Opetz

Freie Journalistin

Produktpi­ra­terie und Know-how-Diebstahl setzen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus weiterhin stark zu. Die jährliche Schadens­summe liegt laut VDMA bei 7,3 Milliarden Euro. Was sind die Ursachen und wie können erfolgreiche Schutzstra­te­gien aussehen?

13. September 2018

„China-Plagiate: Schweizer Maschinen­bauer Meyer Burger legt sich mit Wuxi Shangji Automation an“ titelt Anfang des Jahres das „Industrie­ma­ga­zin“. Der Hintergrund ist ein patentiertes Drahtwickel­system, das Chinesen kopiert haben sollen. Konkret geht es um eine Drahtsäge, die Patentrechte für ein System von Drahtschnei­de­an­lagen verletzt habe. Die Meyer Burger Technology AG reichte eine Patentver­let­zungs­klage ein. „Wir werden unsere patentge­schützten Technolo­gien mit aller Kraft verteidigen und unsere Patentrechte mit Nachdruck durchset­zen“, sagte Hans Brändle, CEO des Schweizer Maschinen­bauers. 
Solch eine Entschlos­sen­heit im Kampf gegen Produktpi­ra­terie ist keineswegs selbstver­ständ­lich; wobei Patente bereits eine wichtige Grundvor­aus­set­zung dafür sind. Denn laut der Studie „Produktpi­ra­terie 2018“  des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ergreift mehr als ein Drittel der betroffenen Unternehmen keinerlei Maßnahmen gegen Fälscher. Dies trifft hauptsäch­lich auf kleine und mittlere Unternehmen zu, für die eine Klage oftmals unwirtschaft­lich ist. Zudem zeigt die Praxis, dass Imitate trotz rechtskräf­tiger Urteile häufig mit nur minimalen Änderungen weiterver­kauft und auf Messen präsentiert werden. Das motiviert kaum, sich auf einen langwierigen Rechtsstreit einzulassen.

Unterneh­mens­schaden unverändert hoch

71 Prozent der deutschen Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau sind von Produkt- und Markenpi­ra­terie betroffen. Zu diesem Ergebnis kam das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC) nach der Befragung von 136 Mitglieds­firmen des VDMA. Der geschätzte Schaden: 7,3 Milliarden Euro jährlich. Umgerechnet in Arbeitsplätze entspricht dieser Umsatzver­lust rund 33.000 Stellen. Verglichen mit der Erhebung 2016 änderte sich der absolute Unterneh­mens­schaden somit nicht. 

Am häufigsten werden einzelne Komponenten nachgebaut, wie etwa Motoren, Radlager oder Halbleiter für industri­elle Großanlagen. Auf Platz zwei landen Designimi­tate; aber auch komplette Maschinen, Ersatzteile oder „weiche“ Plagiate, wie Kataloge, Broschüren oder Produktfotos werden kopiert. Im Vergleich zu vergangenen Jahren änderte sich der Fokus von rein technischen Nachbauten hin zu Fälschungen kompletter Markenauf­tritte wie, um vom Image einer Marke zu profitieren. Prominentes Beispiel hierfür sind gefälschte Apple Stores – inklusive gefakter Apple-Produkte.

Produktpi­ra­terie als Sicherheits­ri­siko

Alarmierend ist zudem das Sicherheits­ri­siko von Plagiaten: Betroffene Firmen betonen, die von ihnen entdeckten Fälschungen seien riskant für Bediener, Anwender oder die Umwelt und brächten den reibungs­losen Betrieb von Anlagen in Gefahr. China bleibt dabei unangefochten auf Platz eins bei der Herstellung von Fälschungen, die weltweit vertrieben werden – neuerdings auch verstärkt im Internet. Auf B2B-Plattformen wie ec21, Alibaba oder ezplaza entdeckten bereits 40 Prozent der betroffenen Firmen Imitate ihrer eigenen Produkte. Zu den Top-5 der Plagiatoren zählt die Studie Wettbewerber, Underground Factories, Kunden und Zulieferer sowie professio­nelle Großplagia­teure. 

Was tun gegen Know-how-Diebstahl?

Der Vorsitzende des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpi­ra­terie e. V.  (APM) Volker Bartels empfiehlt: „Eine erfolgreiche Schutzstra­tegie beginnt mit der Sicherung der eigenen Rechte. Die Registrie­rung der Marken, Designs und Patente sollte im eigenen Land und auf allen relevanten Märkten – also gegebenen­falls auch im Ausland – erfolgen. Erst dann kann ein Antrag auf Grenzbeschlag­nahme gestellt und so der Zoll dazu gebracht werden, Fälschungen der eigenen Produkte bei der Einfuhr aufzuhalten.“ Darüber hinaus sollte der Markt genau beobachtet werden. Gegen rechtsver­let­zende Angebote im Internet könne man beispiels­weise im Notice- and-Takedown-Verfahren vorgehen. Das heißt: Urheberrechts­ver­let­zungen, die Plattform­be­trei­bern oder Internet­pro­vi­dern gemeldet werden, müssen von diesen gelöscht werden. Zudem sei der Einsatz offener oder verdeckter Produktschutz­tech­no­lo­gien sinnvoll, um Fälschungen leichter erkennbar zu machen. RFID-Labels, spezielle Microfarb­codes oder Hologramme sind hier die Mittel der Wahl. Und weiter rät Bartels: „Wichtig ist natürlich auch, das eigene Know-how zu schützen. Risikobe­reiche sind dabei Joint-Ventures, Zusammen­ar­beit bei Forschung und Entwicklung und allgemein Outsourcing. Geschäfts­partner sollten gut ausgewählt und die eigenen Mitarbeiter im Hinblick auf das Risiko des Know-how-Abflusses sensibili­siert werden.“  

Dass Unternehmen durchaus auch innovative Strategien im Kampf gegen billige Kopien entwickeln, zeigt etwa die OriginCheck App des Automobil- und Industrie­zu­lie­fe­rers Schaeffler. Seit 2017 können Käufer damit den Data-Matrix-Code der Produkte scannen und auf Echtheit prüfen. Im vergangenen Jahr beleuchtete das hauseigene Brand Protection Team über 700 Verdachts­fälle, die unter anderem über die App gemeldet wurden. Laut Schaeffler konnten so Waren im Händlerein­kaufs­wert von fünf Millionen Euro sicherge­stellt werden.