Image: Vive la technique!FERCHAUFERCHAUMarc Brunstein, Country Manager von FERCHAU Engineering France
UnternehmenFERCHAU France

Vive la tech­nique!

Lesezeit ca.: 3 Minuten
Alexander Freimark

Alexander Jake Freimark

freier Journalist

Frankreich ist ein zentraler Auslands­markt für FERCHAU. Neben dem Flugzeug­bauer Airbus unterstützen wir hier auch Konzerne aus der Automotive-Branche, davon mehrere, die ihren Hauptsitz in Deutschland haben. Marc Brunstein, Country Manager France, erläutert im Interview die Schwerpunkte der einzelnen FERCHAU-Niederlas­sungen, die gesuchten Skills und die besondere Wettbewerbs­si­tua­tion.

11. Oktober 2018

Herr Brunstein, welche Faktoren prägen das Geschäft von FERCHAU in Frankreich?

Marc Brunstein: Der Engineering-Markt in Frankreich wird von zwei Trends gekennzeichnet: Auf der einen Seite ist der Aviation-Bereich, der seit Jahren stagniert. Hintergrund ist die Tatsache, dass Airbus die Entwicklung neuer Flugzeuge vorerst gestoppt hat. Auf der anderen Seite haben wir die Automotive-Branche, die deutlich zulegt. Allerdings gibt es auch viele große Wettbewerber, die ihr Hauptquar­tier in Frankreich haben. Allein sechs Konzerne aus IT und Engineering haben mehr als 10.000 Mitarbeiter in Frankreich, weitere zehn Firmen haben mehr als 5.000 Mitarbeiter. Daher ist der Wettbewerb für uns sehr intensiv.

Welche bekannten Kunden unterstützen Sie mit Ihren Kompetenzen?

Brunstein: Airbus ist unser größter Einzelkunde, Schwerpunkt ist natürlich Toulouse. Wir haben in der Stadt aber auch starke Automotive-Kompetenzen. So arbeiten etwa 40 unserer Mitarbeiter in Paris für Continental, Bosch, Peugeot Japy und Bombardier, hinzu kommen Aktivitäten für die Ariane Group. Unter dem Strich sind wir über 100 technische Experten in Frankreich, das Ziel für das Jahresende liegt bei rund 130. Die eine Hälfte entfällt auf den Bereich Aviation, die andere Hälfte bedient den Automotive-Sektor sowie Schienen­fahr­zeuge.

Wie verteilen sich die Mitarbeiter auf Ihre Standorte, und womit können Bewerber bei Ihnen punkten?

Brunstein: Unser wichtigstes Office in Frankreich mit 70 Mitarbei­tern in Technik und Verwaltung ist Toulouse, gefolgt von Paris. Ein anderer Teil unseres Teams unterstützt Airbus Helicopters in Marignane bei Marseille, hier kommen wir auf rund 30 Experten. Etwas kleiner ist das Büro am Forschungs­standort Sophia Antipolis nahe Nizza, das wir im Herbst 2018 eröffnet haben. In erster Linie suchen wir Mitarbeiter mit Erfahrungen in den Bereichen Embedded Software, Motorsteue­rung und Systeme. Die Nachfrage nach digitalen Lösungen entwickelt sich sehr dynamisch, Projekte haben wir an allen Standorten in Frankreich. Unsere Ingenieure arbeiten etwa an intelligenten Autos in den Bereichen Software und Elektronik.

Stichwort Digitali­sie­rung: Wie verändert sich dadurch Ihr Geschäft?

Brunstein: Wir konzentrieren uns weiter auf Engineering-Support, Konstruk­tion und klassisches Engineering. Aber wir erwarten vorerst kein strategi­sches Wachstum. Die zentralen Zukunfts­felder sind Automotive, Fahrzeugbau, IoT und Industrie 4.0. Hierzu müssen wir unsere Aktivitäten in IT und Elektronik ausbauen, das deckt sich auch mit der Strategie der FERCHAU Engineering. Hinzu kommen spezifische Angebote etwa im Bereich Betriebs­si­cher­heit, die schon heute mit Partnern umgesetzt werden. Entschei­dend ist, unsere starken Referenzen auch aus Deutschland zu nutzen. Schon heute fliegen Helikopter und fahren Autos mit FERCHAU-Code, daher fragen Kunden die Kompetenzen immer häufiger nach.

Wie unterscheiden sich die französi­sche und die deutsche Mentalität, worauf müssen Deutsche im Geschäft mit Franzosen besonders achten?

Brunstein: Um erfolgreich in Frankreich zu sein, muss man flexibel sein und auf Genauigkeit achten. In Deutschland gibt es wichtige Engineering-Regeln, die in der Regel befolgt werden. In Frankreich genießen Ingenieure eine hohe Wertschät­zung, das höchste Gut ist die Technizität: Manchmal erschaffen wir komplizierte Lösungen, einfach weil sie technisch schön sind. Und es ist angebracht, in geschäft­li­chen Beziehungen zu französi­schen Unternehmen Arroganz zu vermeiden. Gleichzeitig müssen sie es aber schaffen, die deutschen Tugenden Qualität, Machbarkeit und Effizienz einzubringen. Darauf können wir bei FERCHAU stolz sein und aufbauen.

Herr Brunstein, vielen Dank für das Gespräch.