Image: NarrowBand IoT - Innovation für das Netz der DingeFERCHAUFERCHAUNarrowBand IoT - Innovation für das Internet der Dinge | metamorworks
TrendHightech-Logistik

Narrow­Band IoT - Inno­va­tion für das Netz der Dinge

Lesezeit ca.: 4 Minuten
Hans-Jörg Munke

Hans-Jörg Munke

freier Journalist

Marktfor­scher schätzen, dass 2020 mehr als 25 Milliarden Objekte jeder Art über das Internet der Dinge (Internet of Things, kurz IoT) vernetzt sein werden. Sensoren sorgen für mehr Transparenz in der Logistik oder für mehr Intelligenz in Smart Cities. Doch damit wird auch der mobile Datenver­kehr 150-mal umfangrei­cher sein als noch 2010. Für eine solche Entwicklung braucht es neue Technolo­gien.

12. Oktober 2018

Objekte, die in der Lage sind, Daten zu erfassen und auszutau­schen, kommen in immer mehr Branchen und Prozessen zum Einsatz. Die Netz-Technologie dahinter, die sogenannte NarrowBand IoT, ermöglicht Anwendungen mit hoher Reichweite und geringem Stromver­brauch (LPWA - Low Power Wide Area), denn IoT-Geräte tauschen nur selten Daten mit Backend-Systemen aus und befinden sich häufig an schwer zugängli­chen Orten. Die bestehenden Mobilfunk­netze sind für solche Anforderungen bislang nicht ausgelegt.

NarrowBand IoT auf dem Weg in die Fläche

Das 3rd Generation Partnership Project (3GPP), eine weltweite Organisa­tion, in der auch die Deutsche Telekom mitwirkt, treibt die Standardi­sie­rung neuer Mobilfunk­tech­no­lo­gien voran, um genau diese Anforderungen abzudecken. NarrowBand IoT ist einer dieser 3GPP-definierten Standards, der es ermöglicht, das IoT im großen Stil wirtschaft­lich umzusetzen. Nach Angaben der Deutschen Telekom soll die Technologie bis Ende 2018 in Deutschland nahezu flächende­ckend verfügbar sein. Die neue Technik wird vieles verändern. Beispiele dafür lassen sich in zahlreichen Bereichen finden.

Low Cost Tracker für innovative Logistik

Eine wegweisende Entwicklung etwa ist der neue Low Cost Tracker, den das Fraunhofer-Institut für Material­fluss und Logistik IML und die Deutsche Telekom entwickelt haben. Dank einer Akkulauf­zeit von bis zu zwei Jahren ermöglicht der Tracker eine langfris­tige Lokalisie­rung und Überwachung von Gütern und ist im Vergleich zu Technolo­gien auf GPS-Basis deutlich energiespa­render und kostengüns­tiger. „Der Low Cost Tracker hat das Potenzial zum Game Changer im Internet der Dinge, dank geringster Kosten, weltweitem 3GPP-Standard und unglaublich langer Batteriel­auf­zei­ten“, sagt Michael ten Hompel, geschäfts­füh­render Instituts­leiter des Fraunhofer IML.

Das robuste, wasserdichte Gerät ermöglicht beispiels­weise das Auffinden von Paletten, Transport­boxen oder Rollbehäl­tern. Zudem lassen sich durch die eingebaute Sensorik Bewegungs­daten und Temperatur messen – etwa zur Überwachung, ob ein Transport vorschrifts­mäßig verläuft. Die Lokalisie­rung sorgt für Diebstahl­schutz und ein eingebauter Magnetfeld­sensor alarmiert per Signal, sobald der Tracker von seinem Objekt entfernt wird.

„Intelligent vernetzte Paletten und Ladungsträger bringen mehr Transparenz in die Lieferkette, der Gütertrans­port über Wasser, Schiene und Straße kann gezielter gesteuert werden und Dieben wird es künftig sehr schwer gemacht“, hebt Anette Bronder, Chefin des Digital- und Sicherheits­ge­schäfts der Deutschen Telekom in einer Pressemel­dung des IML hervor.

Anwendungen, die den Alltag erleichtern

Zu den flächende­ckenden Anwendungen wird zukünftig auch das sogenannte Smart Metering zählen. Das Fernauslesen von Zählern für Heizung, Gas, Wasser und Strom in Wohngebäuden ist sowohl für Hausverwal­tungen als auch für private Haushalte von Vorteil. Dank der guten Reichweite von NB-IoT im Gebäudein­neren lassen sich Verbindungen zu den Zählern direkt herstellen und so eine einfache Fernable­sung in Wohn- und Gewerbeim­mo­bi­lien realisieren.

Auch der Verkehr in Innenstädten könnte sich dank NarrowBand IoT bald reduzieren, denn Schätzungen zufolge werden bis zu 30 Prozent des Stadtver­kehrs von Autofahrern auf Parkplatz­suche verursacht. Die erste Stadt, die das „Park and Joy System“ anbietet, wird Hamburg sein. In die Elbmetro­pole sollen bis zu 11.000 NB-IoT-Sensoren bis Ende 2019 in der ganzen Stadt installiert werden. Steht ein Fahrzeug darüber, wird diese Information an einen zentralen Server gesendet. Dort verarbeitet eine Software die Belegungs­daten und überträgt sie an eine Smartphone-App, die dann Parkplatz­be­le­gungen sofort für alle Nutzer sichtbar macht.

Die Belegungs­in­for­ma­tionen sind nicht personen­be­zogen, Zahlungs­daten werden auf einem besonders geschützten Backend in einem deutschen Rechenzen­trum gehalten und verarbeitet. Positions­daten werden nach Angaben der Betreiber nicht mit Personen­daten angereichert und nach Verarbei­tung gelöscht oder anonymisiert.

Intelligente Müllentsor­gung

Im Fokus möglicher NB-IoT-Anwendungen steht zudem die Abfallent­sor­gung. Noch führen die meisten Städte die Abfuhr nach einem festen Zeitplan durch. IoT Sensoren erlauben es zukünftig, Müllcontainer erst dann zu leeren, wenn sie voll sind, denn sie messen den Füllstand und senden diese Daten an einen Server zur Analyse und Berechnung der effizien­testen Route für die Müllfahr­zeuge.

Drei Viertel der im Rahmen der IDG Studie Internet of Things 2018 befragten Unternehmen gehen von einer hohen Relevanz der neuen Technologie aus. 90 Prozent rechnen in den nächsten drei Jahren mit steigenden IoT-Ausgaben. Mehr als die Hälfte haben dazu bereits Partnerschaften mit IT-Dienstleis­tern und Beratungs­firmen aufgebaut. Damit wird NarrowBand IoT in den nächsten Jahren ganz sicher zu einem wesentli­chen Pfeiler der nächsten digitalen Revolution werden.