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MenschenWeihnachtsbräuche in aller Welt

Von Mons­ter­katzen und Weih­nachts­gurken

Lesezeit ca.: 3 Minuten
Lisa Kräher

Lisa Kräher

freie Journalistin

Christbaum­ku­geln, Lebkuchen und Strohsterne gehören für Deutsche zu Weihnachten wie das Blaukraut zur Gans. In anderen Ländern erzählt man sich zum Fest von kinderfres­senden Katzen, schnitzt Radieschen oder macht Picknick am Strand. Eine vorweihnacht­liche Weltreise…

06. Dezember 2018

Unsere Reise beginnt im Nachbarland Frankreich. In der Gourmetna­tion schlürft man zum Christen­fest nicht nur Austern, auch „Foie Gras“ kommt auf den Teller, eine umstrittene Delikatesse. Während in Deutschland oder der Schweiz die Stopfmast, bei der man Gänse mit Rohren zwangsfüt­tert, damit sie fett werden, verboten ist, ist die Stopfleber für die Franzosen nationales Kulturgut. Genauso wie die „Santons“, in der Provence produzierte Terrakotta-Figuren, mit denen die Franzosen ihre Krippen bestücken. Mit der Weihnachts­ge­schichte haben die aber nicht unbedingt etwas zu tun, sie verkörpern meist alte Berufe wie den des Müllers oder Bauern.

Unheimli­cher geht es dagegen weiter nördlich zu. Jólaköttur heißt die Monsterkatze, die in Island kurz nach dem Weihnachts­fest ihr Unwesen treiben soll. Zumindest erzählt man sich das auf der Atlantik­insel. Besonders gemein: Die Kinder, die zu Weihnachten keine neue Kleidung bekommen haben, werden von Jólaköttur verspeist. Klar, was da in den meisten Familien unterm Baum liegt. Wer von seinen Eltern keine Klamotten bekommen hat, sollte sich überlegen, ob er oder sie im nächsten Jahr nicht etwas braver sein will. Wenn es nicht schon zu spät ist…

Weihnacht­li­ches Gemüse

Ein paar tausend Kilometer weiter auf der Nordhalb­kugel, in den Vereinigten Staaten, hängen schillernde Essiggurken aus Glas oder Kunststoff am Weihnachts­baum. Kurioser­weise gehen die Amerikaner davon aus, die „Good Luck Pickle“ beruhe auf einem deutschen Brauch. Richtig erforscht ist das bis heute nicht. Das Kind, das die Weihnachts­gurke im Baum als erstes entdeckt, darf seine Geschenke auch als erstes öffnen.

Wir bleiben beim Gemüse: Die mexikani­sche Stadt Oaxaca feiert am 23. Dezember die „Nacht der Radieschen“, bei der Heiligen­fi­guren, Krippenland­schaften und Weihnachts­schmuck ausgestellt werden – geschnitzt aus Radieschen und Rettich. Den Brauch gibt es seit der Kolonial­zeit. Denn das Gemüse führten die Spanier in Mexiko ein.

Die etwas andere Krippenfigur

À propos Spanien: Eher unappetit­lich ist dagegen ein Brauch aus Katalonien. Die Krippenfigur „El Caganer“ (deutsch: der Scheißer) verrichtet etwas abseits von Jesuskind, Maria, Josef und dem Rest der Truppe ganz ungeniert sein Geschäft. Schon im 17. Jahrhundert stellten die Katalanen diese Figuren auf. Die Botschaft ist aber alles andere als respektlos: Der Caganer düngt mit seinen Ausschei­dungen den Boden und steht für gute Ernte im nächsten Jahr. Mittlerweile gibt es die kackende Krippenfigur auch als Spongebob, Carles Puigdemont, Papst oder Queen Elizabeth.

Bis zum 6. Januar müssen die Kinder in der Ukraine auf ihre Weihnachts­ge­schenke warten. Denn dort wird nach dem gregoria­ni­schen Kalender gefeiert. Auf den Tisch kommen am Festabend zwölf Speisen – diese stehen für die zwölf Apostel. Ein großes Menü muss es dabei nicht sein; Brot, Käse oder Aufstrich zählen auch. „Vecherya“ heißt der Brauch, bei dem die ukrainischen Kinder ihren Paten an Weihnachten etwas zum Abendessen vorbeibringen, zum Beispiel selbstge­ba­ckenen Kuchen.

Fest unter Palmen

Down Under feiert man dagegen etwas anders. Schließlich ist auf der Südhalbkugel an Weihnachten Hochsommer. Den 25. Dezember verbringen die australi­schen Familien deshalb meist in Badehose am Strand mit einem großen Picknick. Zum sogenannten „Potluck“-Essen bringt jeder ein Gericht mit. Fernab im Outback schicken sich Familien oder Freunde, die sich aufgrund der Weite des Landes nicht sehen können, Weihnachts­grüße über die Funkstationen und Sendefre­quenzen der „Flying Doctors“. Das sind die Ärzte, die für die medizini­sche Versorgung auf dem Land zuständig sind.

Unsere Reise endet dort, wo sie begonnen hat: auf französi­schem Staatsge­biet. Allerdings fernab des kalten europäischen Winters. In Neukaledo­nien, der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe im Südpazifik, bringt traditio­nell am 25. Dezember der Weihnachts­mann die Geschenke. Und zwar mit einem Geländewagen, der durch die Dörfer fährt. Die Eltern haben ihn vorher mit Päckchen beladen. Ob die Stopfleber moralisch zu vertreten ist, darüber zerbricht man sich in Nouvelle-Calédonie nicht den Kopf. Hier kommt stattdessen Bougna auf den Tisch – Fisch oder Fleisch in Bananenblätter gewickelt.