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Ulfs* WeltKolumne

Killer-App für den ePerso

Lesezeit ca.: 3 Minuten
Ulf Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

freier Journalist

Endlich kann auch unser Kolumnist seine Identität digital nachweisen. Jetzt braucht er nur noch Einsatzmög­lich­keiten für den elektroni­schen Personal­aus­weis.

27. August 2019

Vorletztes Jahr war ich mal wieder im Einwohner­mel­deamt. Ich musste meinen neuen Personal­aus­weis abholen. Bei der Gelegenheit drückte mir die Beamtin eine Broschüre des damals noch heimatlosen Bundesmi­nis­te­riums des Innern in die Hand: „Der Personal­aus­weis mit Online-Ausweisfunk­tion.“ Tolle Sache, dachte ich mir spontan. Das spart bestimmt das Ausfüllen von Formularen!

Bei näherem Hinsehen war ich von der Innovation dann aber doch, nun ja, unterwäl­tigt. Ich hatte die falsche Technik. Mit einem Android-Handy hätte das „eID mit nPA“-Verfahren (elektroni­sche IDentitäts­prü­fung mit neuem Personal­Aus­weis) ohne weiteres funktioniert, vor allem ohne weitere Kosten, aber ich habe nun mal ein iPhone. Selbst Besitzer von Allerwelts-PCs mussten sich ein Kartenter­minal kaufen. Wenn das empfohlene Gerät der Sicherheits­klasse 3 schlappe 57,49 Euro kostet, überlegt sich Otto Normalbürger – respektive der Ulf – das zweimal. Zuviel Geld für einen Staubfänger, der noch dazu eine USB-Buchse blockiert.

Treuepunkte in Flensburg sammeln

Jetzt ist es endlich soweit, dass auch ich mitmachen könnte: Die Apple-App für den ePerso kommt! Also schaue ich in das alte Heftchen. Was kann ich denn so alles anstellen mit dem Identitäts­kärt­chen, wenn Apple demnächst die NFC-Schnittstelle für deutsche Behörden freischaltet? 1. Meinen aktuellen Flensburger Punktestand abfragen. Das ist nicht so der Bringer, denn geblitzt worden bin ich das letzte Mal vor fünf Jahren. 2. Meinen Kindergeld-Antragsstatus online klären. Deshalb werden wir aber jetzt kein Kind adoptieren. Wir sind froh, dass unsere Kinder erwachsen sind. 3. Meine Rentenaus­kunft online abrufen. Ach, nein danke, die Altersde­pres­sion, die dem Anschauen dieser Zahlen gewiss folgen wird, kommt 2025 früh genug. 4. „Auch Unternehmen bieten Ihnen die Nutzung der Online-Ausweisfunk­tion an.“ Echt jetzt? Nun gut, was nicht ist, kann ja noch werden.

Fahrzeug­brief zum Selbstdru­cken

Oder ist es sogar geworden? Gibt es schon irgendwo eine Killer-App für den ePerso, also eine Anwendung der Technik, die mich so richtig vom Stuhl haut? Im Netz werde ich fündig: In vielen Städten machen die Kfz-Zulassungs­stellen mit. Knapp daneben, also auch vorbei. Da war ich nämlich erst im Januar, und so oft kaufe ich kein neues Auto, dass ich beim nächsten Wagen noch meine sechsstel­lige eID-nPA-PIN wüsste. Aber spannender als der Rest klingt das immerhin: Bestelle ich mir das Nummernschild im Onlinehandel? Darf ich mir Fahrzeug­brief, Fahrzeug­schein und Zulassungs­stempel zu Hause ausdrucken? Und wie geht das beim Abmelden? Wollen die Landrats­be­amten denn nicht mehr das alte Siegel eigenhändig runterkratzen?

Bonus für Hilfsshe­riffs

Ich fürchte, auf weitere Ideen aus dem Bundesin­nen­hei­mat­bau­mi­nis­te­rium sollten wir nicht warten. Bis denen sinnvolle Einsatzmög­lich­keiten für den ePerso einfallen, ist die Gültigkeits­dauer des eingebauten NFC-Chips schon wieder rum. Sind ja nur zehn Jahre. Also denken wir uns jetzt mal pfiffige Anwendungen aus. Wir könnten der Polizei schön Arbeit abnehmen ... äh ... machen, indem wir mobil per App in Echtzeit alle Autofahrer anzeigen, die auf Radwegen parken – samt Beweisfoto mit GPS-Daten und Zweifaktor-Authenti­sie­rung des selbster­nannten Hilfsshe­riffs. Die Ordnungs­hüter würden sich für dieses bürgerschaft­liche Engagement bestimmt durch zusätzliche Verkehrs­kon­trollen erkenntlich zeigen. Wer zehn Mal nüchtern und mit korrektem Abstand erwischt wird, darf sich in Flensburg online einen Punkt abziehen.

Die beste Anwendung, die mir einfällt, betrifft allerdings einen schon lange nicht mehr hoheitli­chen Bereich, nämlich die Paketdienste. Wäre es nicht toll, wenn als „Beleg“ für die „Zustellung“ eines in hohem Bogen hinter die Altpapier­tonnen geschmis­senen Päckchens kein beliebiges Gekrakel auf dem Display des Mobilter­mi­nals mehr zählte, sondern nur noch der unmittel­bare Kontakt mit dem ePerso des Empfängers? Das hätte echt das Zeug zu einer Disruption der Branche.