FERCHAU-Mitarbeiter Stanypragash Arulpragasam
Stanypragash Arulpragasam

Der Schlan­gen­fänger von Bochum

Als Kind wollte Stanypragash Arulpragasam Schlangenfänger werden – wie sein Opa. Jetzt ist er Qualitätsingenieur, ein Beruf, der auch viel Geduld und Detailarbeit erfordert. Doch die zischenden Tiere faszinieren ihn noch immer, ob Rattenschlangen, Kobras oder stählerne Schlangen mit hohem Tempofaktor.

Es ist ein heißer Tag in Sri Lanka. Eine Gruppe Touristen bahnt sich ihren Weg durch den Dschungel. Plötzlich bewegt sich etwas am Boden, langsam schiebt sich ein glänzend gelber Körper in Richtung der Menschen – eine Schlange! Die Gruppe springt auseinander, ein paar Schreie. Während alle anderen hektisch wegstolpern, bleibt Stanypragash Arulpragasam ruhig stehen und zückt seine Kamera. Lebensmüde? Verrückt?

„Vielleicht ein bisschen“, sagt er und lächelt verschmitzt. „Die meisten Menschen laufen instinktiv weg, wenn sie eine Schlange sehen, mich faszinieren diese Tiere. Diese Rattenschlange in Sri Lanka war wunderschön, die Sonne schimmerte auf ihrer Haut. Da musste ich einfach näher ran.“ Was die anderen Touristen nicht wissen: Was gefährlich aussieht, ist in Wirklichkeit recht harmlos, denn Rattenschlangen sind nicht giftig.

Stanypragash Arulpragasam weiß das, denn schon seit seiner Kindheit ist er Schlangenfan. „Meine Familie stammt aus Sri Lanka, dort hat mein Großvater noch als Schlangenfänger gearbeitet. Ich habe die Erzählungen meines Vaters darüber geliebt. Als Kind habe ich mich vor allem gefragt: Wie können diese Tiere sich bewegen, sie haben doch gar keine Füße?“ Bei dieser Frage bleibt es nicht, vielmehr ist sie erst der Anfang einer Leidenschaft. „Ich habe versucht, möglichst viel über Schlangen zu lernen. Verschiedene Arten, ihr Verhalten und die Fortbewegungsweise, die Wirkung ihrer Gifte, das wird nie langweilig.“

Bei so viel Begeisterung liegt der Schritt zum professionellen Schlangenbändiger eigentlich nah. Stattdessen macht Arulpragasam seinen Realschulabschluss, dann sein Fachabitur und geht schließlich an die Uni, um Ingenieur zu werden. Seit zwei Jahren arbeitet er nun im Qualitätsmanagement. Nicht ganz so aufregend wie Schlangenfangen im Dschungel, oder? „Das würde ich so nicht sagen. Auch hier geht es oft darum, einen kühlen Kopf zu bewahren und das Verhalten eines Produkts oder die Wünsche eines Kunden genau zu studieren. Das liegt mir einfach und ich freue mich, wenn am Ende alle mit dem Ergebnis zufrieden sind. Die Schlangen sind dann im Urlaub dran." Vor sechs Jahren sah er in Indien einen Mann mit einer Kobra spielen, ein einmaliges Erlebnis. Doch das Spannendste sind für ihn Begegnungen mit Schlangen in der freien Natur. Ganz oben auf der Liste der Wunschziele steht deshalb Australien, natürlich der Outback, dicht gefolgt vom afrikanischen Kontinent und – Orlando. Denn da schlängelt sich eine spezielle Schlangenart durch die Luft, die weniger mit Gift, aber genauso viel mit Adrenalin zu tun hat: die Achterbahn.

„Freizeitparks sind mein zweites großes Hobby, ich stehe einfach auf den Nervenkitzel.“ Während seine Frau ihn wegen der Schlangen schon häufiger für verrückt erklärt hat, geht sie ohne zu zögern mit auf die wilden Fahrten. „Da sind wir genau gleich verrückt und das ist ja auch wichtig“, lacht Arulpragasam. Angst hat der 26-Jährige selten, nur einer Sorte Schlange würde er lieber nicht allein begegnen: „Würgeschlangen kann man sehr schwer einschätzen. Man weiß nie, wie lang sie sind, und die Mäuler sind einfach riesig. Da würde ich Abstand halten, denn auch wenn ich die Herausforderung mag – ich kenne meine Grenzen.“