FERCHAU-Mitarbeiter Stephan Lortz
Stephan Lortz

Die Angst vor den „45 Jahren“

Stephan Lortz ist ein neugieriger Typ, der die Abwechslung in seinem Berufsleben mag – und braucht. Denn wenn es etwas gibt, was den 49-Jährigen richtig gruselt, ist es die Vorstellung, 45 Jahre lang das Gleiche zu machen. Nur eine Routine pflegt der Ingenieur gern.

Eine ruhige Stimme, klare, präzise Antworten – Stephan Lortz ist ein fokussierter Mensch, das merkt man selbst in einem Telefoninterview schon in den ersten Minuten. Er redet nicht gern drum herum und verliert keine unnötigen Worte. Stephan Lortz selbst nennt das „lösungsorientiert“ und meint damit keine Arbeitseinstellung, sondern eher ein Lebensmotto.

Herr Lortz, Sie sind Triathlet. Wie kam es dazu?
„Haha, jetzt aber mal halblang. Ich würde mich nicht als Triathleten bezeichnen. Ich fahre schon lang und gern Fahrrad, das ist meine starke Disziplin. Letztes Jahr hat mich dann ein Freund gefragt, ob Triathlon nicht auch mal etwas wäre. Der Sport ist für mich ein wichtiger Ausgleich und ich mag es, mit den Wettkämpfen klare Ziele vor Augen zu haben, auf die ich hinarbeiten kann. Das motiviert mich. Ich mache aber nur die Sprintdistanzen.“

„Nur“ bedeutet in diesem Fall 0,75 Kilometer schwimmen, 20 Kilometer Rad fahren und zum Schluss noch 5 Kilometer laufen. Was auch „Jedermann“-Distanz heißt, ist ganz sicher nicht jedermanns Sache.

Sie verbringen viel Zeit mit dem Training. Würden Sie sagen, dass Sie sich auch über Ihren Sport definieren?
„Er gehört natürlich zu mir, aber definieren …? Ich glaube, mein Beruf spielt da eine größere Rolle, schließlich verbringe ich da die meiste Zeit. Abgesehen natürlich vom Schlafen, aber darüber sollte man sich besser nicht definieren. Ich würde sagen, dass ich sowohl bei der Arbeit als auch beim Sport sehr viel Befriedigung empfinde, wenn ich immer wieder neue Ziele erreiche und dabei in einem gesetzten Rahmen bleibe. Es ist für mich wichtig, immer wieder an neuen beruflichen und persönlichen Projekten zu arbeiten. Schlimm finde ich die Vorstellung, 45 Jahre lang das Gleiche zu machen.“

Gibt es denn kein schönes Ritual, das Sie regelmäßig pflegen?
Jetzt passiert etwas Interessantes. Stephan Lortz schweigt einen Moment und als er wieder anfängt zu reden, ist seine Stimme verändert. Ein bisschen schneller, ein bisschen lauter, er lächelt hörbar bei dem Gedanken an ein Ritual, das nicht besonders lösungsorientiert, aber einfach schön ist. „Doch, da gibt es etwas. Meine Frau und ich fahren sehr gern samstags auf den Markt und das machen wir auch sehr regelmäßig. Da gibt es Stände mit Käsesorten und regionalen Spezialitäten, man trifft Leute, schlendert umher, quatscht und isst. Meine Frau und ich arbeiten beide viel, da ist diese gemeinsame Zeit viel wert. Am liebsten fahren wir mit dem Cabrio hin, das ist nämlich mein zweites Hobby. Der Wind in den Haaren und die Sonne auf dem Kopf – da kommt sogar unsere 15-jährige Tochter gern mit.“