FERCHAU-Mitarbeiter Thomas Huber
Thomas Huber

Durch Lavah­öhlen auf Hawaii

Sommer 2014, ganz Deutschland verfolgt gebannt die spektakuläre Rettung eines Höhlenforschers aus der gefährlichen Riesending-Höhle. Während Zeitungen darüber spekulieren, warum jemand 1.000 Meter tief in einen Berg hineinkriecht, und Fernsehreporter fragen, wie es sich wohl anfühlt, dort ohne Tageslicht auf Hilfe zu warten, kann Thomas Huber sich das ziemlich gut vorstellen. Denn in seiner Freizeit ist der 54-Jährige selbst als Höhlenforscher unterwegs.

Wenn man Thomas Huber fragt, wie ein perfekter Feierabend für ihn aussieht, kommt er ein bisschen ins Grübeln. Denn der studierte Informatiker und Leiter des Center of Competence medical der FERCHAU-Niederlassung in Mannheim braucht etwas mehr als einen Feierabend, um seinen Hobbys nachzugehen. „Ich reise sehr gern und weit, tauche und erforsche Höhlen“, erklärt er. Reisen ist inzwischen fast ein „Must-have“ in der Aktivitätenliste, mit Tauchen kann auch der ein oder andere aufwarten, aber Höhlenforschung?

Herr Huber, wie kommt man denn auf die Idee, sich freiwillig durch enge Gänge über feuchten Kalkstein in die völlige Dunkelheit zu kämpfen?
„Das war eher zufällig. Ich tauche nicht nur selbst, sondern bringe das als Tauchlehrer im Verein auch anderen bei. Einer der Schüler sagte nach dem Tauchkurs zu mir: ‚Gut, jetzt hast du mich mit unter Wasser genommen, jetzt nehm ich dich mit unter die Erde.‘ Damit war der Anfang gemacht.“

„Höhlenforscher“ klingt so professionell, wie macht man das denn als Hobby?
„Leider kann ja kaum jemand von Höhlenforschung leben, daher erfolgt die meiste Forschung in der Freizeit als Hobby. Konkret sieht das so aus, dass man sich vor allem Wissen über Entstehung und Beschaffenheit von Höhlen, Geologie und Vermessung aneignet. Ich versuche, einmal im Monat eine Höhle zu besuchen, um meine Fähigkeiten vor Ort weiterzuentwickeln. Natürlich mit passender Ausrüstung, die man immer weiter optimieren und auf einzelne Höhlen abstimmen muss. Insofern: Selbst, wenn es ein Hobby ist, muss man eine gewisse Professionalität unbedingt an den Tag legen.“

Sonst wird es wahrscheinlich gefährlich. Hätte Ihnen das, was dem Forscher letztes Jahr in der Riesending-Höhle zugestoßen ist, auch passieren können?
„Nein, so extreme Touren mache ich nicht. Ich bin zwar sehr neugierig und will immer wieder etwas Neues erleben, aber die physischen und psychischen Anforderungen sind sehr hoch und ich bin dementsprechend vorsichtig. Bisher habe ich zum Glück noch keine wirklich brenzlige Situation erlebt. Meine längste Höhlentour war etwas mehr als drei Tage lang. Da war ich in einer Gruppe in Österreich unterwegs und so sechs Kilometer weit in der Höhle drin. Es ist schon ein spezielles Gefühl, wenn man eine Tagesreise vom Ausgang entfernt ist, da ist man auf sich gestellt.“

Welche Ausrüstung müssen Sie denn dafür mitnehmen?
„Genau das ist immer die große Frage. Natürlich Helm, Licht, Kleidung, Nahrungsmittel und eventuell Biwakmaterial. Dann je nach Höhle Seile und Kletterausrüstung, Steigeisen für Eisflächen oder auch einen Neoprenanzug für Wasserpassagen, es kann also schon etwas zusammenkommen. Trotzdem darf es nicht zu schwer werden, das ist fast die größte Herausforderung. Die Besonderheiten einer Höhle bestimmen die Ausrüstung immer sehr stark.“

Gibt es noch eine besondere „Wunschhöhle“ auf Ihrer Liste?
„Natürlich gibt es einige berühmte Höhlen, die ich spannend finde. Aber es sind die Unterschiede, die mich reizen, zum Beispiel war ich auf Island und Hawaii in Lava-Höhlen, die ganz anders entstehen als Kalkstein-Höhlen. Eigentlich reizt mich keine bestimmte Höhle, mein Ziel ist es eher, selbst etwas zu entdecken; eine Höhle oder einen Höhlenteil, den zuvor noch kein menschliches Auge gesehen hat.“