Claudia Weidner

Ein Gewin­ner­auto braucht keinen Komfort

Als Projektassistentin im Bereich Komfortsysteme dreht sich für Claudia Weidner alles um Elektrik und Elektronik. In ihrer Freizeit setzt die studierte Automobilwirtschaftlerin dagegen auf ein Auto, das all diese modernen Entwicklungen nicht hat – und trotzdem ein Gewinnertyp ist.

Claudia Weidners Blick wandert von der Karte zur Uhr und wieder zurück. „Wir sind zu langsam, jetzt gleich kommt der Berg“, ruft sie ihrem Partner zu, der auf dem Fahrersitz des alten VW Käfers gerade um eine Kurve steuert. Als der Berg in Sicht kommt, schaltet er einen Gang runter und holt auch die letzte Pferdestärke aus dem alten Motor raus. „Ja, auf die Sekunde!“, ruft Claudia Weidner begeistert, als sie auf der Kuppe die Zeitschranke passieren und vertieft sich gleich wieder in die Streckenführung.

„Den Käfer haben wir jetzt seit März 2016 und nehmen seitdem regelmäßig an Oldtimerrallyes teil“, erzählt die 27-Jährige, die dabei auf dem Beifahrersitz Platz nimmt und neben der Wegführung auch dafür zuständig ist, die Uhr im Auge zu behalten. „Bei Oldtimerrallyes geht es nicht darum, der Schnellste zu sein, sondern Zeitschranken genau in einer bestimmten Zeit zu passieren“, erklärt sie. 

Gleich bei der ersten Rallye holte sich das Zweierteam den ersten Platz. Kein Wunder, denn Zeitmanagement und punktgenaue Termineinhaltung sind auch in Claudia Weidners Job zentrale Erfolgsfaktoren, denn als Projektassistenz ist sie unter Anderem für das Teilemanagement zuständig. „Die Kollegen sagen mir, wann sie was brauchen, ich bestelle die Teile, verfolge die Lieferungen und sorge dafür, dass alles pünktlich da ist. Das ist natürlich maßgeblich für den Projekterfolg.“ 

Wenn sich die Herausforderungen in Job und Freizeit auch ähneln, so könnten die Fahrzeuge, um die es geht, kaum unterschiedlicher sein. Die Entwicklungen aus Claudia Weidners Abteilung verbessern den Komfort, indem das Fahrzeug auf die individuellen Bedürfnisse des Fahrers eingestellt werden kann. Ihr Partner schaltet dagegen mit Zwischengas durch die teilweise unsynchronisierten Gänge des Käfers und muss sich auf jede Eigenheit des Klassikers aus dem Baujahr 1957 einstellen, die Claudia Weidner und er gemeinsam entdeckt haben. „Den ersten Gang kann man zum Beispiel nur im Stehen einlegen. Da man bei einer Rallye aber auf keinen Fall vor der Lichtschranke stehen bleiben darf, ist es eine Herausforderung, beim Heranfahren an die Schranke genau die Zeit zu treffen, aber nie so langsam zu werden, dass man anhalten und in den ersten Gang schalten muss und dadurch Strafpunkte erhält.“

Die Begeisterung für Fahrzeuge hat Claudia Weidner von der Familie mitbekommen. Ihr Onkel hatte ein Faible für amerikanische Fahrzeuge mit großem Hubraum, zuhause lief regelmäßig DTM und Formel 1. Der Weg von der Automobilkauffrau über das Studium und Stationen bei verschiedenen Händlern und OEMs in den Entwicklungsbereich ist für sie die optimale Basis für ihren Job. „Ich habe fast alle Seiten der Branche kennen gelernt. Daher fällt es mir leicht, auch andere Perspektiven einzunehmen und die Interessen aller Stakeholder im Blick zu haben.“