FERCHAU-Mitarbeiter Oliver Kraus
Oliver Kraus

Gipfel­stürmer mit Fernweh

Wenn Oliver Kraus das Büro verlässt, zieht es ihn an den Fels. Der 35-Jährige klettert leidenschaftlich gern. Ob es die Kletterwand in der Halle in Aalen ist, schroffe Felsen in Kroatien oder der schneebedeckte Gipfel des Cotopaxi – für Oliver Kraus ist das Klettern der perfekte Ausgleich zu seinem Beruf.

Langsam schiebt Oliver Kraus seine Finger in Richtung eines kleinen Felsvorsprungs. Sie zittern vor Anstrengung, als er ihn schließlich zu packen bekommt und sich hochzieht. Seine Hände sind weiß von Chalk, sein Gesicht voll konzentriert. Er blickt nach unten, auf der Suche nach einem Tritt. Da, endlich, eine kleine Einbuchtung im Fels. Er setzt den linken Fuß darauf und drückt sich ein letztes Mal hoch. Geschafft! „O. k., zu! Und ab!“, ruft er triumphierend nach unten. Sein Kletterpartner zieht das Seil straff und im nächsten Moment gleitet Kraus an der Wand entlang nach unten.

„Klettern hat sehr viele Dimensionen. Da ist natürlich der sportliche Aspekt, aber der steht für mich nicht im Vordergrund. Ich genieße die Zeit in der Natur, es geht um Vertrauen zum Kletterpartner, um Konzentration, Überwindung und natürlich auch um den Kick, denn Klettern birgt immer auch ein Risiko.“ Für den 35-Jährigen ist das der perfekte Ausgleich zu seinem Job. Bei Zeiss begann er zunächst als technischer Mitarbeiter in der Entwicklung und Verifikation von Systemen, die zur Herstellung leistungsfähiger Mikrochips benötigt werden. Mittlerweile ist der FERCHAU-Mitarbeiter Leiter Projektgruppe bei ZEISS & AIRBUS und eine Art professionelles Mädchen für alles, wie er selbst lachend sagt. „Ich hatte mehrfach die Möglichkeit, zu ZEISS u. a. ins Labor oder in den FERCHAU-Vertrieb zu wechseln, aber mir liegt mein Tätigkeitsprofil hier absolut.“ Projektleitung, Managementaufgaben und Teamführung gehören ebenso dazu wie Verhandlungen mit dem Kunden sowie immer auch technische Fragen und Entscheidungen. „Das ist die perfekte Schnittstelle“, sagt Oliver Kraus.

Seine Kollegen sind für ihn mehr als nur sein Team, denn ein großer Teil seines Freundeskreises besteht aus ehemaligen und aktuellen FERCHAU- sowie Kunden-Mitarbeitern. „Da entstehen wirklich sehr langjährige Kontakte, die ich sehr schätze. Wir fahren viel zusammen in den Urlaub, natürlich vor allem zum Klettern, aber auch Skifahren oder mal Kitesurfen.“ Eine seiner größten Reisen hat Oliver Kraus aber ohne die Kollegen gemacht. Für sechseinhalb Wochen lernte er die Weiten Chiles kennen – und natürlich die Berge. Der 2.840 Meter hohe Vulkan Villaricca mag manchem schon unbezwingbar erscheinen, ist aber nicht der höchste Berg in Oliver Krausʼ Eroberungsliste. „Bei einer Reise nach Ecuador habe ich den Cotopaxi bestiegen. Der hat fast 6.000 Höhenmeter.“ 5.897, wenn man es ganz genau nimmt, und auch der Cotopaxi ist ein aktiver Vulkan, der sein Heimatland in diesem Jahr wieder in Atem hält.

Das Interesse für andere Länder und Kulturen ist Oliver Kraus in die Wiege gelegt: Die ersten zehn Jahre seines Lebens verbrachte er in England, seine Eltern waren international beruflich unterwegs, unter anderem in Indien. „Ich glaube, dass ich dadurch sehr weltoffen bin und mich gut auf verschiedene Menschen einlassen kann. Das kommt mir natürlich in meinem Beruf zugute.“ Genau wie seine Leidenschaft dafür, Menschen zu begeistern. „Wenn neue Mitarbeiter zu uns kommen, arbeite ich sie ein und freue mich, wenn sie mir ein Jahr später schon fachlich überlegen sind. Genauso ist es beim Klettern: Ich habe viele Kumpels erst dazu animiert und heute klettern sie viel anspruchsvollere Routen als ich. Das macht mir nichts aus – im Gegenteil: Meine Qualität ist es, die Leute zusammenzubringen und einen Anschub zu geben.“

Kreativität in Gold Technikbegeisterte Menschenkennerin