FERCHAU-Mitarbeiter Jan Marc Kahle
Jan Marc Kahle

Sani­täter aus Leiden­schaft

Wenn am Wochenende Tausende Bremer Fans auf den Einlass ins Werder-Stadion warten, fährt Jan Marc Kahle ganz gemütlich im Auto bis gleich vor die Tür und geht von den Massen unbeeindruckt hinein. Er ist nicht etwa Dauerkartenbesitzer in der VIP-Loge, sondern hat hier eine Aufgabe. Er ist ehrenamtlicher Sanitäter beim Deutschen Roten Kreuz.

Der Kreislauf ist die häufigste Ursache für Besuche bei Jan Marc Kahle und seinen Kollegen. Lärm, Menschenmassen und Alkohol sorgen schnell für den ein oder anderen Zusammenbruch oder Schwächeanfall. Wenn dann noch ein nervenaufreibendes Spiel dazukommt, braucht Kahle sich um Langeweile keine Gedanken zu machen. „So ein 5:4 bietet gut Chancen auf Kreislaufpatienten“, sagt er lachend. Als Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist er regelmäßig im Stadion von Werder Bremen im Einsatz. „Wenn ich Glück habe und im Block Dienst habe, kann ich manchmal auch zusehen.“

„Dienst“ hat der 30-Jährige eigentlich die Woche über als Maschinenbautechniker in der Qualitätssicherung bei einem Automobilzulieferer. Seit 2013 ist der Konstrukteur hier beschäftigt, der Einsatz für das Deutsche Rote Kreuz ist also eher sein Hobby. Aber ist es nicht anstrengend, nach einer vollen Woche auch noch am Wochenende zu arbeiten?

„Ich empfinde das nicht so. Viele meiner Freunde sind auch beim DRK und bei den Veranstaltungen wie Fußballspielen oder Reitturnieren hat man ja in der Regel nicht durchgehend etwas zu tun. Insofern kann man sich unterhalten, entspannt Zeit miteinander verbringen und ist gleichzeitig vor Ort, wenn etwas passiert.“ Einen wirklich spektakulären Einsatz hatte Jan Marc Kahle bisher allerdings nicht und ist auch sehr froh darüber. „Es ist nicht so, dass man darauf wartet, endlich etwas richtig Spannendes zu erleben. Denn dabei geht es immer um Menschenleben und wir haben eine große Verantwortung. Insofern freuen wir uns jedes Mal, wenn wir ohne größere Zwischenfälle wieder nach Hause fahren können.“

Das Team spielt eine wichtige Rolle für Kahle, der auch durch Freunde zum DRK kam. Jeden Mittwoch gibt es einen Gruppenabend, bei dem nicht nur die Kompetenzen immer wieder geschult werden, sondern auch die Kameradschaft. „Es ist wichtig, sich im Ernstfall blind aufeinander verlassen zu können. Genauso wichtig sind natürlich die eigenen Fähigkeiten, an denen man immer wieder arbeiten muss, um nicht aus der Übung zu kommen.“

Die Arbeit beim DRK hat auch seine Wahrnehmung verändert. „Natürlich ist es ein schönes Gefühl, helfen zu können, wenn etwas passiert. Andererseits fühlt man sich dadurch auch schnell verantwortlich und bekommt ein neues Bewusstsein für Gefahren und schätzt Situationen anders ein. Es ist nicht alles nur Abenteuer, trotzdem macht mir mein Engagement viel Spaß und ist ein toller Ausgleich zu meinem Job.“